Erster "Mieterführerschein" im Landkreis Traunstein

Migranten werden fit für die eigene Wohnung

Landkreis Traunstein - Kürzlich durften sich die ersten anerkannten Flüchtlinge im Landkreis Traunstein über Zertifikate für absolvierte Mieterqualifizierungen freuen.

In der Asylunterkunft in Traunreut qualifizierten sie sich in sechs Wochen in 10 Schulungseinheiten, um "fit für die eigene Wohnung" zu werden. Aus der Hand von Florian Steiskall, Integrationslotse im Landkreis Traunstein, und des Lehrers Hermann Schubotz nahmen sie stolz die Zertifikate entgegen. Es war die erste Mieterqualifizierung des Landratsamtes Traunstein und der Max Aicher Stiftung im Landkreis. Entsprechend den Mieterschulungen im Berchtesgadener Land, wo sich bereits mehr als 40 Zuwanderer als "gute Mieter" qualifiziert haben, wurde der Lehrgang gemäß dem Neusässer Konzept durchgeführt.

"Der Landkreis Traunstein ist froh, mit der Max Aicher Stiftung einen kompetenten und zuverlässigen Partner gefunden zu haben" resümiert Florian Steiskall die erste Schulung im Landkreis. "Auch die Zusammenarbeit mit der Regierung von Oberbayern, als Betreiber der Unterkunft, klappte reibungslos. Von der Idee bis zur Umsetzung sind nur wenige Wochen vergangen. Und es werden weitere Schulungen, auch an anderen Orten, folgen."

Win-Win Situation durch das Mieter-Zertifikat

Die Max Aicher Stiftung bietet bereits seit Oktober 2017 mit dem Landratsamt Berchtesgadener Land den "Mieterführerschein" an. Die Mieterqualifizierung "Fit für die eigene Wohnung" hat zum Ziel, den neuen Mitbürgern das selbständige Finden und Mieten von Wohnungen zu erleichtern und den Umgang mit Vermietern zu lernen. Hierdurch sollen auch Vorurteile gegenseitig abgebaut werden - die Chancen auf eine Wohnung erhöhen sich einerseits, andererseits erhöhen sich die Wahrscheinlichkeiten auf ein gutes Miteinander und weniger Konfliktpotenzial in den Wohnungsgemeinschaften - also auch vorteilhaft für Vermieter.

Schon jetzt haben einige der Absolventen im Landkreis mit Ihrem "Mieter-Zertifikat" schneller als gewöhnlich eine Wohnung gefunden: Das "Mieter-Zertifikat" als Wettbewerbsvorteil in Zeiten eines extrem schwierigen Wohnungsmarktes. Die Angabe bei der Wohnungssuch "hat erfolgreich die Mieterqualifizierung absolviert", ist somit eine große Unterstützung bei der Wohnungssuche.

Grundlagen erlenen

In der Vergangenheit zeigte sich immer wieder, dass es einfache und alltägliche Dinge sind, die vor allem für Neubürger nicht selbstverständlich sind. Das Max Aicher Lehrerteam hat bereits viele Erfahrungen im Unterrichten von Migranten gesammelt. Die LehrerInnen leiten Kurse zum Spracherwerb von Anfängern über Fortgeschrittene, Frauenkurse bis hin zu Berufssprachkursen. In der Mieterqualifizierung erlernen die TeilnehmerInnen in den sechs Wochen grundlegende Dinge wie "wo und wie lese ich eine Wohnungsanzeige", sie üben richtiges Telefonverhalten und Gespräche mit Vermietern bei der Wohnungsbesichtigung.

Sehr praxisnah und lebendig trainieren die Schüler die richtige Mülltrennung, wie man richtig heizt und lüftet. Was ist eine Kaution, die richtige Miethöhe, was muss ich hierbei beachten, dass ich in ein gutes Mietverhältnis eingehe - viele solcher Fragen werden eingehend bearbeitet.

Zur Erreichung des Qualifikationsnachweises ist eine Mindest-Anwesenheit von 80% im Kurs sowie das Bestehen der Lernzielkontrolle erforderlich. Zur Komplettierung in der Unterstützung der Wohnungssuche wird gemeinsam eine Bewerbungsmappe erstellt: denn: Die Schulung soll sowohl dem Wohnungssuchenden helfen - er fühlt sich gestärkt durch seine erlernten Kenntnisse – als auch dem potentiellen Vermieter - er hat die grundlegende Gewissheit, dass der Bewerber sich mit der Thematik "leben in einer deutschen Wohngemeinschaft" auseinandergesetzt hat.

Integration durch Qualifizierung

Die Max Aicher Stiftung finanziert bereits seit September 2015 den Deutschunterricht vor allem im Berchtesgadener Land:"Deutsch vom ersten Tag an" für alle Asylbewerber, unabhängig von Status und Herkunftsland - nach einem einheitlichen Lehrkonzept. Dabei sind sich Max Aicher und Partner einig, dass diese große Herausforderung zur Integration der Flüchtlinge im Landkreis und über die Regionsgrenzen hinaus nur in Partnerschaft gut zu lösen ist. Bisher haben im Projekt etwa 400 Asylbewerber und Migranten aus mehr als 15 Nationen Deutsch gelernt und Spezialkurse absolviert.

In enger Vernetzung und Zusammenarbeit unterschiedlicher Partner, seit kurzem auch mit dem Landratsamt Traunstein, wird dieses Angebot sichergestellt: In der Mieterqualifizierung steht das Landratsamt zur Seite, Caritas, AWO oder Diakonie unterstützen begleitend. Durchschnittlich lernt jeder Sprachschüler im Unterrichtsprojekt der Max Aicher Stiftung nach einem fixen Stundenplan vier Tage die Woche mit gesamt etwa 600 Unterrichtseinheiten.

Die Koordinatorin aller Sprachkurse und Fachschulungen der Max Aicher Stiftung, Gabriele BauerStadler sagt dazu: "Auch internationale Studien bestätigen, dass Sprachförderung weiterhin Priorität haben muss, um Integration zu gewährleisten. Es braucht vor allem eine noch bessere Diversifizierung der Kurse, um den vielen unterschiedlichen Lernbedürfnissen der Asylbewerber gerecht zu werden: soziale Kompetenzen und Werte müssen Teil des Lehrplanes sein, Mamakurse, sowie Fachschulungen wie Mieterqualifizierung und berufsbegleitende Sprachkurse sind anzubieten". 

Pressemitteilung Max Aicher Stiftung

Rubriklistenbild: © Max Aicher Stiftung

Zurück zur Übersicht: Landkreis TS

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser