Pressemitteilung Abgeordnetenbüro MdL Gisela Sengl

Perspektiven für Kunst und Kultur in der Region schaffen

Landtagsabgeordnete Gisela Sengl (oben, Mitte) im Gespräch mit Kunst- und Kulturschaffenden aus der Region
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Eine Kulturveranstaltung als Videotalk – Corona macht’s notwendig. Landtagsabgeordnete Gisela Sengl (oben, Mitte) im Gespräch mit Kunst- und Kulturschaffenden aus der Region.

Landkreis Traunstein - Die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl diskutierte mit Kunst- und Kulturschaffenden über die Rettung der Branche:

„Ich habe den schönsten Beruf der Welt“, sagt Christine Rothacker, Schauspielerin, Musikerin und Kabarettistin aus Fridolfing. „Aber die derzeitige Situation zehrt schon sehr am Selbstbewusstsein.“ Wie ihr geht es derzeit vielen Künstlerinnen und Künstlern, auch im Landkreis Traunstein, „der ja sonst ein reiches kulturelles Leben hat“, betonte Gisela Sengl. Die Landtagsabgeordnete hatte zum Videotalk eingeladen; mit ihr und der kulturpolitischen Sprecherin der Landtagsgrünen, Sanne Kurz, diskutierten zahlreiche Kunst- und Kulturschaffende, Kunstvermittler und -interessierte aus der Region darüber, wie Kunst und Kultur die Pandemie überstehen kann. Auch LaBrassBanda-Frontmann Stefan Dettl und die Harfinistin Silke Aichhorn schalteten sich zu.

„Wir befinden uns seit 13. März im Dauerlockdown“, berichtete Jochen Enthammer, Schlagzeuger, Miteigentümer der Musikschule „Musikimperium“ in Wasserburg und verheiratet mit der Sängerin Vera Klima aus Trostberg. Als Soloselbständige fielen sie beide durch die meisten Raster für staatliche Hilfsangebote; anstatt wie 2019 rund 100 Engagements seien es in diesem Jahr fünf, das bedeute 70 bis 80% Einnahmeneinbußen. „Wir haben schon beinahe resigniert“, so Enthammer, „viele Kollegen überlegen auch, ob sie diesen Beruf künftig überhaupt noch ausüben wollen.“

An den staatlichen Hilfen für Kunst- und Kulturschaffende wurde viel Kritik geübt. Die Branche, die gemessen an der Bruttowertschöpfung die drittstärkste Kraft im Land ist und mit 1,5 Millionen mehr Beschäftigte als die Automobilindustrie hat, werde nicht als Wirtschaftsfaktor wahrgenommen, kritisierte Sengl. „Nur wenn eine Branche gut organisiert ist, hat sie sofort Geld bekommen. Es ist einfach nicht gerecht, dass es für die Kunstbranche kein Kurzarbeitergeld gibt, zum Beispiel gemäß dem Durchschnittslohn der letzten zwei Steuererklärungen.“

Die Regierung aus CSU und Freien Wählern habe den Wert der Kultur noch immer nicht erkannt und würde sie auf reine Freizeitgestaltung reduzieren, so die einhellige Meinung vieler Teilnehmer. „Noch nicht einmal das Antragstool ist programmiert“, kritisierte Harfinistin Silke Aichhorn; Mittel des Bundes und des Freistaats schließen sich gegenseitig aus, und auch dass die Unterstützung eine Pauschale sei, sei kaum hilfreich. Dass zwischenzeitlich zwar die Museen selbst geschlossen, ihre Shops aber geöffnet werden durften, erzürnte Landtagsabgeordnete Sanne Kurz. „Der Museumsshop ist mit Sicherheit der gefährlichste Ort im ganzen Museum bei einer Pandemie.“ Solche Entscheidungen dürften in Zukunft nicht mehr fallen, die finanzielle Unterstützung müsse sinnvoller und variabel gestaltet sein.

Kunst und Kultur fehlten derzeit aber auch zur Verarbeitung der Erlebnisse, die alle Menschen in diesem Jahr hatten. „Diese Pandemie macht etwas mit den Menschen. Es braucht Kultur und Kunst, um das, was passiert ist, zu verarbeiten“, sagte Johanna Hartmann, Flötistin und Musiklehrerin. Ähnlich sah es auch Herbert Stahl, der Vorsitzende des Kunstvereins Traunstein e.V.: „Alle Kulturveranstaltungen sind ein Podium der Begegnung und des Gesprächs. Wir brauchen sie, sonst gehen ganz viele Dinge in unserer Gesellschaft verloren.“

Damit es aber nach den Beschränkungen für Kunst- und Kulturschaffende wieder aufwärts gehen kann, brauche es dringend weitere Unterstützung, auch von der kommunalen Politik. Ein großes Problem für die Zeit nach der Pandemie sei, dass derzeit nach und nach die Strukturen zusammenbrechen und es somit keine Live-Auftrittsmöglichkeiten nach der Pandemie mehr geben wird. „Die Politik auf kommunaler Ebene ist gefragt, die kommunale Bühne zu retten“, so Enthammer. Sengl schlug vor, im Landkreis einen Kulturbeirat zu schaffen, und erhielt Unterstützung der Fachpolitikerin Kurz: „Städte mit Kulturbeirat haben es sogar während der Pandemie geschafft, den Etat zu verstetigen.“

Pressemitteilung Abgeordnetenbüro MdL Gisela Sengl (Die Grünen)

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