Pressemitteilung BRK Kreisverband Traunstein

Rotkreuz-Rettungskräfte stark gefordert

+
Im Landkreis Traunstein leistet das Rote Kreuz den Rettungsdienst nahezu komplett und unterhält dazu sieben, rund um die Uhr besetzte Rettungswachen.

Landkreis Traunstein - In den ersten sechs Monaten des Jahres 2019 absolvierten die 125 hauptamtlichen und 87 ehrenamtlichen Rettungskräfte des BRK-Kreisverbandes Traunstein 14.058 Einsätze.

"Verkehrsunfall mit mehreren Verletzten" lautet die erste Einsatzmeldung, die den Rettungsdienst des Rotkreuz-Kreisverbandes Traunstein um 14.16 Uhr erreicht. Die Funkmeldegeräte am Gürtel der Notfallsanitäter und Rettungsassistenten piepsen laut, die Helfer schwingen sich die Rutschstange hinab in die Garage der BRK-Rettungswache Traunstein und fahren mit dem Rettungswagen mit Blaulicht und Sirene so schnell wie möglich zum Einsatzort an der Autobahn A8, den die Integrierte Leitstelle (ILS) durchgegeben hat. Zwei Autos sind mit einem entgegenkommenden Geisterfahrer kollidiert, es gibt einen Toten und mehrere schwerverletzte Personen, überall liegen Teile und Splitter der an den Unfällen beteiligten Fahrzeuge.

"Als wir am Unfallort ankamen, herrschte Chaos. In solchen Situationen ist es für uns wichtig, die Lage schnell zu erfassen, um dann entsprechend den notwendigen Prioritäten handeln zu können", sagt Rettungssanitäter Danny Paris, der am Einsatz beteiligt war. Für die Rotkreuz-Helfer ging es zunächst darum, die Unfallstelle abzusichern, die Schwere und Behandlungsdringlichkeit der Verletzungen zu bestimmen und aufgrund der Verletztenzahl weitere Rettungskräfte nachzufordern. Außerdem musste abgeklärt werden, in welche Klinik welcher Patient mit welchem Transportmittel gebracht werden kann und soll, damit er eine optimale Behandlung erhalten kann. Binnen kurzer Zeit befanden sich 28 Rotkreuz-Helfer mit vier Rettungswagen, zwei Notarzteinsatzfahrzeugen (NEF), zwei Fahrzeugen der Schnelleinsatzgruppe (SEG) Transport Traunstein/Siegsdorf und einem Rettungshubschrauber vor Ort und kümmerten sich um die verletzten Personen. Ein BRK-Einsatzleiter Rettungsdienst (ELRD), ein Organisatorischer Leiter (OrgL) mit Leitendem Notarzt und mit der Unterstützungsgruppe (UGSan) übernahmen die Koordinierung der Rettungskräfte. Nach der medizinischen Erstversorgung vor Ort durch die Notärzte und Rotkreuz-Helfer wurden die Patienten via Rettungswagen und Hubschrauber in die Kliniken Traunstein, Prien, Rosenheim und Bad Reichenhall transportiert, um dort weitere Behandlungsschritte vornehmen zu können.

Einsätze in hektischen, belastenden und chaotischen Situationen wie dieser sind Teil des Berufsalltags im Rettungsdienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), und verlangen den Rettungskräfte alles ab, da es oftmals um Leben und Tod geht und der Zeitdruck groß ist. "Unsere Rettungskräfte sind vielfach mit Extremsituationen konfrontiert und leisten darin Enormes. Auch wenn es ernst wird, kann man sich auf unsere Helfer verlassen", sagt Jakob Goëss, Leiter des Rettungsdienstes beim BRK-Kreisverband Traunstein. Um das im Einsatz Erlebte besser verarbeiten zu können, gibt es beim BRK-Kreisverband Traunstein eine gut geschulte CISM-Gruppe (Helfer helfen Helfer), deren Arbeit der Entstehung von posttraumatischen Belastungsstörungen bei Rettungskräften vorbeugen soll. Eine Herausforderung stellt mitunter auch die Unvorhersehbarkeit des nächsten Einsatzes dar. "Das Schwierigste in unserem Beruf ist es meiner Meinung nach, dass man nach einer Reihe von Routineeinsätzen einen dringenden Notfall sofort erkennt und dann voll da ist", berichtet Rettungssanitäter Max Mayer.

Rund 78 Einsätze pro Tag im ersten Halbjahr 2019 

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2019 absolvierten die 125 hauptamtlichen und 87 ehrenamtlichen Rettungskräfte des BRK-Kreisverbandes Traunstein 14.058 Einsätze - das sind im Schnitt rund 78 pro Tag. Das Gros davon bildeten Krankentransporte (7470) vor Notarzteinsätzen (2092) und Notfalleinsätzen (1470). Hinzu kommen nicht verrechnungs-fähige Einsätze wie beispielsweise Gebietsabsicherungen, Werkstattfahrten oder zurückgenommene Alarmierungen (3026). Bei den Notfalleinsätzen gab es eine Steigerung von mehr als 7 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2018. Die Zahl der Krankentransporte (-3 Prozent) und Notarzteinsätze (-4 Prozent) nahm hingegen leicht ab. Insgesamt wurden von Januar bis einschließlich Juni 484.889 Einsatzkilometer zurückgelegt, was eine Steigerung um 5.872 Kilometer gegenüber dem Vorjahr bedeutet und im Schnitt 34,5 Kilometer pro Einsatzfahrt entspricht.

Sieben Rettungswachen und fünf NEF-Standorte im Landkreisgebiet 

Im Landkreis Traunstein leistet das Rote Kreuz den Rettungsdienst nahezu komplett und unterhält dazu sieben, rund um die Uhr besetzte Rettungswachen in Traunstein, Traunreut, Trostberg, Grassau, Ruhpolding, Fridolfing und Reit im Winkl sowie fünf Standorte für Notarzt-einsatzfahrzeuge (NEF). Dadurch wird gewährleistet, dass im Notfall jeder Ort im Landkreis an einer öffentlichen Straße zügig von einem BRK-Rettungsdienstfahrzeug erreicht werden kann. In weiter von den Rettungswachen entfernt gelegenen Gemeinden wie Schnaitsee wurde zudem ein Helfer-vor-Ort-Dienst aufgebaut, um das Zeitintervall bis zum Eintreffen professioneller Hilfe möglichst gering zu halten.

BRK-Kreisverband Traunstein bildet zum Notfallsanitäter aus 

Junge Menschen, die selbst gerne im Rettungsdienst arbeiten möchten, haben beim Rotkreuz-Kreisverband Traunstein die Möglichkeit, eine Ausbildung zum Notfallsanitäter zu absolvieren. Dieses Berufsbild stellt die höchste nichtärztliche Qualifikation des Rettungspersonals dar. Die duale Ausbildung zum Notfallsanitäter dauert drei Jahre. Der theoretische Teil erfolgt in der Berufsschule für Notfallsanitäter in Burghausen, der praktische Teil in einer der sechs Lehrrettungswachen des Roten Kreuzes im Landkreis und an den Standorten der Kliniken Südostbayern. Ausbildungsbeginn ist jedes Jahr im Oktober. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit einem Staatsexamen. "Wer sich für diese Ausbildung interessiert, kann auch vorab gerne ein Praktikum im Rettungsdienst machen, um Einblicke in den Arbeitsalltag unserer Rettungskräfte zu bekommen. Außerdem gibt es bei uns die Möglichkeit, den Bundesfreiwilligendienst zu leisten", betont Kurt Stemmer, Kreisgeschäftsführer des BRK-Kreisverbandes Traunstein

Ausreichend Flüssigkeit im Auto mitführen und bei Stau Rettungsgasse bilden 

In Hinblick auf die heißen Temperaturen und das erhöhte Verkehrsaufkommen auf den Autobahnen während der Ferienzeit appelliert das Rote Kreuz an die Verkehrsteilnehmer ausreichend Flüssigkeit im Auto mitzuführen. "Wenn es bei großer Hitze zu einem Stau kommt und man länger im Auto warten muss, ist es wichtig, genügend zu trinken, um eine Dehydrierung und damit verbundene Kreislaufprobleme zu vermeiden. Darum sollten immer Getränke in ausreichender Menge mitgeführt werden. Es kommt leider immer wieder vor, dass Menschen in ihrem Pkw in Not geraten, weil sie zu wenig Flüssigkeit zu sich genommen haben", erklärt Goëss. Außerdem ist es im Falle eines Staus von großer Bedeutung, schnell eine breite Rettungsgasse zu bilden und diese für nachrückende Einsatzfahrzeuge offen zu halten. "Eine Rettungsgasse ermöglicht es unseren Rettungskräften schnell zum Unfallort zu kommen und die Patienten zügig versorgen zu können", betont Goëss.

Pressemitteilung BRK Kreisverband Traunstein

Zurück zur Übersicht: Landkreis TS

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT