Staatliches Bauamt Traunstein zu Bürger-Kritik *Mit Voting* 

Von der Obinger Umgehung bis zum Aubergtunnel - Großbaustellen in der Region immer massiver? 

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Die Umgehungsstraße in Obing (linkes Bild) und der Aubergtunnel in Altenmarkt jeweils im Bau dieses Jahr. Nehmen Großbaustellen im Landkreis zu große Dimensionen an? 
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Landkreis Traunstein - "Massiver Eingriff in die Natur", "völlig überdimensionierte Bauprojekte" - Vorwürfe wie diese fielen kürzlich bei einer Versammlung des Umweltschutzverbands Alztal und Umgebung (UVA) in Bezug auf die geplante Entlastungsspange in Seebruck. Die Einwände wurden auch auf Bauprojekte im gesamten Landkreis ausgeweitet. Was ist dran an den Bedenken der Bürger? 

"Seebruck entwickelt sich zurück", wetterte ein Bürger bei der UVA-Versammlung in Trostberg Ende Juli zu den Planungen der Entlastungsspange. Auch die Grünen-Politikerin Gisela Sengl prangerte bei der Diskussion an, dass so etwas wie eine Entlastungsspange "nicht Sinn von zukunftsfähiger Verkehrspolitik" sein könne. "Wir brauchen ein zukunftsfähiges Chiemgau, Seebruck ist nicht der einzige Ort, der betroffen ist von massiven Bauprojekten." 

Ein weitere Bürger zog an dem Abend Vergleiche zu anderen Maßnahmen im Landkreis: "Die Umgehungsstraße Obing gleicht einer Autobahntrasse und die Dimension des Aubergtunnels in Altenmarkt liegt noch eine Klasse höher - auch die Seebrucker werden sich noch umschauen, welche Ausmaße die Entlastungsspange noch annimmt."

Staatliches Bauamt zu Bedenken der Bürger: 

Christian Rehm, Behördenleiter des Staatlichen Bauamts Traunstein, kann die Aussagen und Kritik der Mitglieder des UVA Trostberg und der Bürger allerdings, wie er gegenüber chiemgau24.de sagt, "pauschal nicht bestätigen". 

Aubergtunnel Altenmarkt, Entlastungsspange Seebruck und Umgehung Obing - diese Projekte seien laut Rehm "seit langem Bestandteil der Bedarfsplanung des Bundes beziehungsweise der Ausbauplanung des Freistaates Bayern und daherseit Jahren bekannt. Die vom Bauamt verfolgten Lösungen werden im Rahmen der personellen und finanziellen Ressourcen in einem aufwändigen Planungsprozess unter Beachtung der aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen entwickelt."

Augenmerk auf Umwelt, Natur und Verkehrssicherheit

Zutreffend allerdings sei Rehm zufolge, dass "insbesondere die Anforderungen zum Schutz von Umwelt und Natur, aber auch an die Verkehrssicherheit", die in den letzten Jahren laufend zugenommen habe. Dadurch sei auch der Planungsaufwand zur Einhaltung der sich aus den Fachgesetzen und einschlägigen Richtlinien ergebenden Anforderungen gestiegen

Rehm weiter: "Dies führte beispielsweise dazu, dass Brückenbauwerke heute mit größeren lichten Weiten geplant werden, um die Vernetzung von Lebensräumen sicher zu stellen oder der erforderliche Ausgleich für die Kompensation der Eingriffe in die Natur sich weiterentwickelte." 

Dieser Planungsablauf zeigt beispielhaft die Teilschritte der Straßenplanung bei einer Bundesfernstraße auf.

Kosten und Planungsdauer schwer abschätzbar

In diesem Zusammenhang würden auch die Kosten für die Projekte in die Höhe schnellen. "Nachdem sich die Planungen meist über viele Jahre erstrecken, tragen zusätzlich die jährlichen Baupreissteigerungen und die konjunkturelle Lage hierzu bei", erklärt Rehm. 

"Die Kosten eines Infrastrukturprojekts unterliegen insofern einer gewissen Dynamik und müssen daher ständig fortgeschrieben werden. Es ist nicht möglich heute die exakten Kosten für ein Projekt zu nennen, das vielleicht zehn oder 15 Jahre später realisiert wird, da die Entwicklungen und Risiken im Zuge des Planungsprozesses nicht vollumfänglich zum Zeitpunkt eines frühen Planungsstadiums abgeschätzt werden können. Sie werden von uns jedoch auf Basis von Erfahrungswerten soweit wie möglich ermittelt. Je weiter ein Projekt im Planungsprozess voran geschritten ist, umso genauer lässt sich das Projekt konkretisieren und die Kosten hierfür berechnen und damit eingrenzen."

Die Planungsdauer für ein großes Infrastrukturprojekt lasse sich "nur schwer abschätzen" und sei "von vielen Einflüssen abhängig, die oft nicht in der Hand des Vorhabenträgers liegen". So könne es sein, dass bei einem günstigem Verlauf für ein Projekt – wie beispielsweise im Fall der Ortsumfahrung Obing – bereits nach fünf bis sieben Jahren Baurecht erlangt werden könne. "Hierzu müssen jedoch alle Betroffenen an einem Strang ziehen", mahnt Rehm. 

Im Fall des Neubaus der A94 zwischen Forstinning und Heldenstein habe dieser Planungsprozess über 30 Jahre gedauert. "Maßgeblich hierfür waren insbesondere die zahlreichen Einwendungen in den Planfeststellungsverfahren und die lange Dauer der gerichtlichen Auseinandersetzungen mit den Gegnern des Projekts. Belastbare Angaben über die Dauer von Planungszeiträumen können daher nicht abgegeben werden", sagt Rehm abschließend. 

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mb

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