Kommentar über die vermeintlich greifbare Hoffnung

Walchs Stufenplan gegen Corona: Echte Perspektive oder vorerst nur Wunschdenken?

Der Vorschlag, den der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch unterbreitet, ist ein verlockender: Abwenden von der 7-Tages-Inzidenz hin zur Quote der bereits Geimpften.
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Der Vorschlag, den der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch unterbreitet, ist ein verlockender: Abwenden von der 7-Tages-Inzidenz hin zur Quote der bereits Geimpften.

Echte Perspektiven sind im Moment rar. Umso verlockender ist der Vorschlag von Traunsteins Landrat Walch, einen neuen Stufenplan zu Öffnungen zu verfolgen. Der zentrale Punkt der Strategie: die Zahl der Geimpften in verschiedenen Risikogruppen. Eine interessante Alternative mit Potenzial für große Enttäuschungen. Ein Kommentar von Volontär Max Darga.

Landkreis Traunstein - Seit über einem Jahr überschlagen sich die Meinungen, wie man mit der Situation umgehen soll. Das Corona-Virus hat auch die Debattenkultur infiziert und scheint hier ebenfalls für ungesunde Hitze zu sorgen. Inmitten der von vielen Seiten massiv kritisierten Öffnungsplänen der Bundesregierung anhand der 7-Tage-Inzidenz meldete sich der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch zu Wort und stellte einen eigenen Plan vor.

Diese in fünf Stufen aufgeteilte Strategie kommt ohne eine Fixierung auf die 7-Tage-Inzidenz aus. Die Lockerungen sollen laut Walch zunächst an der prozentualen Verteilung von Geimpften und nicht Geimpften festgemacht werden - später daran, ob wirklich jeder, der möchte, sich impfen lassen kann.

Zunächst steht fest: Wir brauchen eine Perspektive. Die Frustration und die Not der Menschen ist nicht von der Hand zu weisen. Jedes Mal aufs Neue mit Öffnungsoptionen zu rechnen, die dann in mit einem Satz hinfortgefegt werden, wenn die aufgestellten Hürden nicht genommen werden können, zermürbt und wird zur untragbaren Belastung. Das ist ein zentrales Argumentat vieler Befürworter einer Strategie abseits der Fixierung auf die 7-Tage-Inzidenz.

Möglicher neuer Fokus rückt bestehende Probleme in neues Rampenlicht

Von einigen Landräten erhielt Walch bereits Zuspruch. Aus Altötting und Fürstenfeldbruck wurde bekundet, dass man die mögliche neue Herangehensweise befürworte. Aus Rosenheim meldete sich auch Landrat Otto Lederer zu Wort und verwies nebst seiner Zustimmung auf einen wichtigen Aspekt: Die Maßnahmen und Zeiträume im Papier Walchs seien lediglich als Beispiel zu verstehen.

Das ist der zentrale Punkt, der zu Unmut führen könnte. Denn die Termine im Plan klingen schlicht zu schön, um wahr zu sein. Dennoch wird mit Planbarkeit geworben. Fixe Termine zu nennen, steigert die Attraktivität der Strategie ungemein, spricht aber nicht ein weiterhin bestehendes Problem mit eben dieser nicht an. Ein Ausblick, der falsche Hoffnungen auf ein sehr nahestehendes Ende der Pandemie nähren könnte. Natürlich gilt das Sprichwort, dass die Hoffnung zuletzt stirbt. Mit dem wiederholten Versprechen der Regierung, für eine kontinuierliche Versorgung mit genügend Impfstoff zu sorgen, zeigt sich ein Licht am Ende des Tunnels.

Dieser Hoffnungsschimmer ist aber getrübt. Denn die Vergangenheit hat mit Debatten um Nebenwirkungen des AstraZeneca-Impfstoffes mit anschließender Aussetzung der Impfungen (Plus-Artikel) und allgemeinen Lieferschwierigkeiten gezeigt, dass die Planbarkeit einer kontinuierlichen Durchimpfung nicht so gut ist, wie sie sein sollte. Ob hier mit der bloßen Annahme der Strategie also echte Perspektiven geschaffen werden, mit denen man ab sofort planen kann, ist fraglich. Vor diesem Hintergrund erfordert es definitiv Vertrauen, sich auf diese Hoffnung einzulassen.

Das Positive: Der Blick fest nach vorne auf eine stetig steigende Zahl von Geimpften

So leicht man sich aber ins Negative verrennen kann, es gibt einen klaren Vorteil an der vorgeschlagenen Strategie: Die Zahl der Geimpften steigt nicht in einer Woche und fällt in der nächsten. Sie steigt stetig an und sofern keine gegen die verfügbaren Impfungen resistente Variante des Corona-Virus auftritt, sind diejenigen, die schon geimpft wurden, auch erst einmal geschützt.

Der Blick auf eine Zahl, die sich nur schneller oder langsamer einem Ziel nähern, aber nicht abfallen kann, wäre Balsam für die durch ständig auf- und abschnellenden Infektionszahlen und 7-Tage-Inzidenzen belasteten Gemüter. Es wird eventuell spannend, wie schnell oder langsam eine ausreichende Durchimpfung erreicht wird, aber rückläufige Zahlen sind hierbei derzeit offenbar nicht möglich.

Strategie ohne 7-Tage-Inzidenz täte gut - die Zeit muss dann nur noch die Perspektiven bringen

Wenn die Bevölkerung mittels Impfungen eine gewisse Herdenimmunität hat, spricht nichts gegen Öffnungen und Lockerungen. Das war bereits im letzten Jahr eine der Grundaussagen über ein mögliches Ende der Gefahrenlage. Die Grundidee der Strategie leuchtet also durchaus ein. Jedoch ist die Hoffnung mit Vorsicht zu genießen, da die jüngste Vergangenheit gezeigt hat, wie unvorhersehbar sich die Verfügbarkeit von Impfstoffen wandeln kann.

mda

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