Helfer in psychischer und körperlicher Hinsicht stark gefordert

Atmung erschwert, Sichtfeld eingeschränkt: Belastungen für den BRK-Rettungsdienst Traunstein

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Auch die Mitarbeiter des BRK-Rettungsdienstes arbeiten derzeit unter erschwerten Bedingungen. Die Corona-Krisenlage bringt sowohl in psychischer als auch in körperlicher Hinsicht zusätzliche Belastungen für die Helfer mit sich.

Landkreis Traunstein - Die aktuelle Corona-Situation bedeutet für die meisten Beschäftigten im Gesundheitswesen eine enorme Herausforderung. Das gilt auch für die Mitarbeiter des Rettungsdienstes des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) im Landkreis Traunstein.

In ihrem ohnehin fordernden Beruf sind die Mitarbeiter des Rettungsdienstes des Bayerischen Roten Kreuzes derzeit noch zusätzlichen Belastungen ausgesetzt – sowohl in körperlicher als auch in psychischer Hinsicht.


Aufwendige Schutzmaßnahmen, aber Restrisiko bleibt 

Es werden natürlich große Anstrengungen unternommen, um Infizierungen des Rettungs- dienstpersonals zu vermeiden. „Für unsere Einsatzkräfte wurden besondere einsatztaktische Konzepte erstellt, welche den bestmöglichen Schutz für unsere Kolleginnen und Kollegen darstellen“, betonte Rettungsdienstleiter Jakob Goëss. So wird die Einsatzstelle in Verdachtsfällen zuerst vom Transportführer in Schutzausrüstung erkundet, bevor weitere Einsatzkräfte in geeigneter Schutzbekleidung nachrücken. Als Schutzausrüstung stehen derzeit vor allem FFP2-Atemschutzmasken, Schutzbrillen und Overall sowie Mund-Nasen- Schutzmasken für die Patienten zur Verfügung. 

Mitarbeiter müssen in Quarantäne

Aber natürlich bleibt ein gewisses Restrisiko wie derzeit bei vielen Berufen im Gesundheitswesen. „Bei einem Notarzteinsatz, bei dem einer unserer Kollegen in der vergangenen Woche eine Patientin mit vitaler Bedrohung versorgte, stellte sich erst im Nachgang heraus, dass die Frau mit dem Coronavirus infiziert war. Jetzt ist der betroffene Kollege natürlich sehr besorgt“, berichtet Peter Wendt, der Wachleiter der BRK-Rettungswache Trostberg. 


Zusammen mit drei Kollegen, die ebenfalls an der Versorgung beteiligt waren, befindet sich der Rettungssanitäter nun in häuslicher Quarantäne. In Situationen wie diese können die Mitarbeiter des BRK-Rettungsdienstes ohne Vorwarnung geraten. 

Corona-Infizierung bei zeitkritischen Rettungssituation schwer zu erkennen

Denn gerade bei akuten Notfällen wie einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder einem Verkehrsunfall muss sofort Hilfe geleistet werden und eine zusätzliche Corona-Infizierung des Patienten ist in der zeitkritischen Rettungssituation schwer zu erkennen, falls keine klaren Symptome vorliegen. Durch ihren Beruf sind die BRK-Rettungskräfte generell einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt als in nicht-medizinischen Berufen. 

Denn sie haben täglich mit erkrankten Personen Kontakt und gehen permanent in Krankenhäusern und anderen Gesundheits- einrichtungen ein und aus. „Das beschäftigt viele unserer Mitarbeiter. Sie befürchten, sich früher oder später selbst und dann auch ihre Angehörigen anzustecken“, erklärt Wendt.

Zudem beeinflussen die berufsbedingten Erfahrungen die Wahrnehmung einseitig. Denn der Rettungsdienst kommt vor allem mit jenen Corona-Patienten in Kontakt, bei denen besonders schwere Verläufe auftreten und die ins Krankenhaus transportiert werden müssen. „Das nimmt einen schon mit, wenn man sieht, dass es manchen infizierten Menschen wirklich sehr schlecht geht“, sagt Wendt. 

Ins Krankenhaus oder nicht?

Eine weitere zusätzliche Herausforderung ist die erschwerte Abwägung, ob ein Patient mit anderweitigen Erkrankungen oder Verletzungen ins Krankenhaus transportiert werden soll oder es besser wäre den Patienten in häuslicher Behandlung verbleiben zu lassen. 

Vor Corona hat man vorsorglich lieber einen Patienten mehr ins Krankenhaus gefahren. Nun ist die Sache komplizierter: Zum einen besteht für viele Patienten, welche zur Corona- Risikogruppe gehören ein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Und zum anderen, wird versucht die Krankenhaus-kapazitäten nicht unnötig mit weniger dringlichen Fällen zu belasten. Diesen wäre womöglich durch den Kassenärztlichen Notdienst (116 117) sogar besser geholfen. 

Atmung erschwert, Sichtfeld eingeschränkt

Auch in körperlicher Hinsicht bringt Corona zusätzliche Anstrengungen für die Mitarbeiter des BRK-Rettungsdienstes mit sich. „Durch den Vollschutz, den wir bei bestätigten Corona- Fällen oder Verdachtsfällen tragen müssen, ist die eigene Atmung erschwert, das Sichtfeld zum Teil durch angelaufene Schutzbrillen eingeschränkt und man gerät schnell ins Schwitzen. Trotzdem müssen wir natürlich bei Rettungsmaßnahmen anstrengende Tätigkeiten ausführen und beispielsweise Patienten die Treppe hinuntertragen“, betont Wendt. 

Aus taktischer Sicht und um Schutzausrüstung zu sparen, werden Patienten – wenn möglich – nur durch eine Einsatzkraft versorgt, während der Fahrer im Fahrzeug wartet. Aufgrund der zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen erhöhen sich oftmals auch die Wartezeiten vor den Krankenhäusern. Dadurch verlängern sich Einsätze und damit die Zeiten, die Rettungsdienstmitarbeiter in Vollschutz und in räumlich engem Kontakt zu infizierten Patienten befinden, zum Teil erheblich.

Pressemeldung BRK Kreisverband Traunstein

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