Anzeige gegen Forstbetrieb Berchtesgaden

"Wildes Bayern" gegen Forstbetrieb: Heftiger Streit um abgetrennte Tierköpfe

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Diese Innereien von Tierkadavern und abgetrennte Rehköpfe wurden Ende Oktober in einem Wald bei Surberg gefunden.

Landkreis Traunstein - Zwei Schüler entdecken im Wald bei Surberg Innereien von Tierkadavern und abgetrennte Köpfe von mehreren getöteten Rehböcken. Dieser Fund veranlasste den Verein "Wildes Bayern" Anzeige gegen den Leiter des Forstbetriebes Berchtesgaden zu erstatten. 

Zwei Schüler, 14 und 15 Jahre alt, hatten am 27. Oktober im Wald bei Surberg Fleisch-Abfälle entdeckt. Die Überreste lagen nahe neben einem Forstweg im Jagdgebiet des staatlichen Forstbetriebes Berchtesgaden. Die Buben informierten umgehend die Polizei. 


Dieser Vorfall und weitere Zwischenfälle, auch aus dem Vorjahr, veranlasste nun den Verein "Wildes Bayern" und die Traunsteiner Jägerschaft Anzeige gegen den Forstbetrieb Berchtesgaden zu erstatten. 

Landkreis Traunstein: abgetrennte Rehköpfe bei Surberg sorgen für Aufregung

Eigentlich sei es nicht ungewöhnlich, dass nach der Jagd Innereien, Magen und Darm an einer unzugänglichen Stelle im Wald zurückgelassen werden. Fuchs und Dachs, Raben und andere Aasfresser freuen sich darüber. "Doch in dem Revier in Traunstein lagen auch die Köpfe von Rehböcken, ältere und auch jüngst geschossene", erklärt Dr. Christine Miller, 1. Vorsitzende des Vereins "Wildes Bayern". 


Dies sei ein klarer Verstoß gegen die Vorlagepflicht dieser Trophäen bei den jährlichen Hegeschauen. Denn Jäger sind in Bayern verpflichtet, Gehörne und Geweihe von Rehböcken und Hirschen einmal im Jahr auf der sogenannten Hegeschau im Frühling zu präsentieren. 

Dr. Christine Miller mit schweren Vorwürfen

"Die Behörden (Untere Jagdbehörde Anm. d. Red.) kontrollieren dort, ob auch alle Abschussmeldungen korrekt erfolgt sind", ergänzt Frau Dr. Miller. Bereits bei der Hegeschau 2018 sei es dabei zu einem Zwischenfall gekommen. Wie Frau Dr. Miller im Gespräch mit chiemgau24.de erläutert, seien dort Trophäen aus dem vergangenen Jahr ausgestellt worden. 

Dies habe die Untere Jagdbehörde mit Schwarzlicht nachweisen können, da man entsprechende Markierungen aus den Jahren zuvor entdeckt haben will. In der Folge habe man diesen Vorfall nicht öffentlich gemacht, "man wollte mit den entsprechenden Leuten reden", so Frau Dr. Miller. 

Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller verteidigt sich 

Diese Markierungen auf den Tierköpfen sollen beweisen, dass es sich um "alte" Rehköpfe handelt.

Der Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden Dr. Daniel Müller bestätigte gegenüber chiemgau24.de diesen Vorfall, betonte jedoch zugleich, dass eine Markierungen lediglich ein Indiz sei. "Eine Markierung ist kein zwingender Beweis, da diese mittlerweile von jedem X-Beliebigen gemacht werden kann." Zudem habe es sich bei den betroffenen Trophäen nicht nur ausschließlich um Jagdgut der bayerischen Forststaaten gehandelt, sondern auch um private Trophäen. 

In diesem Jahr habe es sich Dr. Miller selbst zur Aufgabe gemacht die Häupter der Rehböcke und Gämse zu kontrollieren. Ihre Ermittlungen hätten ergeben, dass ein Jäger die in seinem Revier geschossenen Trophäen mit einem eigenen Marker bemalt habe, sodass eine erneute Überprüfung durch die Behörden nicht mehr stattfinden kann. "Der Jäger möchte so eine entsprechende Kontrolle umgehen und begeht damit Betrug", führt Dr. Miller fort. 

Markierungen eine gute Idee, aber leicht zu fälschen

Dem entgegnet Müller, dass die Methodik der Unteren Jagdbehörde, welche er grundsätzlich für eine gute Idee hält, von einigen kopiert worden sei, weil die entsprechende Behörde eben keine Kontrollen durchgeführt hatte.

Außerdem gebe es viele heftige Streitereien unter einzelnen Jägern. Herr Dr. Müller schließt dementsprechend auch nicht aus, dass "der eine oder andere einen anderen reinlegen möchte". Das Problem sei, dass es unmöglich sei, zu kontrollieren, wer wo welche Markierungen anbringt. 

Spielregeln eines demokratischen Landes

Dr. Miller wiederum hat eine klare Meinung: "Man kann über Hegeschauen diskutieren und sie für mehr oder weniger sinnvoll halten. Aber der Leiter eines Forstbetriebs hat erstmal nichts anderes zu tun, als bestehende Gesetze einzuhalten – und kann das Verhalten seiner Leute nicht einfach dulden. Deshalb sehen wir Dr. Müller in der Verantwortung und haben eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht.“

Es gebe Spielregeln in einem demokratischen Staat, an denen man sich halten müsse. Denn der Umgang mit Naturgüter und Wildtieren gehe alle Bürger etwas an. 

Dr. Müller: "keine Möglichkeit alle zu kontrollieren"

Der Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden betont im Gespräch mit chiemgau24.de, dass er selbstverständlich immer wieder alle Jäger darauf hinweist, sich korrekt zu Verhalten. Jedoch sieht er "keine Möglichkeit alle zu kontrollieren". 

"In unserem Gebiet gehen 150 Personen zur Jagd. Ich ermahne jeden, all das zu tun, aber bei über 500 Abschüsse jährlich kann ich nur appellieren", erklärt Dr. Müller.

Des Weiteren stellt er die Glaubwürdigkeit von Frau Dr. Miller in Frage. Im Jahr 2016 habe diese, sich unerlaubt und ohne Aufsicht Zutritt zu Jagdtrophäen verschafft. "Dies endete sogar im Rechtsstreit zwischen dem ehemaligen Kreisvorsitzenden des Jagdverbandes Berchtesgaden und Frau Miller", so Herr Dr. Müller.

Auch in diesem Jahr habe Frau Dr. Miller während der Hegeschau laufende Vorträge verlassen und sei mit Schwarzlicht bewaffnet in Richtung der Trophäen gegangen. "Ob sie einen Stift dabei hatte, lässt sich auch nicht feststellen", kommentiert Herr Dr. Müller die Aktion.

Landratsamt: Das Verfahren läuft noch."

In dem oben genannten Fall übernahm die Polizei Traunstein die Ermittlungen. Die Ergebnisse habe man dem Landratsamt übergeben, erläuterte ein Sprecher gegenüber chiemgau24.de. 

Das Landratsamt widerum wollte sich zu den Vorfällen noch nicht äußern und kommentierte: "Das Verfahren läuft noch."

Dr. Müller bedauert den Vorfall sehr

"Ich bedauere diesen Vorfall sehr. Die gefundenen Wildreste bei Surberg waren Rehwild-Aufbrüche, die vom Erleger bedauerlicher Weise am Rand eines befestigten Rückewegs (Sackgasse) zusammen mit drei Häuptern von im Straßenverkehr verunfallten Rehböcken entsorgt wurden. Der Erleger wurde belehrt, Aufbrüche ordnungsgemäß zu entsorgen und auch Trophäen von geborgenem Unfall-Wild, sofern es zumutbar ist, für die Hegeschau zu präparieren.

Die Bayerischen Staatsforsten haben selbstverständlich offen mit der ermittelnden Polizei zusammengearbeitet. Nach meinen Erkenntnissen hat nichts Schwerwiegendes ermittelt werden können", stellt Herr Dr. Müller klar. 

mz

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