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Wasserwirtschaftsamt Traunstein zieht Bilanz

Nach Hochwasser Juli 2021: Bis wann alle Reparaturen abgeschlossen sein sollen und was sie kosten

Hochwasser Juli 2021 Berchtesgadener Land Berchtesgaden Bischofswiesen Schönau am Königssee Bobbahn
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Besonders die Muren und Schlammlawinen setzten bei den Unwettern im Juli 2021 dem Berchtesgadener Land zu. In Bischofswiesen (l.o.) wurde dabei ein Haus zerstört, in Schönau am Königssee die Bobbahn (l.u.) und in der Vorbergsiedlung füllte der Schlamm ganze Häuser an.

Es war ein Wochenende des Schreckens. Doch gut ein Jahr nachdem das Hochwasser vom Juli 2021 verheerende Schäden angerichtet hatte, zieht das Wasserwirtschaftsamt Traunstein für seinen Zuständigkeitsbereich positive Bilanz: Bis zum Herbst sollen alle Reparaturen abgeschlossen sein.

Die Pressemeldung im Wortlaut:

In rund 35.000 Arbeitsstunden haben die Mitarbeiter der Flussmeisterstellen Piding und Traunstein dann etwa 130 Schadenspunkte in Stand gesetzt. Die Kosten für Material und zuarbeitende Firmen betragen rund 2,5 Millionen Euro. Sie übernimmt der Freistaat Bayern.

Abschluss der Arbeiten für Oktober geplant

Stundenlang hatte es am 17./18. Juli stark geregnet. Flüsse und Bäche traten über die Ufer, die Wassermassen unterspülten Straßen, rissen Schutzvorrichtungen am Berg und im Tal mit. Am Grünstein in Schönau am Königssee gingen Muren ab. Die Bob- und Rodelbahn wurde schwer beschädigt. Und auch anderswo im Berchtesgadener Talkessel war die Zerstörung enorm. Größere Schäden gab es außerdem im Landkreis Traunstein, insbesondere in den Gemeinden Inzell und Reit im Winkl, meldet das Wasserwirtschaftsamt für seinen Amtsbezirk. Insgesamt lag demnach der Schadensanteil an den Gewässern erster Ordnung bei 15 Prozent.

Der weitaus größere Teil aber war mit 85 Prozent an den sogenannten ausgebauten Wildbächen entstanden. Vieles ist bereits repariert. Die letzten Arbeiten sollen im Oktober erledigt sein. Sie laufen derzeit am Mitterbach sowie am Reitbach in Bischofswiesen. Es folgen die Arbeiten am Gerner Bach.

Neue Berechnungen für umfassende Konzepte

Schon weiter in die Zukunft reichen die Überlegungen für die Nordflanke des Grünsteins. Dort waren am Unglücks-Wochenende in den Runsen Muren abgegangen. Die eine traf den Bauhof, die andere überrann zwei Häuser der Waldhausersiedlung. Am Hang selbst wurden zahlreiche Querbauwerke zerstört, die das Wasserwirtschaftsamt zur Stabilisierung der Runsen eingerichtet hatte. Erste, schnell anberaumte Vorweg-Maßnahmen sind bereits abgeschlossen. Sie schützen die Waldhauser-, aber auch die Vorbergsiedlung, wo ebenfalls eine Mure Schäden angerichtet hatte.

In einem nächsten Schritt entwickeln die Planer des Amtes nun ein Konzept, um die Menschen noch besser und umfänglicher zu schützen zu können. Dazu gehört, für den Grünstein die Menge an Geschiebe und Wasser zu berechnen, die bei Starkregen maximal vom Hang herunterkommen kann. Im Zuge der Fortentwicklung soll dann der Damm entlang der Waldhausersiedlung erhöht werden. Weitere Planungen für die Zukunft betreffen den Maiswandgraben im Bischofswiesener Ortsteil Winkl, die Durchlässe am Greinswieser Mühlbach, den Reissenbach am Bahnhof von Bischofswiesen sowie den Freidinggraben in Ramsau. Auch hier geht es darum, die Menge an möglichem Geschiebe und Wasser zu errechnen und die Rohre in den Gräben und die Dimension der Bäche entsprechend anzupassen.

25.000 Kubikmeter Geschiebe sind beseitigt

Insgesamt hatte das Unwetter besonders den ausgebauten Wildbächen heftig zugesetzt: 45 eingebaute Kiesfänge und Wildholzrechen liefen voll. Die Wucht aus Wasser, Schlamm, Geröll und Totholz betrug etwa 25.000 Kubikmeter. Allein im großen Rechnen des Larosbaches hatten sich zwischen 8000 und 10.000 Kubikmeter Geschiebe angestaut. All diese Anlagen sind freigeräumt. 

Ebenfalls repariert ist die überwiegende Zahl der zerstörten Uferverbauungen, die die Wassermassen unterspült oder mitgerissen hatten. Dabei meisterten die Arbeiter der Flussmeisterstelle einige Herausforderungen: Denn häufig mussten zunächst Baustraßen ans und ins Wasserbett gelegt werden, um überhaupt mit den Maßnahmen beginnen zu können. Nicht immer lief das reibungslos: So riss ein Gewitterregen die Baustraße weg, die gerade erst angelegt worden war, um das Ufer der Ramsauer Ache im Bereich Engedey instand zu setzen. Jetzt aber sorgen rund 1500 Tonnen Wasserbausteine auf einer Länge von etwa 300 Metern für neue Stabilität.

Weitere 2500 Tonnen Stein sind unterhalb der Bob- und Rodelbahn in Schönau am Königssee verbaut. Dort hatte eine Mure die Sicherungsmaßnahmen im Klingerbach auf einer Länge von zirka 400 Metern zerstört. Vier Monate dauerte der Wiederaufbau, die Flussmeisterstellen Piding und zwei Kollegen aus Traunstein arbeiteten Hand in Hand. Eine Teamleistung, die Flussmeisterin Irmingard Dechant und Stefan Hollrieder, Sachgebietsleiter „Gewässerunterhaltung“, koordinierten. Hilfreich sei dabei insbesondere „die gute Zusammenarbeit mit den Grundstückseigentümern“ gewesen, sagt Hollrieder. 

Sicherheit der Menschen im Vordergrund

In der Summe war die Vielzahl der Aufgaben nach dem Unwetter personell nur schwer zu stemmen. Prioritäten mussten gesetzt, Instandhaltungen anderer Gewässer nach hinten verschoben werden. Im Vordergrund jeder Entscheidung stand der Schutz, die Sicherheit der Menschen, teilt das Amt mit. Und geht davon aus, dass die bestehenden Rückhalte-Bauwerke gute Dienste geleistet haben. Ohne sie wäre die Schadensbilanz wohl weitaus dramatischer ausgefallen. Daher sei es umso wichtiger, diese Bauwerke weiterhin regelmäßig zu kontrollieren, sagt Hollrieder. Zumal man für die Zukunft von einer Häufung solcher Starkregen- und Hochwasser-Ereignisse ausgehen müsse.

Für Walter Raith, den Leiter des Traunsteiner Wasserwirtschaftsamtes, steht daher fest: „Es ist eine gewaltige Herausforderung, die auf die Gesellschaft zukommt. Wir sind gut beraten unsere Siedlungen und Infrastruktur so umzubauen, dass solche Ereignisse künftig weniger Schäden verursachen.“

Pressemitteilung Wasserwirschaftsamt Traunstein

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