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Ein Gesundheitsamt befürchtet „nie dagewesene Corona-Welle“

Intensivpatienten, Impffortschritt, Corona trotz Impfung: So ist die Lage in der Region

Die Sieben-Tage-Inzidenzen steigen wieder rasant, in Mühldorf, Traunstein und dem Berchtesgadener Land liegen sie gar über 400 - aber wie ist die Lage in den heimischen Kliniken? Und wie viele haben mit dem Coronavirus zu kämpfen, obwohl sie geimpft sind? Wir haben die große Analyse für Oberbayerns Südosten.

Landkreise - Die Einschätzung der gesamten Lage einerseits und der regionalen Lage andererseits könnte unterschiedlicher kaum sein: Während die bayernweite Krankenhaus-Ampel noch deutlich im grünen Bereich liegt, sieht man in den Kliniken in Traunstein oder Rosenheim längst „rot“. Im gesamten Freistaat ist man von den Grenzwerten noch immer weit entfernt - aber die Zahlen steigen trotzdem. Die Sieben-Tage-Inzidenz der hospitalisierten Fälle liegt nun bei 381 und damit über 100 Punkte höher als vergangene Woche. Bei den belegten Intensivbetten gibt es ein Plus von 25 auf jetzt 285 in ganz Bayern.

7-Tage-Inzidenzen in Südostbayern und Krankenhaus-Ampel in Bayern (Stand: 22. Oktober 2021)

Kaum freie Intensivbetten - und steigende Zahlen in Mühldorf und Altötting

Die Lage auf den Intensivstationen der heimischen Kliniken bleibt weiter angespannt - auch wenn die „Eskalationspläne erprobt“ sind und in der Schublade liegen, wie es beispielsweise von den Kliniken Südostbayern heißt. 16 der 184 Intensivbetten in den Krankenhäusern der Landkreise Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und Mühldorf sind derzeit frei. Vergangene Woche waren es gerade mal zehn freie Betten. Verschärft hat sich die Situation im InnKlinikum der Landkreise Altötting und Mühldorf: Sie haben im Vergleich zur Vorwoche einen deutlichen Anstieg an Corona-Intensivpatienten zu verzeichnen, in Mühldorf sind jetzt alle Intensivbetten belegt. Leicht entspannt hat sich die Lage dagegen im Raum Rosenheim.

Die Zahl der Corona-Intensivpatienten in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und Mühldorf in der Entwicklung der vergangenen Wochen und Monate.

Impffortschritt: Deutschland rennt unserer Region davon

Beim Impffortschritt der Zweitimpfungen das altbekannte Bild: Wir hinken hinterher! Über 66 Prozent aller Deutschen haben inzwischen vollen Impfschutz - in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land sind es dagegen gerade mal 54,4 bzw. 54,3 Prozent. Es fällt auf, dass das Berchtesgadener Land seinen Rückstand als „Letzter“ inzwischen aber fast aufgeholt hat. In Rosenheim bewegt man sich bei gut 56 Prozent Zweitimpfungen, in Altötting und Mühldorf sind es dagegen schon um die 63 Prozent. Allesamt liegen wir unter dem bayerischen Schnitt von 63,9 Prozent - und der Freistaat ist wohlgemerkt das langsamste „Impf-Bundesland“ im Westen der Republik.

Impffortschritt bei den Zweitimpfungen in den Landkreisen Berchtesgadener Land, Traunstein, Mühldorf, Altötting, Stadt und Landkreis Rosenheim, Bayern und Deutschland.

Wie viele Geimpfte trotzdem von Corona betroffen sind

Eins vorneweg: Von schweren Covid-19-Verläufen sind so gut wie ausschließlich ungeimpfte Patienten betroffen. In den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land haben die aktuell sieben Corona-Intensivpatienten allesamt keinen Impfschutz. Aus dem InnKlinikum für Altötting und Mühldorf liegt eine Gesamtzahl seit 1. September vor: Vier der 19 Intensivpatienten waren eigentlich schon vollständig geimpft. Bei den Corona-Patienten auf den Normalstationen sind es in Rosenheim seit Anfang September elf Prozent Geimpfte, im Berchtesgadener Land aktuell 14 Prozent, in den Landkreisen Altötting und Mühldorf 26 Prozent und im Landkreis Traunstein momentan etwa 33 Prozent. Steigt der Anteil der Geimpften an der Gesamtbevölkerung, dann steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass unter den Covid-19-Erkrankten Geimpfte sind.

Das aktuelle Infektionsgeschehen: Jugendliche im Fokus

Im Zentrum des aktuellen Ausbruchsgeschehens stehen derzeit vor allem Jugendliche. Das Rosenheimer Gesundheitsamt hat für die Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen eine Sieben-Tage-Inzidenz von 791 errechnet. Bei den Über-65-Jährigen liegt der Wert dagegen etwa bei 100. Auch die Coronafälle in Schulen häufen sich: 183 „positive“ Schüler wurden vergangene Woche im Berchtesgadener Land gezählt, 145 in Stadt und Landkreis Rosenheim. In den Kindergärten waren es dagegen nur neun in und um Rosenheim, sowie 29 im Berchtesgadener Land. Und auch aus dem Landkreis Mühldorf heißt es: „Quer über den Landkreis verteilt sind mehrere Schulen und Kindergärten betroffen.“

Beispiel Landkreis Mühldorf: So verteilen sich die neu Infizierten auf die verschiedenen Altersgruppen.

Ausblick: Eine „nie dagewesene Welle“?

Deutlich Alarm wird im Rosenheimer Gesundheitsamt geschlagen: „Es steht zu befürchten, dass in der Region im Winter eine bislang noch nicht dagewesene Welle an Infektionen und Erkrankungen bevorsteht.“ Wer nicht vollständig geimpft ist, werde sich „unweigerlich infizieren“, so Gesundheitsamtsleiter Wolfgang Hierl weiter. Das Ziel einer ausreichend hohen Impfrate von 85 Prozent sei in Stadt und Landkreis Rosenheim „voraussichtlich in absehbarer Zeit nicht zu erreichen“, darüber müsse man sich im Klaren sein.

Etwas andere Töne kommen von Traunsteins Landrat Siegfried Walch (CSU): Die derzeitige Lage sei weder eine Katastrophe, noch sei das Virus besiegt. Walch spricht „insgesamt und bayernweit“ von einer „guten Entwicklung“ - aber in unserer Region führten die hohen Inzidenzen zu einem hohen Arbeitsanfall in den Kliniken. Und Walch stellt klar: „Die Freiheiten, die wir aktuell genießen können, haben wir dem großen Teil der Geimpften zu verdanken und weil die Klinik-Mitarbeiter den enormen Anfall auch an Covid-Patienten tagtäglich ohne zu Klagen bewältigen.“

xe

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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