Die Linien im nördlichen Landkreis

Rufbus auf Abwegen: Im Schnitt nur ein Fahrgast pro Tour

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Der Rufbus im nordwestlichen Landkreis steht auf der Kippe: Bis Juni 2018 soll ein besseres Alternativkonzept her.
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Landkreis - Die Rufbus-Linien im nördlichen Landkreis stehen auf dem Prüfstand: Gerade mal gut ein Fahrgast sitzt im Schnitt in den Bussen - die öffentliche Hand bezuschusst jede Fahrt mit 66 Euro!

"Es geht um den sozialen Gedanken, damit älteren Leuten geholfen ist, die nicht mehr so mobil sind", so Landrat Walch im Kreisausschuss am Dienstag zur Grundidee der Rufbusse. Und trotzdem: Die Linien im nördlichen Landkreis werden kaum genutzt. Beispiel Altenmarkt: Von den 46 Haltestellen im Gemeindegebiet wurde die Hälfte noch nie angefahren.

Zwei Rufbus-Linien im nördlichen Landkreis wurden diskutiert: Im Nordwesten rund um Altenmarkt, Kienberg, Engelsberg, Pittenhart, Schnaitsee, Trostberg, Obing und Tacherting - sowie im nördlichen Rupertiwinkel rund um Tittmoning, Fridolfing, Kirchanschöring, Taching bis zum Waginger Bahnhof.

Walch: "Ökonomisch und ökologisch ist das zweifelhaft"

Die ernüchternde Bilanz im Jahr 2017: Im Nordwesten sitzen im Schnitt 1,08 Fahrgäste pro Tour im Bus, im Rupertiwinkel 1,1 Fahrgäste pro Tour. 1360 Fahrgäste wurden zwischen Mai und Oktober beispielsweise rund um den Waginger See gezählt. Weil die Fahrgäste einen subventionierten Preis zahlen, beträgt der Zuschuss pro Fahrgast 37 bzw. 29 Euro

Vor allem der Rufbus im nordwestlichen Landkreis steht nur zur Debatte: "Ökonomisch und ökologisch ist das zweifelhaft. Wir bilden uns da was ein, was der Bürger nicht annimmt", so Siegfried Walch. Der Landkreis dachte bereits daran, die Rufbus-Linie im Nordwesten einzustampfen, doch die Bürgermeister der Gemeinden wollen keine ersatzlose Streichung. Bis Juni 2018 soll deshalb ein Alternativkonzept ausgearbeitet werden.

Nachtschwärmer-Linie nach Reit im Winkl wieder abgeschafft

Zwei weitere Buslinien werden nun vom Landratsamt gestrichen, weil die Fahrgastzahlen zu niedrig sind. Der Nachtschwärmer von Traunstein (Abfahrt 3.45 Uhr) über Grassau, Marquartstein und Ettenhausen fuhr für zwei Jahre nun auch probeweise weiter nach Oberwössen und Reit im Winkl. Die nackten Zahlen: 2016 nutzen 15 Fahrgäste die weiteren zwei Haltepunkte, heuer waren es bisher 12. Bezuschussung pro Fahrgast: satte 250 Euro. Oberwössen und Reit im Winkl werden also wieder aus dem Plan gestrichen.

Auch eine zusätzliche Fahrt jeden Samstagnachmittag von Traunstein nach Bergen wurde für zwei Jahre erprobt. Bis September nutzten heuer bei 47 Einsatztagen nur 49 Fahrgäste die Verbindung. Auch mit dieser Zusatzfahrt wird nun Schluss sein

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