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Österreich und Tschechien starten Grenzkontrollen nach Osten

„Situation verschärft“: Sind unsere Landkreise für die steigenden Asylbewerberzahlen bereit?

Kaum noch Corona-Reiseregeln, dafür mehr Krisenherde - und so steigt auch die Zahl der ankommenden Flüchtlinge bei uns sprunghaft: „Die Situation hat sich verschärft, die Lage ist angespannt“. Wie sind wir in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und Mühldorf vorbereitet, woher kommen die Menschen und wie eng ist es jetzt schon in den Asyl-Unterkünften?

Landkreis - „In einigen Regionen Deutschlands wird es eng“, schrieb die Deutsche Presse-Agentur jüngst - denn seit Aufhebung vieler Corona-Reiseregeln kommen immer mehr Asylbewerber nach Deutschland. Die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan und der Krieg in der Ukraine tun ihr Übriges, dass es auch in den hiesigen Flüchtlingsunterkünften immer voller wird. „Die Situation hat sich verschärft, die Lage ist angespannt“, heißt es beispielsweise aus dem Landratsamt in Traunstein. Und seit Donnerstag kontrollieren Österreich und Tschechien wieder ihre Grenzen zur Slowakei.

Die Zahl der Menschen, die bis Ende August nach Bayern flohen, ist heuer fünfmal so hoch wie voriges Jahr: 58.000 sind es laut Bayerischem Rundfunk - Ukrainer nicht mitgerechnet. Wir haben uns bei den heimischen Landratsämtern erkundigt. Die Hauptherkunftsländer heißen übereinstimmend Afghanistan, Nigeria, Irak und Jemen. „Die Zahl der Asylsuchenden ist im Sommer stark gestiegen, die Ankerzentren sind voll“, stellt das Rosenheimer Landratsamt fest. Nachfolgend beleuchten wir die Lage und die Aussichten in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und Mühldorf.

Landkreis Rosenheim: „Bei steigenden Zahlen Turnhallen in Betracht ziehen“

1670 Asylbewerber hat momentan der Landkreis Rosenheim aufgenommen - fast alle leben in dezentralen Unterkünften des Landkreises. Nur noch „vereinzelte Plätze“ seien dort frei, so das Landratsamt auf Nachfrage. Wohl auch deshalb, weil ein Viertel der 3000 Ukrainer im Landkreis Rosenheim in Asylbewerberheimen unterkommen mussten. Und „bei weiter steigenden Zahlen müssen auch Turnhallen zur kurzfristigen Unterbringung in Betracht gezogen werden“, so die Landkreis-Behörde. Die größte Unterkunft mit 144 Plätzen steht in Bad Aibling. Hauptherkunftsländer der aktuell einreisenden Asylbewerber sind Afghanistan und Jemen.

Landkreis Traunstein: Pro Woche kommen 30 Flüchtlinge

Im Landkreis Traunstein sind es momentan im Schnitt 30 Flüchtlinge, die sich pro Woche hier registrieren - davon ein Drittel Asylbewerber und zwei Drittel Ukrainer. Ähnlich das Gesamtverhältnis: Die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sind mit 1700 gegenüber den 900 Asylbewerbern in der deutlichen Mehrheit. Die Asylbewerber stammen laut Landratsamt vor allem aus Afghanistan und Nigeria.

In den großen Gemeinschaftsunterkünften, wie in Altenmarkt, Inzell, Ruhpolding, Traunreut, Traunstein oder Trostberg, sei derzeit „noch etwas Luft“, heißt es. Etwa zur Hälfte seien sie belegt. Aber: Bei der jetzigen Situation dürften die Unterkünfte „bald voll“ sein, so das Landratsamt. Rund 450 der 1700 registrierten Ukrainer im Landkreis sind in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Das Landratsamt weiter: „Da die Fachstellen erwarten, dass die Zahlen weiter steigen, werden schon seit einiger Zeit Vorbereitungen getroffen. Eine Unterbringung in Turnhallen ist nicht vorgesehen.“

Berchtesgadener Land: Unterkünfte „nahezu vollständig ausgelastet“

Im Berchtesgadener Land ist es laut Landratsamt sogar knapp die Hälfte der registrierten Ukrainer, die in Asylbewerberunterkünften lebt. Rund 1160 Menschen jener, die nach dem Angriff Russlands von dort geflohen sind, haben im Berchtesgadener Land Zuflucht gefunden. Darüber hinaus beherbergt man im Landkreis 576 Asylbewerber, deren Verfahren noch läuft oder das bereits abgelehnt wurde, so das Landratsamt.

Die dezentralen Flüchtlingsunterkünfte - also zum Beispiel bei Privatvermietern oder Pensionen - seien „nahezu vollständig ausgelastet“, teilt das Landratsamt mit: „Freiplätze können nur durch Umverlegungen und Verdichtungen geschaffen werden.“ Die Behörde tue sich außerdem immer schwerer, Unterkünfte zu finden. Der von Haus aus angespannte Wohnungsmarkt sei der Grund. Trotzdem: „Die Belegung von Turnhallen sollte nach Möglichkeiten vermieden werden.“

Landkreis Altötting: Knapp 1300 Ukrainer registriert

„Alle Plätze in Gemeinschaftsunterkünften sind vergeben“, heißt es offen aus dem Altöttinger Landratsamt. Zwei gibt es im Landkreis, nämlich in Burghausen und Neuötting. 219 Menschen sind dort momentan untergebracht. Und auch in den anderen Unterkünften befänden sich noch immer anerkannte Flüchtlinge mit Bleibereicht, die aber auf dem freien Wohnungsmarkt noch keine Alternative gefunden haben. Fast 1300 Ukrainer sind es momentan im Altöttinger Raum.

Die Einschätzung zur aktuellen Lage aus dem Landratsamt: „Im Vergleich zu den beiden letzten (Corona-)Jahren hat sich die Unterbringungssituation durchaus verschärft.“ Darum hat man den Bestand an Wohnungen, die für Flüchtlinge zur Verfügung stehen, erhöht und sei auch weiterhin dabei, mehr Wohnraum für Asylbewerber anzumieten. „Wenn keine Alternativen zur Verfügung stehen, werden die dem Landkreis zugewiesenen Personen in der Turnhalle Neuötting untergebracht.“

Landkreis Mühldorf: Wohnraumangebot ohnehin schon knapp

Etwa doppelt so viele Ukrainer als anerkannte Asylbewerber sind es auch im Landkreis Mühldorf. 1091 Ukrainer sind es laut dem Landratsamt, außerdem 578 Asylbewerber. „Im sogenannten ‚Anker Waldkraiburg‘ sind 340 Personen untergebracht.“ Aber egal ob in den großen Gemeinschaftsunterkünften, oder in den dezentralen Unterkünften: Laut der Landkreis-Behörde gebe es nur noch „wenige Restplätze“.

„In diesem Jahr ist die Zahl der Menschen, die aus Ländern wie Syrien, Irak und Afghanistan nach Deutschland gekommen sind, im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich angestiegen“, so das Landratsamt. Auch aus der Türkei sei eine bedeutende Anzahl von Menschen eingereist. „Vor dem Hintergrund eines ohnehin knappen Wohnraumangebots im Landkreis Mühldorf am Inn nähert sich auch hier die Belegung in den Gemeinschafts- und in den dezentralen Unterkünften der Kapazitätsgrenze“, heißt es.

xe

Rubriklistenbild: © dpa Armin Weigel

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