Laien- und Fachpublikum begeistert 

3. Traunsteiner Krebskongress voller Erfolg

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Steffi Böhler im Gespräch mit Norbert Joa

Traunstein - Unter dem Motto "Gemeinsam gegen den Krebs" standen Information, Kommunikation und Empathie beim 3. Traunsteiner Krebskongress im Mittelpunkt.

Ganz im Zeichen von Information, Kommunikation und Empathie hat der vom Onkologischen Zentrum Traunstein (OZ) dreitägige 3. Traunsteiner Krebskongress gestanden. Unter dem Motto "Gemeinsam gegen den Krebs" beleuchteten hochkarätige Referenten für das zahlreich erschienene Laien- wie Fachpublikum gleichermaßen gut verständlich verschiedenste Aspekte des Themas Krebs. In der entspannten Atmosphäre des Bildungszentrums für Gesundheitsberufe kamen Betroffene, Interessierte, Ärzte und medizinisches Fachpersonal locker ins Gespräch. Und für unter die Haut gehende, bewegende Momente sorgten Weltklasse-Langläuferin Steffi Böhler und LaBrassBanda-Frontmann Stefan Dettl im Interview mit BR-Moderator Norbert Joa.

Ja, wir haben Krebs, aber das Leben geht weiter

Prof. Dirk Zaak vom Onkologischen Zentrum Traunstein konnte zur Kongresseröffnung am Freitag in der Aula des Bildungszentrum im Namen des gesamten Teams - wie schon bei der Auftaktveranstaltung am Vorabend mit dem mitreißenden Vortrag des international renommierten Hamburger Krebsforschers Prof. Thorsten Schlomm über Gene und Bits in der Medizin - noch mehr Gäste als erwartet begrüßen. Unter ihnen auch Traunsteins Oberbürgermeister Christian Kegel, der in seinem Grußwort spontan versprach, in der nächsten Zeit das Angebot zur Darmkrebsvorsorge wahrzunehmen. Wie not dies tut, machte der gut vorbereitete Moderator der Veranstaltung deutlich: "Jeden Tag bekommen 1400 Deutsche die Diagnose Krebs", sagte Norbert Joa. Die gute Nachricht sei, dass die Möglichkeiten von Diagnose und Therapie dank intensiver Forschung immer besser würden Früherkennung nach wie vor die Heilungschancen erhöhe. Wer dennoch von einer Krebserkrankung betroffen sei, dem wolle der Kongress Mut machen im Sinne von "Ja, wir haben Krebs, aber das Leben geht weiter."

Live-Darmspiegelung

Diesem Anspruch wurde die bis in letzte Detail perfekt organisierte Veranstaltung in vielerlei Hinsicht immer wieder gerecht. So bewies sie den insgesamt mehr als 500 Besuchern, dass Vorsorge zwar Not tut, aber nicht weh tut. Davon konnten sich die Gäste in der Aula auch gleich ein Bild machen: Bei einer Live-Schaltung ins Klinikum Traunstein nahmen sie an einer Darmspiegelung teil. Während der mit der Veröffentlichung einverstandene Patient selig vor sich hinschlummerte, entführte Gastroenterologie-Chefarzt Dr. Anton Kreuzmayr das faszinierte Publikum auf eine aufschlussreiche endoskopische Reise durch den Darm. Obwohl die rund zehnminütige Untersuchung nicht schmerzhaft und ein unverzichtbares Mittel zur Vorsorge gegen eine schlimmstenfalls tödliche Krebserkrankung ist, wird sie ebenso wie die Prostatakrebsvorsorge viel zu wenig wahrgenommen. "Die Angst vor dem Urologen ist unbegründet, wenn Prostata-Krebs rechtzeitig erkannt wird, ist er meist heilbar", so das Fazit eines von erfreulich vielen Männern besuchten Kurzvortrags von Urologie-Oberarzt Dr. Thomas Hofmann. 

Einige Seminarräume weiter stellte Dr. Christian Geltner, Chefarzt der Pneumologie an der Kreisklinik Bad Reichenhall, fest, dass Raucher im Schnitt zehn Jahre früher sterben und der Anteil der an Lungenkrebs erkrankten Frauen weiterhin steige. Die häufigste Krebserkrankung bei Frauen sei aber nach wie vor"der Brustkrebs, jede Zehnte ist betroffen", so Prof. Afshin Rashmanian-Schwarz beim "Talk in der Aula" mit Norbert Joa. Der Chefarzt der neuen Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie am Klinikum Traunstein machte Patientinnen mit einer nicht vermeidbaren Brust-Amputation Mut, indem er die heutzutage mit gutem Ergebnis möglichen Rekonstruktionen aus körpereigenem Gewebe vorstellte. Sein Vortrag in Wort und Bild bewegte das Publikum sichtlich.

Talk mit Steffi Böhler und Stefan Dettl

Und auch der abendliche Talk des Patiententages ging den Menschen unter die Haut: So, als die sympathische Sportlerin Steffi Böhler mit Joa und dem Stresstherapeuten Dr. Philip Janda offen über ihre vor fünf Jahren erfolgte Diagnose Schilddrüsenkrebs und ihren Umgang damit sprach. Heute geheilt, machte die 36-Jährige Betroffenen Mut: "Das heißt nicht gleich Untergang, man muss sich nicht gleich ein Grab schaufeln." Vollblutmusiker Stefan Dettl, der das Publikum zwischendurch mit Gitarrist Fabian Jungreithmayr vor Begeisterung von den Stühlen riss, zollte Steffi Böhler höchste Anerkennung für ihre mentale Stärke im Umgang mit der Diagnose Krebs. Sie habe in ihrem sozialen Umfeld gefunden, was andere Menschen auch in den von Janda dringen empfohlenen Selbsthilfegruppen finden könnten, so Böhler. Betroffene nahmen beim Krebskongress auch sehr gerne die Möglichkeit wahr, direkt mit Selbsthilfegruppen wie der von Dr. Eckhard Pfeiffer geleiteten Prostatakrebs Selbsthilfe in Traunstein ins Gespräch zu kommen. 

Wie Ärzte bei der Diagnose Krebs ihren Patienten die schlimme Nachricht überbringen, brachte Kommunikationsprofi Oliver Keifert beim Ärztetag auf den Punkt: "Es ist eine große Kunst, Dinge einfach darzustellen", sagte er. Ob Vorträge für jedermann oder auch die sehr gut besuchten Ausführungen für das medizinische Fachpersonal: Die Referenten des Krebskongresses beherrschten diese Kunst erfreulich gut.

Und so konnten die Kongressbesucher eine Fülle wertvoller Informationen mitnehmen, etwa auch beim Vortrag von Hämato-Onkologie-Chefarzt Dr. Thomas Kubin über die Fortschritte in der Medizin bei der Weiterentwicklung der Immuntherapie. Oder auch ganz lebensnahe Tipps wie die der Jenaer Professorin Jutta Hübner über die richtige Ernährung bei Krebs.

Gemeinsam gegen den Krebs e.V.

Einmal mehr engagierte sich auch der FC Bayern Fanclub Rot-Weiße-Traun Traunstein e.V. für vom Krebs Betroffene: Er verdoppelte den Erlös seines Torwandschießen vor dem Bildungszentrum, der direkt dem guten Zweck zukommt. Zusammen mit derAnkündigung Prof. Zaaks, dass im Juli ein Verein "Gemeinsam gegen den Krebs e.V." gegründet werde , bestätigte der rundum gelungene Kongress, was der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch im Gespräch mit Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Südostbayern AG, so zusammenfasste: "Es ist eine Ausnahme und im ländlichen Raum durchaus nicht selbstverständlich, dass wir mit dem Klinikverbund in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein eine qualitativ sehr gute Gesundheitsversorgung haben." Dafür könne man durchaus dankbar sein, so der Aufsichtsratsvorsitzende der Kliniken AG.

Pressemitteilung Kliniken Südostbayern AG

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