Kreistagsfraktionen der Bayernpartei und Freie Wähler informieren

Kreisbrandrat: So können die Arbeitsbedingungen für die Wehren optimiert werden

Traunstein - 80 freiwillige Feuerwehren mit circa 4.500 Aktiven sind sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag ehrenamtlich bereit, sich in den Dienst ihrer Mitbürger zu stellen. Zwölf mal am Tag, also alle zwei Stunden rückt in unserem Landkreis eine Feuerwehr aus. Ihr Aufgabenfeld reicht von technischen Hilfeleistungen über Brände zum Katastrophenschutz. Leider, so Christoph Grundner, häufiger auch zu Fehlalarmen, insbesondere lösen Brandmeldeanlagen öfter Fehlalarme aus. 

Gesetzlich obliegt der Feuerwehr lediglich der Personenschutz, der Objektschutz, z.B. Maschinen, Schaltzentralen oder Industrieanlagen, sind nicht Aufgabe der Feuerwehren. Firmen müssten eigentlich über andere Anbieter Lösungen finden. 

Nach der Novellierung des bayerischen Feuerwehrgesetzes am 1. Juli ist die Altersgrenze für den aktiven Dienst auf 65 Jahre heraufgesetzt, Kinderfeuerwehren ab zwölf Jahren erlaubt, ein 3. Kommandant eingeführt und die Inklusion auch in den Feuerwehren umgesetzt worden. 

Desweiteren wurden Richtlinien für Hilfeleistungskontingente mit einer Sollstärke von 100 Personen eingeführt, die bei Großschadensereignissen, wie z.B. das Hochwasser in Simbach landkreisübergreifend tätig werden. Ein Hochwasserkontingent soll bis September 2018 in unserem Landkreis entstehen

Bedauert hat der Kreisbrandrat, dass der Landkreis noch nicht über zentrale Katastrophenschutzlager verfügt, in denen Geräte, wie Hochleistungswasserpumpen, Ölsperren für fließende Gewässer, oder eine Dekontaminationseinheit gelagert und gewartet werden können. Es müsste zentral liegen da die Geräte im ganzen Landkreis benötigt werden. Im Augenblick sind sie auf verschiedene Feuerwehrhäuser verteilt. Wenn sie gebraucht werden, muss zunächst festgestellt werden, wo sie sich befinden und dann eventuell von weit her geholt werden. 

Die in Rettungsdienstkreisen nicht unumstrittene digitale Alarmierung soll bis 2020 eingeführt werden. Im Landkreis sollen Abschnittsführungsstellen eingerichtet werden, so dass der Funkverkehr nicht mit jeder am Einsatz beteiligten Feuerwehr, sondern ausschließlich mit der Führungsstelle abgewickelt wird, die dann alle Informationen verarbeitet und die Kräfte koordiniert. 

Bemängelt wurde auch, dass oft nach 16 Uhr und an Wochenenden Straßenbaulastträger von Kreis und Staatsstraßen schwer zu erreichen sind und dann die Feuerwehren die Aufräumarbeiten erledigen müssen. Für den Baulastträger mit seinem Maschinenpark wäre es schneller und einfacher zu bewerkstelligen. 

Auch kommt es immer häufiger vor, dass Feuerwehren, da sie gleichzeitig mit dem Rettungsdienst alarmiert werden zuerst an Unfallstellen sind und sich dann zusätzlich um Schwerstverletzte zunächst kümmern müssen. Dies stelle für die Feuerwehrleute eine zusätzliche Herausforderung dar, die in der Ausbildung Berücksichtigung finden müsse. 

Auf die Frage des Fraktionsvorsitzenden Dr. Lothar Seissiger wie die Abarbeitung des Sturmtiefs mit enormen Windgeschwindigkeiten am 18. und 19. August 2017 am Chiemseesummer in Übersee gelaufen sei, antwortet der Kreisbrandrat, dass man dabei viel lernen durfte. Da in einer Stunde über 2000 Notrufe eingegangen sind, wollte man andere Leitstellen in die Abarbeitung mit einbeziehen, dies war aber nicht möglich da man festgestellt hat, dass die Leitstellen untereinander nicht vernetzt sind

Man bräuchte einheitliche Daten, eine einheitliche Software auch sollte man mit dem Digitalfunk die Möglichkeit haben Österreich zur Schadensbekämpfung mit einzubeziehen. Schmerzlich musste man auch feststellen, dass jedes Feuerwehrhaus mit einem Notstromaggregat ausgerüstet sein sollte. Bei solchen Orkanen bricht die Stromversorgung öfter zusammen, aber gerade Feuerwehrhäuser sind dann Anlaufstellen für Verletzte und Hilfesuchende. 

Wichtig wäre auch, dass die Feuerwehren mit medizinischen Hilfsmitteln ausgerüstet wären, um Verletzte versorgen zu können. Im Namen der sichtlich beeindruckten Fraktionen der Freien Wähler und der Bayernpartei bedankt sich Dr. Lothar Seissiger bei dem Referenten für die offenen und ehrlichen Worte. 

Er versprach, dass sich beide Fraktionen im Landkreis dafür einsetzen werden, bestehende Defizite zu beseitigen.

Pressemitteilung Freie Wähler im Kreistag Traunstein

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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