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Hochburgen, Wahlverweigerer, Null-Prozent-Parteien...

Kuriose und spannende Wahl-Fakten aus Traunstein/BGL - auch von den Mini-Parteien

  • Xaver Eichstädter
    VonXaver Eichstädter
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Wo liegen die Hochburgen und Schwachstellen der Großparteien und wo schneiden die Mini-Parteien am besten ab? Wer bekam in einer ganzen Reihe von Gemeinden null Stimmen? Wo war die Wahlbeteiligung am niedrigsten? Wie schnitten links- und rechtsradikale Parteien ab? Wir haben die interessantesten und kuriosesten Fakten zur Bundestagswahl im Wahlkreis Traunstein-BGL.

Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land - Die Bundestagswahl 2021 ist Geschichte und vor allem das dicke Minus für die Regierungspartei CSU wird in Erinnerung bleiben. 13 Prozent weniger erreichten die Christsozialen in unserem Wahlkreis. Peter Ramsauer sicherte sich trotzdem wieder deutlich das Direktmandat. Zum Nachlesen: Unser Live-Ticker mit allen Ergebnissen aus den Kommunen.

Das Zweitstimmenergebnis im Wahlkreis Traunstein-Berchtesgadener Land bei der Bundestagswahl 2021.

CSU - Nur noch in einem Ort über 40 Prozent

31,5 Prozent wählten die CSU im Wahlkreis Traunstein noch - ein Minus von 13 Prozent. Damit liegt der Wahlkreis ziemlich genau im bayerischen Schnitt. Nur in einer Gemeinde schaffte man es noch über die 40 Prozent, nämlich in Ramsau mit 42,7 Prozent. Besonders stark war die CSU außerdem noch in Reit im Winkl (38,6 Prozent) und in Schleching mit 36,8 Prozent. Auffällig ist, dass die Ramsauer-Partei vor allem in touristisch geprägten Orten gut abschloss. Die schlechtesten Ergebnisse fuhr man in Laufen, Taching und Freilassing ein, um die 26 bzw. 27 Prozent wählten dort CSU - trotzdem war man jeweils stärkste Kraft. Das gleiche Bild bei den Erststimmen für Peter Ramsauer: In Ramsau top, in Laufen Flop. Aber auch in Laufen gingen die meisten Erststimmen noch immer an Ramsauer.

SPD - Bestes und schlechtestes Ergebnis jeweils im nördlichen Kreis Traunstein

Mit 15,5 Prozent liegt die SPD im Wahlkreis Traunstein auf Platz 2, ein Plus von 3,6 Prozent. Besonders stark waren die Sozialdemokraten in Trostberg und Grassau mit über 19 Prozent, sowie in Bad Reichenhall mit 18 Prozent. Direktkandidatin Bärbel Kofler schnitt bei den Erststimmen in Traunstein am besten ab. Das schlechteste Ergebnis fuhren die Sozialdemokraten dagegen mal wieder in Pittenhart ein - nur 7,7 Prozent stimmten dort für sie. Die SPD kommt dort nur auf Rang 6. In Engelsberg und Petting waren es etwa zehn Prozent der Stimmen. Vor allem in landwirtschaftlich geprägten Orten macht die SPD bei uns keinen Stich.

Freie Wähler - Von zwei auf jetzt 13 Prozent

Gewinner des Wahlabends waren die Freien Wähler. Sie stiegen im Wahlkreis Traunstein von gut zwei auf jetzt 13 Prozent -interessanterweise ungefähr jener Wert, den die CSU verlor. Ihre Hochburgen haben die Freien Wähler in Petting (22,8 Prozent), Wonneberg (22,6 Prozent) und Schneizlreuth (21,9 Prozent). In Bayerisch Gmain sah es mit 5,8 Prozent dagegen anders aus. Auch in Traunstein und Marquartstein entschieden sich nur jeweils 7,3 Prozent für die Partei der Direktkandidatin Andrea Wittmann.

Die Grünen - Stadt Traunstein bleibt Hochburg

Ein Plus von drei Prozent steht bei den Grünen im Wahlkreis - insgesamt 12,3 Prozent entschieden sich für sie. In Traunstein ist man traditionell stark und holte am Wahlsonntag dort 18 Prozent. Die zweit- und drittbesten Ergebnisse fuhren die Grünen in Marquartstein (16,4 Prozent) und in Laufen (15,9 Prozent) ein. In Engelsberg, Tacherting und Schneizlreuth liegen dagegen die Schwachstellen der Grünen. Etwa acht Prozent entschieden sich dort jeweils für die Partei.

FDP - Zweitstärkste Kraft in Bayerisch Gmain

Leicht zulegen konnte auch die FDP und fuhr 9,7 Prozent in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land ein. Mit Abstand das beste Ergebnis holt die Partei um Direktkandidat Patrick Weiß in Bayerisch Gmain. Mit 15,7 Prozent liegt man dort hinter der CSU sogar auf Platz 2. Stark auch in Bergen und Übersee mit jeweils rund zwölf Prozent. Auf der anderen Seite fuhr die FDP in Marktschellenberg und Wonneberg ihre schlechtesten Ergebnisse ein, blieb dort unter sieben Prozent.

AfD - In Traunreut und Freilassing wieder stark

Die bekannten Hochburgen der AfD aus den vergangenen Wahlen sind auch nun wieder ganz vorne dabei: In Traunreut (12,3 Prozent), Tacherting (11,5 Prozent) und Freilassing (10,7 Prozent) schnitt die AfD am besten ab. Insgesamt muss die Partei aber ein Minus von gut drei Prozent im Wahlkreis Traunstein hinnehmen und kommt insgesamt noch auf 8,6 Prozent. Auch der Ort mit dem schlechtesten AfD-Ergebnis ist bei dieser Wahl wieder derselbe: 4,3 Prozent in Ramsau. In Nußdorf und Seeon-Seebruck waren es nur gut sechs Prozent.

Die Linke, Bayernpartei, dieBasis & Co.: So schnitten die Kleinen ab

Besonders schlecht lief die Bundestagswahl am Sonntag für die Linke und die Bayernpartei. Ihre Ergebnisse haben sich in der Region mehr als halbiert: 2,4 Prozent stimmten noch für die Linke und 0,9 Prozent für die Bayernpartei. Die besten Ergebnisse schaffte die Linke in Traunstein und Laufen mit 3,7 Prozent - in Marktschellenberg lag man mit 1,1 Prozent dagegen auf dem Niveau von „Die Partei“ oder der Tierschutzpartei. Die Bayernpartei war in Grassau, Petting und Übersee am stärksten, 1,6 bis 1,8 Prozent und in Bayerisch Gmain mit 0,2 Prozent am schlechtesten.

Auch für die ÖDP war der Wahlsonntag kein Grund zum Jubeln, 0,9 Prozent der Wähler erreichte man noch. In Petting das beste Ergebnis mit 1,8 Prozent, in Unterwössen dagegen nur 0,3 Prozent. Neu auf dem Wahlzettel stand dieses Mal die Partei „dieBasis“, die aus der Bewegung der Corona-Maßnahmen-Kritiker entspringt. Im ganzen Wahlkreis schaffte sie es mit 2,3 Prozent auf Platz 8. In Pittenhart erreichte „dieBasis“ rund fünf Prozent, die niedrigsten Ergebnisse wurden aus Ramsau und Bischofswiesen mit 1,1, Prozent gemeldet. Der Direktkandidat mit den wenigsten Erststimmen, 301 an der Zahl, ist übrigens Sebastian Oberholzner aus Piding. Er trat für die Liberal-Konservativen Reformer an.

Links- und rechtsextreme Parteien in Traunstein und dem BGL

Jeweils zwei eindeutig links- bzw. rechtsextreme Parteien traten am Sonntag zur Wahl an - sie bleiben bei uns jedoch völlig bedeutungslos, allen voran die Parteien am linken Rand: die marxistisch-leninistische MLPD erhielt im ganzen Wahlkreis nur 19 Stimmen, die kommunistische DKP 20 Stimmen. Damit sind sie die absoluten Schlusslichter aller Parteien im Wahlkreis Traunstein. 165 Menschen wählten klar rechtsextrem: Die NPD erhielt 102 Stimmen, „Der III. Weg“ 63 Stimmen. Am besten war die NPD mit 0,25 Prozent bzw. 18 Stimmen in Freilassing.

Wahlbeteiligung und ungültige Stimmen

Knapp 74 Prozent aller Wahlberechtigten in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land beteiligten sich am Sonntag bei der Bundestagswahl. Das sind etwa drei Prozent weniger als 2017. Am fleißigsten wurde in Kienberg, Wonneberg und Chieming zur Urne gegangen, in Kienberg waren es sogar fast 87 Prozent. Die niedrigste Wahlbeteiligung wurde in Traunreut und Freilassing mit 67 bzw. knapp 70 Prozent verzeichnet. Auch wenn in Kienberg die Wahlbeteiligung am höchsten war: Mit 1,3 Prozent wurden dort auch die meisten ungültigen Stimmzettel eingeworfen. Und in Staudach-Egerndach waren alle 751 abgegebenen Stimmzettel gültig - der einzige Ort im ganzen Wahlkreis.

xe

Rubriklistenbild: © Fotomontage

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