Interview mit den Betreibern der Kliniken Südostbayern

Patienten auf den Intensivstationen auch in der Region immer jünger - so ist die Lage

Covid-Patient auf Intensivstation. Die Corona-Pandemie und ihre Folgen: Jeder dritte Mitarbeiter auf Intensivstationen will inzwischen seine Stelle aufgeben.
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Pfleger betreuen einen COVID-Patienten auf einer Intensivstation (Symbolbild)

Wie ist aktuell die Lage auf den Intensivtationen der Kliniken Südostbayern im Chiemgau und Berchtesgadener Land? Vier Fragen, vier Antworten:

Berichte darüber, dass die Intensivstationen in Deutschland am Limit arbeiten, häufen sich in der jüngsten Zeit. Laut dem DIVI-Intensivregister werden derzeit (Stand: 28.04.2021 15:19 Uhr) in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein elf Corona-Patienten auf einer Intensivstation behandelt, fünf davon invasiv beatmet.

Im Landkreis Traunstein beträgt der Anteil der Corona-Patienten 20 Prozent, nur noch zwei freie Betten sind gemeldet. Im Berchtesgadener Land sind 9,25 Prozent der Intensivpatienten COVID-19 Patienten. Im ganzen Landkreis sind ebenfalls nur noch zwei Intensivbetten frei. Doch wie ist die Lage abseits dieser abstrakten Zahlen auf den Intensivstationen wirklich? chiemgau24.de hat Ralt Reuter, Pressesprecher der Kliniken Südostbayern, die die Kreiskliniken in Bad Reichenhall, Berchtesgaden, Freilassing, Traunstein und Trostberg betreiben, Fragen zur aktuellen Lage gestellt:

chiemgau24.de: Wie ist das Durchschnittsalter der auf den Intensivstationen der Kliniken Südostbayern betreuten Corona-Patienten im Vergleich zur ersten und zweiten Welle? 
Ralf Reuter: Inzwischen bemerken wir, wie in vielen anderen Regionen, die Erfolge der Impfkampagne bei den Hochbetagten und Bewohnerinnen und Bewohnern von Alten- und Pflegeeinrichtungen. Entsprechend zum deutlich reduzierten bis kaum mehr vorhandenen Ausbruchsgeschehen in diesen Einrichtungen ist der Anteil der Über-80-jährigen Covid-Erkrankten in den Kliniken deutlich gesunken. Dafür ist allerdings im Gegenzug der Anteil der Altersgruppe 50 – 75 erheblich gestiegen.
chiemgau24.de: Was ist momentan das größte Problem auf den Intensivstationen? 
Ralf Reuter: Das Alter der aktuell auf Intensivstationen versorgten Covid – 19 Patienten ist, wie erwähnt, jünger als in der ersten und zweiten Welle. Dementsprechend haben wir auch in Teilen deutlich längere und protrahierte Intensivaufenthalte, welche die Kapazitäten für geplante größere Eingriffe einschränken. Gerade die jüngeren Patienten kommen eher später in die Klinik und dann öfter in einem eher schlechteren Zustand.
Die Situation bei den Pflegekräften gerade in der Intensivpflege ist bekanntermaßen überall angespannt – so auch in Teilen bei uns. Wir unterstützen, wo immer möglich, um ausreichend Betten betreiben zu können. Aktuell gelingt uns das. Aber klar ist auch, dass die Versorgung der Covid-Patienten deutlich aufwändiger und für die Mitarbeiter belastender ist.
chiemgau24.de: Wie unterscheidet sich die Lage im Vergleich zur ersten und zweiten Welle?
Ralf Reuter: Wie gesagt, die Patienten die versorgt werden müssen, haben sich aus den oben beschriebenen Gründen verschoben. Der wesentliche Unterschied ist, dass sich die Erfolge aus der Impfung der Mitarbeiter in den patientennahen Bereiche zunehmend einstellen in Form von deutlich geringeren Covid-19 bedingten Mitarbeiterausfällen. Zudem verfügen wir über zunehmende Studienergebnisse und Erfahrungen in der Behandlung von Covid-Patienten, z.B. in der medikamentösen Therapie und Beatmung, welche wir entsprechend zum Vorteil der Patienten anwenden können.
chiemgau24.de: Was ist in den nächsten Wochen zu erwarten?
Ralf Reuter: Entscheidend ist die Verhinderung einer weiteren Zunahme an schweren Covid-Verläufen, insbesondere Intensivaufenthalte, da bekanntermaßen die intensivmedizinischen Ressourcen sehr stark ausgelastet sind. Insofern setzen wir hier auf die positiven Effekte der zunehmenden Durchimpfung der Bevölkerung als auch der allgemeinen Infektionsschutzmaßnahmen zur Eindämmung der Covid-Pandemie. Die dritte Welle ist bei weitem noch nicht gebrochen, so dass auch weiterhin große Anstrengungen auf allen Ebenen erforderlich sind.

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jb

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