Die letzten Zivis beim Traunsteiner BRK

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Thomas, Martin und Alex sind die letzten Zivildienstleistenden beim Traunsteiner Kreisverband des Roten Kreuzes. Nach einer Ausbildung zum Rettungsdiensthelfer begleiten sie jetzt Notfalleinsätze im Rettungswagen, um die Abläufe zu lernen, bevor sie sich selbst ans Steuer setzen dürfen.

Traunstein - Alle drei sind dunkelhaarig, aber diese Zivildienstleistenden des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), Kreisverband Traunstein, haben noch eine besondere Gemeinsamkeit:

Sie sind die letzten jungen Männer, die als „Zivis“ beim BRK-Rettungsdienst im Landkreis ihre Zeit absolvieren, denn ab 1. Juli gibt es keine Wehrpflicht mehr. Damit endet die Ära der Zivildienstleistenden beim Roten Kreuz.

Für Alex Kramer aus Wolkersdorf, Martin Stein aus Grabenstätt und Thomas Berger aus Kienberg ist es kein Problem, dass sie als letzte Zivildienstleistende im Landkreis „eingezogen“ wurden. Alle drei waren auf der Suche nach etwas „Sinnvollen“, wie sie betonen.

Während der 20-jährige Alex direkt von der Schule kommt und später ein Studium im sozial-medizinischen Bereich im Auge hat, haben Martin und Thomas eine Lehre als Landmaschinen- beziehungsweise Lkw-Mechaniker hinter sich und sind gespannt auf die gut fünf Monate, die jetzt beim BRK-Rettungsdienst vor ihnen liegen.

Die erste Hürde haben die drei jungen Männer schon gemeistert: Nach einer Einweisung im Traunsteiner BRK-Kreisverband verbrachten sie vier Wochen auf einer Augsburger Schule, wo sie die Ausbildung zum Rettungsdienst-Helfer bestanden. Alex schmunzelt, wenn er an die ersten Tage zurückdenkt. „Nur Fachausdrücke, ich hab nichts verstanden. Zwar waren die Themen alle interessant, aber halt sehr umfangreich.“

Jetzt fahren sie die nächsten vier Wochen als „dritter Mann“ im Rettungstransportwagen mit und lernen die Abläufe bei einem Notfall kennen. Ab dem dritten Monat sitzen sie dann als verantwortlicher Fahrer hinter dem Steuer eines der mächtigen Rettungswägen.

Stress am ersten Tag

Während die ersten Tage im Rettungsdienst für Martin und Thomas „ohne großen Stress“ abliefen, lernte Alex schon zu Beginn den rauhen Alltag eines Rettungsdienstlers kennen: „Wir fetzten am ersten Tag mit dem Rettungswagen durch die Stadt – Richtung Waging zu einem schweren Verkehrsunfall.

Dort waren auch Polizei, Feuerwehr und Rettungshubschrauber. Da lernt man schnell die Praxis kennen. Gott sei Dank gab es bei der verletzten Frau wenig Blut“, meint er nachdenklich. An diesem Tag folgten noch fünf weitere Einsätze für den „Neuling“.

Henning Hartenberger betreut als Zivildienstbeauftragter beim Traunsteiner BRK-Kreisverband die jungen Männer. Sollten sie bei schwierigen Notfall-Einsätzen dabei sein, bespricht er anschließend mit ihnen die Erlebnisse. Etwa 30 Bewerbungen für den Zivildienst beim Rettungsdienst flatterten jährlich ins Traunsteiner BRK-Zentrum auf dem Kasernengelände.

Durchschnittlich drei junge Männer leisteten hier Dienst. „Bei der Auswahl legten wir viel Wert auf die soziale Kompetenz und das Interesse auf diesem Gebiet“, so Hartenberger. Fast 98 Prozent der Zivis beschrieben ihre Rotkreuz-Ausbildung zum Schluss als „Super-Zeit“ - viele von ihnen blieben als ehren- oder nebenamtliche Aushilfen dem BRK-Rettungsdienst treu.

Stellenausschreibung statt Zivis

Damit ist nun Schluß und für BRK-Kreisgeschäftsführer Kurt Stemmer ein großes Problem. „Die Zivis waren eine große Stütze, die jetzt wegbricht“, erklärt er. Dem geplanten Bundesfreiwilligendienst, der jetzt folgen soll, steht er skeptisch gegenüber, denn bisher seien keine Details bekannt.

Die kommenden Personalplanungen würden zeigen, wie viele Stellen zu besetzen sind. „Wir müssen nach ausgebildeten Rettungsdiensthelfer suchen“, so Stemmer, „die von den Kostenträgern, also den Krankenkassen, bezahlt werden.“ Bisher war mit den Kostenträgern festgelegt, dass 20 Prozent nichthauptamtlicher Leistung im Rettungsdienst zu erbringen sind – das sind über 30 000 Stunden pro Jahr, die Praktikanten, Zivildienstleitende und nebenamtliche Rettungsdienstler leisteten.

All diese Probleme haben Alex, Martin und Thomas nicht im Kopf. Alle drei überlegen bereits, den Zivildienst zu verlängern. Alex bringt es auf den Punkt: „Man lernt hier unwahrscheinlich viel - vor allem lernt man sich selbst kennen und begreift, was wirklich wichtig ist im Leben.“

Pressemitteilung BRK Traunstein

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