Marterl einer Ermordeten zerstört

Traunwalchen/ Kammer - Mit nur 22 Jahren wurde die Schwester von Elfriede Dorfhuber 1946 ermordet - nach über 60 Jahren kommen die Gefühle wieder hoch. **Video**

Das große Holzmarterl zum Gedenken an Irmgard Helmberger steht an Straße zwischen Traunstein und Kammer.
Erst vor einem Jahr hat Alois Dorfhuber (80), der Mann von Elfriede (79), das Marterl eigenhändig erneuert. Doch dann kam vor kurzem der Schock: „Meine Tochter kam zu uns nach Hause und hat gesagt: ‘Mama ich muß dir was sagen, das Marterl von der Irmgard wurde zerstört‘. Da fiel ich aus allen Wolken,“ erzählt Elfriede .

Die Vandalen haben das Marterl völlig verunstaltet: ein umgedrehtes Kreuz wurde eingeritzt, der Latschenschmuck verbrannt und die Schraffuren mit weißer Farbe überpinselt.

Die Kratzspuren sind immer noch sichtbar, obwohl Alois Dorfhuber versucht hat  das Marterl zu erneuern. „Das ist kein Lausbubenstreich mehr, das ist reiner Vandalismus “, so Elfriede weiter.

Doch das Schlimmste ist, dass die Erinnerungen an den Mord wieder hochkommen.

 

Drei Morde auf derselben Strecke

Am 11. Mai 1946 war Irmgard mit dem Fahrrad auf den Weg von Kammer nach Traunstein, um ihren Verlobten vom Bahnhof abzuholen. Die Wirtstochter wurde auf halber Strecke von, vermutlich drei Männern, vom Fahrrad gezogen, in den Wald gezerrt und dort vergewaltigt. Danach wurde sie erschossen. Gestohlen haben die Täter ihr nichts -  außer den Verlobungsring.

Aber das war nicht der einzige Mord an diesem Nachmittag. Josef Huber (34), der ebenfalls an diesem Marterl verewigt wurde, traf kurz darauf auf die Täter und wurde umgebracht.

Und auch die vierfache Mutter Anna Renz (44), deren Gedenkstätte nur 100 Meter weiter steht, traf auf die Verbrecher und wurde kaltblütig ermordet.

Der 11.Mai 1946 bleibt für die umliegenden Gemeinden ein schrecklicher Tag. Durch die Schändung des Marterls kommen die Gefühle an diesen Tag bei Elfriede Dorfhuber wieder hoch. Sie war erst 16 als sie ihre Schwester verlor. „Ich erinnere mich an den Tag als wäre es erst heute Vormittag gewesen: Irmgard war aufgeregt, dass sie endlich ihren Verlobten wieder sehen kann. Und als wir alle beim Mittagessen saßen, überbrachte ein Bekannter uns die schreckliche Nachricht,“ erzählt Elfriede mit feuchten Augen.

Erst kurz zuvor musste die Familie schon den Verlust von zwei Kindern verkraften, da diese im Krieg gefallen waren.

Der Mörder wurde nie gefunden. In Verdacht stand ein Polizist aus Großkarolinenfeld, der schon lange ein Verehrer der Gastwirtstochter war. „Sie hat mir erzählt, dass er immer versucht hat, ihr den Verlobungsring abzuziehen und das war auch das Einzige was ihr gestohlen wurde,“ so Elfriede .

Und auch die Schänder des Marterls werden vermutlich nicht gefasst. „Wir hätten das Marterl gleich zur Polizei bringen können, da hätten sie vielleicht noch Fingerabdrücke gefunden, aber so ist da nichts mehr zu machen“.

ch 24- red / ch

Rubriklistenbild: © ch

Zurück zur Übersicht: Traunstein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser