Milchbauern kämpfen weiter

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Traunstein (ch-z) - Josef Taffertshofer und Toni Hörmann, zwei Milchbauern, haben eine gehörige Wut im Bauch.

In einer Versammlung des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) im Gasthaus "Jobst" in Rettenbach ließen die beiden an klaren Aussagen nichts zu wünschen übrig. Sie appellierten mit Nachdruck an die Bauern, in ihren Aktivitäten nicht nachzulassen. "Wir haben erreicht, was keiner zuvor erreicht hat", betonte Taffertshofer und meinte damit den Milchstreik und seine Auswirkungen. Seitdem setze sich die Öffentlichkeit mit dem Thema Milch auseinander. "Das Thema Milch steht fast täglich in der Presse, was sonst vielleicht nur einmal im Jahr der Fall war." Außerdem hätten durch den damals deutlich angestiegenen Milchpreis die Bauern unter dem Strich nicht verloren, sondern sogar noch profitiert - übrigens auch die Molkereien. Gerade die Pidinger Milchwerke seien seitdem in ganz Deutschland als "gute Marke" bekannt geworden, weil sie die höchsten Preise gezahlt haben.

Auch der zweite Milchlieferstopp - trotz vergleichsweise geringer Beteiligung - habe die Milch wieder überall zum "Top-Thema" gemacht. Tappertshofer äußerte Verständnis für die Bauern, die diesmal nicht mehr mitgemacht hätten, rief aber trotzdem zum Durchhalten auf: "Wenn du ein Minus hast und es liegen Rechnungen da - ich habe Verständnis für die schwache Beteiligung. Aber so können wir den Krieg nicht gewinnen - und das ist Krieg!" Denn neun von zehn Bauern müssten aufhören, wenn es so weitergehe. Als erster Redner hatte Anton Hörmann aus Obergünzburg im Landkreis Ostallgäu, Beiratsvorsitzender des "Milch Board", eine schlimme Zukunftsvision entwickelt, anhand des Beispiels von Genossenschaftskontrakten, wie es sie in Frankreich mehr und mehr gibt. In diesen Verträgen werden die Bauern laut Hörmann gezwungen, wenn sie ihre Milch weiterhin abliefern wollen, sich dazu zu verpflichten, alle Produkte, die über die Genossenschaft besorgt werden können, von ihr abzunehmen.

Diese Genossenschaften bieten laut Hörmann den Bauern finanzielle Unterstützung bei der Anschaffung höherwertiger Wirtschaftsgüter, entweder durch Kredite oder aber durch stille Beteiligungen. In Ostdeutschland gebe es mittlerweile schon eine Menge an Betrieben, in denen viel Molkerei-Kapital stecke. Dazu Hörmann: "Diese Bauern waren einst Kämpfer, jetzt sind sie mucksmäuschenstill." Traunsteins Kreisvorsitzender Sepp Hubert appellierte ebenfalls an die Bauern, weiter zu kämpfen, nicht aufzugeben: "Es geht nicht nur um den Milchpreis, es geht um den ganzen Bauernstand. Wir dürfen uns das nicht gefallen lassen."

edh

Rubriklistenbild: © dpa

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