Ein "Tabuthema" vielschichtig diskutiert 

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v.l.n.r. Hans-Michael Weisky Vorsitzender der BRK-Kreis-Wasserwacht, Maria Noichl, MdL, Lena Goudkamp Moderatorin, Georg Schmid, stellv. KJR-Vorsitzender und Dr. Michael Weigl, Jugendrichter in der Diskussion mit dem Publikum.

Traunstein - Zu einer vielschichtigen Diskussion kam es bei einer Veranstaltung des Kreisjugendrings zum Thema "Schutz von Kindern und Jugendlichen vor (sexueller) Gewalt".

Die Jugend-Schutz-Organisation veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring Traunstein, dem Jugendrotkreuzes und der BRK-Kreis-Wasserwacht eine Podiumsdiskussion zum Thema „Schutz von Kindern und Jugendlichen vor (sexueller) Gewalt“.

In einer kurzen Einführung zu dem Thema durch die stellvertretende Juso-Vorsitzende Laura Goudkamp, welche die Moderation der Veranstaltung übernahm, betonte diese die Wichtigkeit des Themas gerade für eine Jugendparteiorganisation sowie auch die besondere Verantwortung, ein so sensibles und aufgrund der Intimität oft totgeschwiegenes gesellschaftliches Problem in der Öffentlichkeit zu kommunizieren und damit Präventionsarbeit zu betreiben.

Als Diskussionsteilnehmer nahmen Vertreter aus allen gesellschaftlich betroffenen Bereichen teil. Maria Noichl, Landtagsabgeordnete der SPD war dabei kurzfristig für den erkrankten jugendpolitischen Sprecher der SPD, Dr. Linus Förster, eingesprungen und berichtete insbesondere aus ihren Erfahrungen im Umgang mit Missbrauchsopfern im Zuge ihrer Tätigkeit als Mitbegründerin und langjährige Vorstandsfrau im Frauen- und Mädchennotruf Rosenheim. Dabei betonte sie insbesondere die Wichtigkeit von Anlaufstellen für Vergewaltigungsopfer, um diese individuell zu betreuen und sie fernab von weiteren möglichen juristischen Schritten aufzufangen und Bezugspersonen anzubieten.

Ähnliche Erfahrungen machte Hans-Michael Weisky, Vorsitzender der BRK Wasserwacht Traunstein und stellvertretender Kreisvorsitzender des BRK: Er leitet eine Arbeitsgruppe im Bayerischen Jugendrotkreuz zu dieser Thematik und steht als Vertrauensperson für eine Notfallnummer innerhalb des BRK zur Verfügung. „Da kam es schon mal vor, dass man auf einer Feier war, einen Anruf bekam und dann in kürzester Zeit eine seelisch sehr labile Person individuell und so einfühlsam wie möglich betreuen musste. Trotz einer entsprechenden Schulung ist das eine nicht immer leichte Aufgabe“.

Für den Kreisjugendring Traunstein referierte deren stellvertretender Kreisvorsitzender Georg Schmid über die Schulung von Vereinen und deren Ehrenamtlichen bezüglich des Umgangs mit sexuellem Missbrauch. Dabei präsentierte er auch die von der Sportjugend erstellte sehr informative Broschüre zu diesem Thema, welche altersgemäß und jeweils geschlechterspezifisch einen Hilfeleitfaden mit Ansprechpartnern sowie weitere Informationen bietet. „Kinder können darin viel zum Thema Grenzüberschreitung, zum Thema „Nein sagen“ sowie im Fall der Fälle Kontaktnummern von Hilfsorganisationen finden.“

Als weiterer Referent nahm für die Justiz Jugendrichter Dr. Michael Weigl vom Amtsgericht Traunstein an der Veranstaltung teil. Er schilderte insbesondere die Probleme in der Strafverfolgung, da die Opfer meist Jahre nach der Tat und dabei häufig erst bei Verlassen des Elternhauses Anzeige erstatten würden und somit die Beweisfindung sehr problematisch sei. „ Die Zahl derer, welche aufgrund einer Sexualstraftat letztendlich verurteilt werden können, liegt leider nur um 1%, auch weil viele beispielsweise davor zurückschrecken, bei Delikten in der Familie ihre eigenen Verwandten anzuzeigen, so dass die Justiz nur mit einem Bruchteil aller Fälle befasst wird.“

Im Laufe der vielschichtigen Diskussion wurden dabei auch die gesellschaftlichen Probleme im Bezug auf das Bild der Frau als Objekt in Pornografie oder auch Ressentiments, öffentlich über das Thema sexuelle Gewalt zu sprechen und dieses totzuschweigen oder lieber wegzuschauen, diskutiert.

Am Ende der Veranstaltung befanden alle Teilnehmer, dass auch insbesondere durch den Kreisjugendring viel zur Präventionsarbeit beigetragen wird, Anlaufstellen für Missbrauchsopfer gut vorhanden sind, jedoch ein großes Kommunikationsproblem über das Thema herrsche. So forderte Maria Noichl: „Präventionsarbeit muss insbesondere dort stattfinden, wo man alle Kinder und Jugendliche erreichen kann und das ist in der Schule. Dass in den Lehrplänen der Schulen jährlich zwei Feueralarmübungen, aber keine Stunde zur Prävention von Kindern vor sexueller Gewalt vorgesehen ist, muss dringend geändert werden.“

Die Teilnehmer an der Veranstaltung konnten sich im Anschluss an einem Infostand des weiteren noch anhand von Broschüren über die Präventionsarbeit der verschiedenen Jugendverbände, denen die Möglichkeit geboten wurde sich zu präsentieren, informieren.

Pressemitteilung Hans-Michael Weisky

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