Moor-Erlebnis-Pfad wurde eröffnet

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Durch Gucklöcher kann man Tiere erspähen wie das Mammut, ein Wollnashorn oder einen Höhlenbär (Bild links). Das Maskottchen des Erlebnisweges ist ein fürs Moor typischer Schmetterling, der "Hochmoorgelbling". Er begleitet von Station zu Station und begrüßt als übergroße Holzfigur die Wanderer gleich zu Beginn des Pfades.

Inzell - Es hat lange gedauert, bis der Moor-Erlebnis-Pfad in Inzell Wirklichkeit geworden ist. Doch am Mittwoch war es endlich soweit: Der Naturwanderweg wurde eröffnet.

"Die erste Idee gab es schon vor zehn Jahren", verriet Gerhard Steinbacher, Geschäftsführer der Tourist Information, bei der Einweihung des Weges am Mittwoch.

Der neue Moor-Erlebnis-Pfad ist mehr als ein gewöhnlicher Wanderweg. Er führt über eine Länge von 5,3 Kilometern durch die Inzeller Filzen, eine der letzten großen Moorlandschaften der Chiemgauer Alpen. Unterteilt in die "Zeitreise" und die "Moorexpedition" können Spaziergänger anhand von 27 Schautafeln nicht nur viel über ein Moor lernen, sie können es hautnah erleben.

Der Erlebnispfad passe hervorragend in das touristische Konzept der Gemeinde, das auf authentische Naturerlebnisse setzt, freute sich Bürgermeister Martin Hobmaier. Gemeinsam mit Vize-Landrat Georg Klausner, Steinbacher, Markus Popp vom Landwirtschaftsamt in Töging und Projektleiter Gerhard Stark durchschnitt er das Eröffnungsband und gab den Weg offiziell frei.

"Die Liebe zu unserer Natur und zu unserer Heimat hat uns in Inzell schon immer zu neuen Projekten inspiriert", sagte Hobmaier in seiner kurzen Ansprache. Weil aber Liebe alleine nicht reiche, um Projekte auch umzusetzen, dankte er allen Beteiligten, vom Landratsamt über den Bauhof bis hin zu den Grundstückseigentümern, die alle völlig unproblematisch ihre Zustimmung zum Erlebnispfad gegeben hätten. Des Bürgermeisters besonderer Dank ging an die Vertreter des EU-"Leader"- Förderprogramms, allen voran Popp vom Landwirtschaftsamt in Töging am Inn. Die Behörde ist zuständig für den östlichen Teil von Oberbayern und somit auch für die fünf Gemeinden im Landkreis Traunstein. Neben Inzell gehören noch Siegsdorf, Ruhpolding, Reit im Winkl und Bergen dazu. Das Förderprogramm konzentriere sich auf nachhaltige Projekt im ländlichen Raum, wie Popp den Gästen erklärte. Rund 650.000 Euro seien bereits in die Region geflossen, davon allein etwa 90000 in den neuen Moor-Erlebnis- Pfad. Das weiß nicht nur Inzells Bürgermeister, sondern auch der stellvertretende Landrat Georg Klausner zu schätzen. Der Chiemgau gehöre zu den moorreichsten Landschaften in Bayern und die gälte es zu schützen. Deswegen lobte Klausner das besondere Engagement, das die Gemeinde seit Jahren in entsprechende Renaturierungsmaßnahmen stecke.

Insgesamt hat der Erlebnispfad rund 180.000 Euro gekostet. Ohne das EU-Förderprogramm wäre die Realisierung des Projektes nicht möglich gewesen, hoben Tourismuschef und Bürgermeister gleichermaßen hervor.

Nach der Segnung des Weges durch den evangelischen Pfarrer Thomas Schmeckenbecher ging es für die Festgesellschaft über den Haupteingang beim Gasthof "Schwarzbach" auf ins Moor. Ein Nebeneingang des Erlebnispfades befindet sich bei der Kritischen Akademie. Mit der "Zeitreise" beginnt der nördliche Teil des Rundweges, ausgefräste Silhouetten schicken die Besucher zurück ins Jahr 10.000 vor Christus und die Geburtsstunde der Inzeller Filze. Durch ein Guckloch kann man Tiere aus dieser Zeit wie das Mammut, ein Wollnashorn oder einen Höhlenbär erspähen.

Dieser Schlüssellocheffekt kommt auch bei der Pflanzenpräsentation auf der "Pfeifengraswiese" zum Einsatz. Eine Klapptafelstation enthüllt berühmte Moorfunde vom historischen Pollen bis zur Moorleiche. Bei der Kritischen Akademie geht die "Zeitreise" in die "Moor-Erlebnisexpedition" über. Hier erfährt man, wie das geheime Torfmoos arbeitet und was ein Moorauge ist. Mit Drehwürfeln, Bildklappen und Suchaufträgen können Kinder und Erwachsene die Schmetterlingsvielfalt, Tiere und Insekten entdecken. Ein "Moorbodenexperiment" zeigt, wie viel Wasser der Boden aufnimmt. Höhepunkt der Expeditionstour sind ein kleiner Torfstich zum Selberstechen, eine Aussichtsplattform und ein "Landart-Spielplatz", auf dem sich Kreative mit vergänglichen Naturmaterialien austoben dürfen.

Die Benutzung des Pfades ist kostenfrei und dank einer neuen Kiesauflage bestens für Rollstühle und Buggys geeignet. Für die Begehung sollte man je nach Gehtempo eineinhalb bis zwei Stunden einplanen.

thk/Chiemgau-Zeitung

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