Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Fortsetzung im Prozess zur Mühldorfer Geiselnahme

„Für mich hat er unzusammenhängendes Zeug geredet“ – Polizist schildert die Geiselnahme im Detail

Geiselnehmer aus Mühldorf vor dem Landgericht in Traunstein
+
Prozessbeginn um Unterbringung des Mühldorfer Geiselnehmers

Traunstein/Mühldorf - Nach der bewaffneten Geiselnahme Ende 2021 in einer Spielothek in Mühldorf muss sich der Angreifer aktuell vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Zahlreiche Aussagen belasteten den Mann am ersten Prozesstag schwer. Weitere Zeugen sollen nun aber eine andere Sicht schildern.

Am Donnerstagnachmittag setzt der Vorsitzende der 5. Strafkammer, Volker Ziegler, die Verhandlung des Schwurgerichts gegen den 35-jährigen Mann weiter fort. Es geht auch weiterhin um die Frage, ob der Beschuldigte für seine Tat im November 2021 in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden soll. Die Antragsschrift der Staatsanwaltschaft – vertreten durch Markus Andrä – legt zum Tatzeitpunkt der Geiselnahme in einer Mühldorfer Spielothek eine paranoide Schizophrenie beim Beschuldigten zugrunde. Bereits geraume Zeit vor der Tat fühlte er sich von Polizei und Behörden gezielt in „den Fokus“ genommen.

Ein weiterer Polizist schildert die Geiselnahme im November 2021

Die Verhandlung beginnt mit der Vernehmung eines weiteren Zeugen: Der Polizist aus Mühldorf war beim Einsatz in der Spielothek vor Ort. Nach der Alarmierung über einen bewaffneten Mann im Stadtgebiet habe man sich zunächst zum Bahnhof begeben. Zwei Jugendliche hätten dort gemeldet, dass sich eine verdächtige Person im Bereich des Kinos befinde. „Per Funk kam dann die Meldung, dass die Kollegen eine Person mit einem Messer in die Spielhalle haben gehen sehen“ so der Beamte. Zu Viert, mit einem Taser und Körperschutz, sei man dann in den Bereich der Spielothek vorgerückt.

„Er hat sie im linken Arm von hinten umschlungen. (...) Das Messer hat er in der rechten Hand gehalten, mit der Klinge nach außen“, so der Polizist weiter. In diesem Moment sei den Beamten klar geworden, dass es sich um eine Geiselnahme handelte. Mit den Beamten vor Ort wollte der Mann nicht sprechen; er habe das SEK aus München gefordert. „So unlogisch diese Forderung mir damals vorkam, umso klarer wurde diese Forderung gestellt“.

„Für mich hat er absolut unzusammenhängendes Zeug geredet.“

„Während der Diskussion näherte sich ein Unbeteiligter von hinten“, der Polizist habe noch versucht nonverbal Kontakt aufzunehmen und ein Eingreifen des Mannes zu verhindern. Doch ohne Erfolg: Der Mann packte zu, erlitt dabei im Gerangel einen Messerstich im Bauch. Einen gezielten Messerstich habe er nicht wahrnehmen können, es sei eher eine Art unkontrollierte Reaktion seitens des Geiselnehmers gewesen. Der Einsatz des Tasers sei zu keiner Zeit in Frage gekommen.

Im Anschluss macht ein weiterer Polizist Angaben. Auch dieser Beamte schildert die Vorgänge in der Spielothek ähnlich detailliert wie sein Kollege zuvor. Und auch was den genauen Ablauf des Einsatzes angeht, ergeben sich keine Widersprüche zur Aussage seines Vorredners. „Für mich hat er absolut unzusammenhängendes Zeug geredet. Darunter auch, dass er jetzt sterben muss, weil wir unsere Arbeit nicht richtig machen“, so der Zeuge auf Nachfrage der Kammer, was nach der Festnahme passiert sei.

Prozess wird unterbrochen - Entscheidung voraussichtlich am 6. Oktober

Als dritter und letzter Zeuge am Donnerstag erscheint ein Beamter der Spurensicherung. Der Polizist wurde auf ausdrücklichen Wunsch des Beschuldigten vor Gericht geladen. Der Zeuge beschreibt der Kammer, in welchem Bereich der Spielothek Blut festzustellen war. Nur im Bereich des Tresens und im Vorraum seien entsprechende Spuren gesichert worden, erwidert der Polizist. Fragen richtet der Beschuldigte im Anschluss an die Ausführungen dann aber nicht an den Zeugen.

Daraufhin unterbricht das Gericht die Sitzung. Die Verhandlung wird am kommenden Donnerstag, 15. September, offiziell fortgesetzt. Am 6. Oktober soll dann schließlich noch ein medizinisch-psychologischer Gutachter gehört werden. An diesem Tag sollen dann aller Voraussicht nach die Schlussanträge folgen. Auch die Entscheidung, ob der Beschuldigte in eine Fachklinik eingewiesen werden soll, könnte bereits an diesem Verhandlungstermin fallen.

***chiemgau24.de berichtet auch dann wieder live und in Ausschnitten aus der Verhandlung***

Vorbericht

Am Donnerstag beschäftigt sich die 5. Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Volker Ziegler erneut mit der Frage nach einer Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. Auf der Anklagebank sitzt ein 35-jähriger Mühldorfer, der sich im November 2021 mit einem Messer bewaffnet in eine örtliche Spielhalle begeben hatte. Dort hatte der Mann anschließend eine Servicekraft als Geisel genommen. Nur durch das beherzte Eingreifen eines anderen Spielers aus Waldkraiburg konnte schließlich Schlimmeres verhindert werden, denn: Der Mann hatte in einem kurzen Moment der Unachtsamkeit des Geiselnehmers kurzerhand zugepackt und versucht, dem Mühldorfer das Messer zu entreißen. Im Rahmen des entstandenen Handgemenges wurde der Waldkraiburger allerdings durch einen Stich im Bauchraum verletzt - nur durch Glück kam der Retter mit dem Leben davon.

Frage nach der Zurechnungsfähigkeit - Unterbringung in einer Fachklinik gefordert

Bereits am ersten Verhandlungstag machte der Beschuldigte umfangreiche Angaben vor Gericht: Er habe sich an dem beschriebenen November-Nachmittag „mit ein paar Bier und einem Küchenmesser in der Tasche“ nach draußen begeben. Zunächst sei er dabei ziellos herumgelaufen. Bereits vor dem Betreten der Spielhalle seien dann plötzlich zwei Polizeibeamte mit auf ihn gerichteten Taschenlampen aufgetaucht. Diese Tatsache habe den Mühldorfer dazu veranlasst, sich in der Spielothek zu verschanzen. Schon während seiner Einlassung berichtete der laut Antragsschrift der Staatsanwaltschaft an einer paranoiden Schizophrenie erkrankte Mann dabei immer wieder von einem sogenannten „Fokus“: Er gehe davon aus, dass sowohl Polizei und Behörden, aber auch Passanten sowie beispielsweise Radiosender es ganz gezielt auf ihn abgesehen hätten.

Neben dem Beschuldigten selbst machten bereits am ersten Verhandlungstag zahlreiche Zeugen Angaben vor Gericht. Unter Tränen berichtete etwa die Servicekraft von den Vorkommnissen. Seit dem Vorfall leidet die junge Frau und einer schweren post-traumatischen Belastungsstörung (kurz: PTBS) Auch der Waldkraiburger schilderte die Geiselnahme aus eigener Sicht - beteiligte Polizeibeamte gaben die Vorgänge in und vor der Spielhalle zu Protokoll. Sogar Videoaufnahmen aus mehreren Überwachungskameras wurden vor Gericht als Beweismittel eingeführt.

Der vollständige Liveticker zum ersten Verhandlungstag

Am Donnerstag - mit Beginn ab 13 Uhr - sollen nun weitere Zeugen vor dem Schwurgericht aussagen. Am ersten Verhandlungstag hatte der Beschuldigte auf deren Erscheinen bestanden; von ihnen erhoffe er sich Ausführungen, die seine Motivation und auch die Hintergründe beleuchten sollen. Der medizinisch-psychologische Sachverständige wird schließlich am dritten Verhandlungstag erwartet. Dann könnte auch bereits über die Unterbringung entschieden werden.

+++ innsalzach24.de berichtet am Donnerstag ab 13 Uhr live und in Ausschnitten von der Verhandlung. +++

Kommentare