"Namen statt Nummern" eröffnet

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Diakon Klaus Schultz von der evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte in Dachau beim Eröffnungsvortrag.

Traunstein - Die internationale Wanderausstellung "Namen statt Nummern" wurde in der "Alten Wache" im Traunsteiner Rathaus eröffnet.

Sie zeigt eine Auswahl von 22 Biografien des Dachauer Gedächtnis-Projekts, in dem über Menschen berichtet wird, die unter der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Dachau eingesperrt wurden. Die Ausstellung wurde bisher in 60 europäischen Städten gezeigt und von rund 60000 Menschen besucht.

"Die Ausstellung will den Überlebenden, deren Stimme immer leiser wird, weiterhin eine Stimme und ein Gesicht geben, damit ihre Geschichte und ihre Botschaften weiterleben", sagte Diakon Klaus Schultz von der evangelischen Versöhnungskriche in der KZ-Denkstätte in Dachau am Freitagabend zur Eröffnung.

Der Vorsitzende des evangelischen Bildungswerks, Pfarrer André Urbanczyk, wies in seiner Begrüßung hin, dass in der Zeit der Nazi-Herrschaft die Kirchen Schuld auf sich geladen hätten. "Nur wenige sind aufgestanden." Pfarrer Sebastian Stahl ergänzte in seinem Grußwort für die evangelische Kirchengemeinde, dass dies "eine sehr wichtige und bewegende Ausstellung sei". Es gehe um Menschen, ihre Namen und ihr persönliches Schicksal. Er schilderte, wie er selbst als Fünfjähriger seiner Großmutter erstmals die Frage gestellt habe: "Ein KZ - was ist das?" Dann der erste Besuch im Konzentrationslager in Dachau und die Frage einer Passantin, ob man das denn immer noch "breittreten" müsse. Stahl: "Ich bin der Überzeugung, wir sollen nicht nur, wir müssen."

Er freue sich, dass viele Menschen zu einem gesunden Verhältnis zu ihrem Land gefunden hätten. Davon zeugten unter anderem die Deutschlandfahnen zu Zeiten der Fußball Weltmeisterschaft. Gleichzeitig seien aber auch "Nationalismus, Antisemitismus und Hassparolen gegen andere Ethnien wieder chic geworden." Er wünsche sich, dass viele Menschen die Geschichten hören, die die Ausstellung zu erzählen habe. "Denn was damals passierte an den Orten, an denen die Züge endeten, das darf sich niemals mehr wiederholen."

Oberbürgermeister Manfred Kösterke wies darauf hin, dass sich die Aufklärungsarbeit über den Nationalsozialismus nicht auf Gedenktage beschränken dürfe, sondern kontinuierlich nötig sei. "Die Ausstellung dokumentiert, dass wir uns ausdrücklich zu unserer ganzen Geschichte bekennen. Auch die schrecklichen Jahre von 1933 bis 1945 gehören dazu." Man habe die Pflicht, diese "Last der Geschichte" anzunehmen und daran zu erinnern. Für ihn gehe es hier nicht um eine persönliche Schuldfrage oder das Aufbürden einer "Volksschuld". "Aber wir sind es den Menschen schuldig, dass solche menschenverachtenden Regieme und menschenunwürdiges Fehlverhalten nie wieder passiert."

Das Schicksal der in der Reichspogromnacht vor 62 Jahren aus Traunstein vertriebenen jüdischen Familie Holzer, an die seit dem vergangenen Jahr ein Gedenkstein in der Nähe des ehemaligen Wohnhauses der Familie erinnert, mache deutlich, dass es bei dem Erinnern immer auch um persönliche Schicksale gehe: "Das waren Menschen wie du und ich", sagte das Stadtoberhaupt.

Diakon Schultz führte mit den Worten des Ausstellungs-Schirmherren Max Mannheimer aus: "Ihr seid nicht dafür verantwortlich was damals geschah, aber ihr seit verantwortlich für das, was heute geschieht." Verschiedene Organisationen hätten sich 1999 zu dem Projekt "Gedächtnisbuch" zusammengefunden, in der die Erinnerung an die von den Nazis verfolgten Menschen aufrecht erhalten werden solle.

130 Lebensbilder seien in der Ausstellung entstanden, wovon eine Auswahl in Traunstein gezeigt wird. Er wies darauf hin, dass das Archiv der Gedenkstätte auch 18 Männer führe, die von Traunstein in das KZ Dachau verschleppt wurden, fünf davon wurden in Traunstein geboren. In den Jahren 1942/ 1943 habe es in Traunstein ein Außenlager des KZ Dachau gegeben, in Trostberg gab es ein KZ vom November 1944 bis zum April 1945. "Wir verstehen die Ausstellung auch als Anstoß, danach zu fragen, was in dieser Zeit in der Stadt geschehen ist, in der die Ausstellung gezeigt wird."

wz/Chiemgau-Zeitung

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