Neuer Kirchenweg besteht ersten Probelauf

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Traunstein - In zwei Stunden Kirchengeschichte: In Traunstein werden ab Mai Stadtführungen zu Kirchen und Kapellen angeboten.

In zwei Stunden die Kirchengeschichte und das kirchliche Leben der Stadt Traunstein kennenzulernen – das macht eine neue Stadtführung möglich, die von der Stadt Traunstein zusammen mit den Kirchen konzipiert wurde. Beteiligt waren die Stadtkirche Traunstein und die evangelische Kirchengemeinde. Bei einem Probelauf auf dem Traunsteiner Kirchenweg konnten sich Vertreter der Stadt und der Pfarreien schon einmal von dem neuen Angebot überzeugen. „Sehr interessant und informativ“, lautete das Fazit der rund 30 Teilnehmer, darunter Stadtpfarrer Sebastian Heindl, Traunsteins evangelischer Pfarrer Sebastian Stahl und Oberbürgermeister Manfred Kösterke.

„Mit dem Kirchenweg verwirklichen wir ein ökumenische Projekt, das das gute Miteinander von Stadt und Kirchen zum Ausdruck bringt“, freute sich das Stadtoberhaupt. Für den Traunsteiner Kirchenweg wurden sechs Stationen im Stadtzentrum ausgewählt, die problemlos zu Fuß zu erreichen sind. Die Erläuterungen geben abwechselnd eine Stadtführerin der Tourist-Information und Vertreter der Traunsteiner Pfarreien.

Ausgangspunkt ist die Salinenkapelle in der Au, die mit ihrer außergewöhnlichen Architektur zu den kunsthistorisch bedeutendsten Sakralbauten im Chiemgau gehört. In den Jahren 1630/1631 als Gotteshaus für die Salinenarbeiter errichtet, wurde der Bau erst 40 Jahre nach Fertigstellung dem Salzheiligen Rupert und dem Namenspatron seines Stifters, Herzog Maximilian, geweiht.

Alles Wissenswerte über die Architektur und die Innenausstattung erfuhren die Teilnehmer des Probelaufs vom Kirchenmusiker der Pfarrei St. Oswald, Manfred Müller, der unter anderem auch auf die Bedeutung der Orgel hinwies, die vor einigen Jahren durch den Einsatz der Traunsteiner Orgelfreunde restauriert werden konnte. Da auch außerhalb des Stadtzentrums sehenswerte Gotteshäuser stehen, die jedoch nicht auf dem Kirchenweg liegen, hat Stadtarchivar Franz Haselbeck einen Vortrag über die Traunsteiner Kirchengeschichte erstellt.

Die mit Bildern illustrierte Präsentation wird im Rahmen eines 20-minütigen Zwischenstopps im Rathaus gezeigt. Hier erfährt man, dass Traunstein bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zur Pfarrei Haslach gehörte und die Traunsteiner Bürger auf dem Haslacher Friedhof über Jahrhunderte ihre letzte Ruhe fanden, wovon heute noch die prächtigen Grabsteine und Epitaphe zeugen. Eine Sonderstellung unter den Traunsteiner Kirchen nimmt die 1452 zu Ehren Johannes des Täufers erbaute Kirche in Kammer ein, die bis ins 19. Jahrhundert kirchenrechtlich zu Salzburg gehörte. Seit der Eingemeindung von Kammer ist die dortige Pfarrkirche das älteste, noch weitgehend im Originalzustand erhaltene Kirchengebäude im Stadtgebiet.

Der Vortrag des Stadtarchivars spannt einen Bogen von den Pfarrkirchen in Haslach und Kammer über das Sparzer Kircherl, das Ettendorfer Kircherl und das Studienseminar St. Michael bis zur Pfarrkirche Heilig Kreuz, die eine architektonische Besonderheit darstellt. Als 1950 eine eigene Pfarrei für die Stadtteile im Norden von Traunstein gegründet wurde, wählte man als kirchlichen Mittelpunkt eine interessante, aber auch umstrittene Lösung: In Oberammergau erwarb die Pfarrei einen Rundbau, der während der Passionsspiele als Ausstellungshalle für sakrale Kunst gedient hatte. Heute gilt die Kirche von Heilige Kreuz wegen ihrer außergewöhnlichen Form als ein Musterbeispiel für modernen Kirchenbau im südbayerischen Raum. Vom Rathaus führt der Kirchenweg weiter zur Klosterkirche. Hier versahen früher Kapuzinermönche ihr Gebet, die 1685 ein Kloster in Traunstein gründeten, um der Spielsucht und den Liebschaften des örtlichen Geistlichkeit Einhalt zu gebieten. Das Kloster wurde 1805 im Zuge der Säkularisation aufgelöst.

Später erwarb der Magistrat die Gebäude und richtete darin eine Mädchenschule und ein Kinderheim unter Leitung der Englischen Fräulein ein. Heute dient das Gebäude unter dem Namen „Kunstraum Klosterkirche“ als Konzertsaal und Ausstellungsraum der ARTS-Kulturfördervereinigung. Nächste Station auf dem Kirchenweg ist die Kirche St. Georg und Katharina im Stadtpark. Von 1638 bis zur Einweihung des Waldfriedhofs 1908 wurden hier die Toten der Stadt begraben. Interessant ist die Ausstattung der Kirche mit einem klassizistischen Hochaltar und einer bekleideten Marienfigur, die den Stadtbrand von 1704 unbeschadet überstanden hat.

Im Umgriff der Kirche erinnern Denkmäler an die Traunsteiner Kriegsgefallenen. Vom Stadtpark führt der Kirchenweg weiter zur evangelischen Auferstehungskirche. Dort wurden die Teilnehmer des Probelaufs von Traunsteins Alt-Oberbürgermeister Fritz Stahl erwartet, der es sich als langjähriges Mitglied des Kirchenvorstandes nicht nehmen ließ, persönlich über die Baugeschichte und Bedeutung der Auferstehungskirche zu informieren. Der Kirchenbau im neugotischen Stil wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert in einem damals neu entstehenden Villenviertel in Bahnhofsnähe errichtet. Nur um Haaresbreite entging die Auferstehungskirche im April 1945 der Zerstörung durch Fliegerbomben. Erwähnenswert sind vor allem das Fresko der Heiligen Dreifaltigkeit und die großen, farbigen Glasfenster.

Auf dem Rückweg ins Stadtzentrum macht der Kirchenweg Station in der Lourdeskapelle am Maxplatz. Vor der Umsetzung an ihren heutigen Standort stand die Kapelle an der Mauer des ehemaligen Kapuzinerklosters. Bei Gläubigen ist das kleine Gotteshaus sehr beliebt: Von vielen Menschen, die dem Stadtleben für einige Minuten entfliehen wollen, wird die Lourdeskapelle zum stillen Gebet aufgesucht. „Ich würde fast behaupten, hierher kommen an Wochentagen mehr Besucher als in alle anderen Kirchen und Kapellen in Traunstein“, sagte Stadtpfarrer Sebastian Heindl, der die Gruppe anschließend auch noch durch die Stadtpfarrkirche St. Oswald führte.

Die mächtige Pfarrkirche auf dem Traunsteiner Stadtplatz ist die letzte Station und zugleich Höhepunkt auf dem Kirchenweg: Trotz der Zerstörungen durch die Stadtbrände von 1704 und 1851 besitzt St. Oswald nach wie vor einen barocken Kirchturm, der sich weithin sichtbar über die Dächer der Stadt erhebt. Der prachtvolle, hochbarocke Innenraum mit Stuckarbeiten und Fresken des bekannten Traunsteiner Kirchenmalers Max Fürst gilt als einer der vorzüglichsten im ganzen Umkreis. Nicht zuletzt ist St. Oswald auch die Primizkirche von Papst Benedikt XVI., der hier am 8. Juli 1951 seine erste Heilige Messe nach der Priesterweihe zelebrierte. Bis zum Spätsommer bietet die Tourist-Information Traunstein in Zusammenarbeit mit den Kirchen an sieben Führungen auf dem Kirchenweg an. Führungen sind von Mai bis September jeweils am ersten Freitag des Monats von 14 bis 16.30 Uhr. Anmeldung und weitere Informationen bei der Tourist-Information Traunstein unter Telefon 0861/9869523.

Pressemeldung Stadt Traunstein

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