Kröten - Straßensperren nur für sie

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Traunstein/Berchtesgadener Land - Auf Bayerns Straßen sterben tausende Amphibien bei ihrem alljährlichen Wanderzug zum Laichgewässer, weil sie von Autos überfahren werden.

Die bayerischen Amphibienbestände schwinden beständig, obwohl allein im Jahr 2009 mehr als 700.000 Frösche, Kröten und Molche durch den zeitaufwändigen und oft riskanten Einsatz von ca. 6000 ehrenamtlichen Helfern des Bund Naturschutz vor dem Straßentod gerettet wurden.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann betont daher: "Der bessere und sichere Weg für Helfer und Tiere ist ganz klar der Bau von Amphibientunneln und festen Leitwänden". Solche Querungshilfen retten auch viele andere Kleintiere vor dem Straßentod. Nachdem das bayerische Kabinett 2008 eine „Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Bayern“ beschlossen hat, wurde nun vom Innenministerium ein „Amphibienschutzprogramm der bayerischen Straßenbauverwaltung 2010 – 2015“ aufgelegt. An den landesweit besonders wichtigen Amphibien-Querungsbereichen sollen in den nächsten Jahren Schutzsysteme nachgerüstet werden.

In dieses Amphibienschutzprogramm wurden im Landkreis Traunstein der Übergang an der Bundesstraße B 305 am Froschsee und ganz besonders die Wanderstrecke im Dreiseengebiet um den Weitsee aufgenommen. Dieser Straßenabschnitt der Bundesstraße B 305 am Weitsee wird alljährlich von geschätzten 20.000 Amphibien überquert – er gehört damit zum bedeutendsten Amphibienwanderweg Bayerns, wenn nicht sogar Deutschlands!

An der ca. 10 km langen Amphibienquerungsstrecke zwischen Seegatterl und Seehaus werden nun in der Laichwanderzeit (je nach Witterung vermutlich ab Mitte April) die querenden Frösche und Kröten auf der Straße gezählt. Mit diesem Ergebnis können dann gezielt Schutzvorkehrungen für Amphibien geplant werden. In der Hauptwanderzeit sind bis zu 25 Fachkräfte und Helfer in den Nachtstunden gleichzeitig auf der Straße im Zähleinsatz.

In einer Behördenbesprechung am 22. März 2010 waren sich das Staatliche Bauamt Traunstein, die Bürgermeister Pichler und Heigenhauser von Ruhpolding bzw. Reit im Winkl, die Vertreter von Polizei, Landratsamt, Forstbetrieb und Bund Naturschutz sowie das ausführende Planungsbüro ing Traunreut GmbH über die Tatsache einig, dass ein wirksamer Personenschutz bei der Zählaktion nur durch eine komplette Sperrung der Bundesstraße erreicht werden kann. Daher wurde die sofortige Errichtung von nicht umfahrbaren Vollschranken vereinbart. Diese werden nach Vorankündigungen und Beschilderung in den Frosch-Wandernächten für die Zählungen geschlossen. Die Schranken können später bei Bedarf z.B. bei Hochwasser oder auch bei Lawinenereignissen eingesetzt werden.

Inwieweit die Froschwanderungen künftig durch Sperrungen, durch Amphibientunnel oder durch Kombinationen von beidem am wirksamsten geschützt werden – das wird eine Machbarkeitsstudie zeigen, deren Ergebnisse bis Ende 2010 vorliegen werden.

Pressemitteilung Staatliches Bauamt Traunstein

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