CSU und SPD weisen massive Vorwürfe des Traunsteiner Tennisclubs an Ausschussentscheidung zurück

Harsche Kritik an Kreisausschuss

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Die TCT-Verantwortlichen sind der Meinung, dass die Einbeziehung ihres Vereinsgebäudes (im Bild rechts), die bessere, weil kostengünstigere Lösung gewesen wäre. Foto wittenzellner

Traunstein - Für die Neubau-Pläne des neuen Funktionsgebäudes auf dem Gelände des Traunsteiner ESV-Stadions erntete der Kreisausschuss harsche Kritik.

Harsche Kritik am Beschluss des Traunsteiner Kreisausschusses, das künftige neue Funktionsgebäude auf dem Gelände des Traunsteiner ESV-Stadions (der landkreiseigenen sogenannten Brunneranlage) zu errichten, ohne das Vereinsgebäude des Tennisclubs Traunstein (TCT) in die Maßnahme mit einzubeziehen beziehungsweise das TC-Gebäude als kostengünstigere Alternative zu sanieren und anschließend gemeinschaftlich zu nutzen, übte der inzwischen zurückgetretene Präsident des Clubs, Dr. Jens Leistikow, kurz vor den Weihnachtsfeiertagen.

Auf dem Gelände der Brunneranlage soll eine Leichtathletikbahn und ein Kunstrasenplatz errichtet werden, die Anlage sei insbesondere für den Traunsteiner Schulsport von enormer Bedeutung, wurde in der Vergangenheit sowohl im Kreisausschuss als auch im Traunsteiner Stadtrat mehrfach betont.

Gegen die nun im Kreisausschuss mit neun zu sechs Stimmen beschlossene Maßnahme des Landkreises, die den Abriss des bestehenden Gebäudes und einen entsprechenden Neubau für insgesamt rund 420000 Euro (330000 Euro zulasten des Landkreises, 90000 Euro Verein/Stadt Traunstein) vorsieht, wäre die Einbeziehung und Sanierung des auf städtischem Grund liegenden angrenzenden TC-Heims "ein Klacks gewesen", so der zurückgetretene Präsident. Die Sanierung des TC-Heimes müsse später doch vom Steuerzahler bezahlt werden, das positive Votum für die jetzt beschlossene Variante des Gebäudes sei "ein Schildbürgerstreich".

Dem Rücktritt des TC-Präsidenten schloss sich auch der langjährige Schatzmeister des Clubs, Csaba Szabo, an. Man wolle damit "ein Zeichen setzen", hieß es in einer Presseerklärung.

Zweiter Vorsitzender des Vereins, Alex Reitzenstein, der diesen nun bis zu den angekündigten Neuwahlen des Vereins im April 2013 führt, nannte die Entscheidung des Kreisausschusses in einer schriftlichen Aussendung des TCT "für uns intransparent und in keiner Weise nachvollziehbar." Den Kreisausschussmitgliedern werde attestiert, dass "das Geld locker sitzt", man fühle sich "total vor den Kopf gestoßen."

Die Ausschussmitglieder der CSU und SPD beziehungsweise deren Kreistagsfraktionen können die Aufregung der Tennisclub-Vorstandschaft in weiten Teilen nicht nachvollziehen und verweisen auf die Transparenz und Nachhaltigkeit bei der getroffenen Entscheidung, wogegen sich UW/FW-Ausschussmitglied Dr. Lothar Seissiger gefreut hätte, wenn "die Freien Wähler ausführlicher über die Gespräche mit dem Tennisclub informiert worden wären". Die Ausführungen im Kreisausschuss bezüglich der Tauglichkeit des Tennisclub-Gebäudes seien ihm "zu spärlich" gewesen. Die Freien Wähler stimmten in der Ausschusssitzung gegen einen Neubau des Funktionsgebäudes "aufgrund der enormen Kosten", wie Dr. Seissiger ausführt. Den Neubau halte man für den Nutzungszweck "überdimensioniert" , da die Schulen das Gebäude lediglich zum Umkleiden und eventuell zum Duschen im Rahmen des Sportunterrichtes nutzen würden. "Im Rahmen der angespannten Kreisfinanzen hätten wir für eine kostengünstigere Lösung plädiert" so der Fraktionsvorsitzende der UW/ FW.

Karl-Ludwig Kaditzky, Fraktionsvorsitzender der CSU-Kreistagsfraktion und Ausschussmitglied, betonte, dass man von Seiten der CSU, die "äußerst polemisch geführte Diskussion" versachlichen wolle. Für ihn und die CSU-Kreistagsfraktion sei die angebotene Mitbenutzung des Tennisheimes neben den relativ hohen Investitionskosten für eine schulsport- und behindertengerechte Sanierung "besonders deswegen nicht zukunftsweisend, weil es im Hochwassergebiet der Traun liegt". Hier sei wie bisher mit laufenden Hochwasserschäden zu rechnen. Das CSU-Fazit sei deshalb eindeutig: der Landkreis schaffe mit der geplanten Maßnahme für die Schüler aller seiner Schulen in der Stadt Traunstein schulsportfachlich notwendige und sichere Leichtathletikanlagen.

Wenig Verständnis für die Kritik des Tennisclubs zeigt auch SPD-Fraktionsvorsitzende Waltraud Wiesholer-Niederlöhner: Der Kreisausschuss habe eine vierseitige Gegenüberstellung von Alternativen für eine WC-Anlage und für Lagerräume für die Schulsportanlage auf dem ehemaligen ESV-Gelände erhalten und sich "nach sehr eingehenden Beratungen" mit den Stimmen von CSU und SPD "für eine langfristig sinnvolle Lösung für unsere Schulen ausgesprochen". Gemäß der Ausführungen hätte eine alternative Sanierung in einer minimalen Lösung 25000 Euro gekostet. Eine ordentliche WC-Anlage nach heutigem Standard zwischen 75000 Euro und 100000 Euro, wobei diese nicht behindertengerecht gewesen wäre. "Dies wäre für uns nicht in Ordnung", betonte die Kreisrätin, die zugleich Traunsteins Dritte Bürgermeisterin ist. Weitere Kosten wären im Falle der gewählten TC-Lösung durch zusätzlich benötigte Garagen für Lagerzwecke auf dem ESV-Gelände entstanden.

Auch Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke machte deutlich, dass er voll hinter dem Beschluss des Kreisausschusses stehe: "Die Version ist teurer, aber nachhaltiger. Die Entscheidung ist nachvollziehbar." Das Angebot des TC bezeichnete er von der Kostenseite her als "verlockend". Wenn man aber die räumliche Situation der Umkleiden, Duschen und Toiletten im Detail ansehe, sei es dies bei Weitem nicht mehr. Gerade auch das Thema des fehlenden Behinderten-WC sei hier ein wichtiger Aspekt.

Die Situation bei einem möglichen Hochwasser sei für das Gebäude des Tennisclubs alles andere als unproblematisch. Im Falle eines Hochwassers laufe das Wasser oben in das Gebäude und drücke gleichzeitig von unten herein, so Kösterke. Die Mitglieder des Kreisausschusses seien über diesen problematischen Sachverhalt unterrichtet gewesen.

Christoph Kraller, Erster Vorsitzender des Sportbunds Chiemgau, sagte der Chiemgau-Zeitung, dass er es "überaus bedauerlich" fände, wenn die Entscheidung des Kreisausschusses einer späteren Fusion des TCT mit dem SBC TS entgegenstehe oder dieser die Grundlage entzöge. Der TCT hatte in seiner Presseerklärung darauf verwiesen, "dass es nun auch keinen sinnvollen Grund mehr gibt, mit dem SB Chiemgau Traunstein zu fusionieren oder irgendwie zu kooperieren". "Ich bin nach wie vor an einer Fusion interessiert und falls diese nicht möglich ist, zumindest an einer intensiven Zusammenarbeit", sagte Kraller.

Von Seiten der Pressestelle des Landratsamts hieß es zu dem Sachverhalt, dass Landrat Hermann Steinmaßl in einer der kommenden Sitzungen des Kreisausschusses nochmals ausführlich Stellung nehmen werde, sofern das Thema dort nochmals angesprochen werde. Dazu dürfte es sicher in der ersten Sitzung des neuen Jahres in rund drei Wochen Gelegenheit geben.

wz/Chiemgau-Zeitung

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