Machtkampf: Nikolaus vs. Weihnachtsmann

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Georg Schießl (links) und Anton Namberger (Zweiter von links) mit seinen Angestellten in seinem EDEKA-Geschäft.

Traunstein - Seit Jahren tobt in Bayern ein Kampf: Nikolaus kontra Weihnachtsmann. Auch im Süßigkeiten-Regal gibt es Neues: Neben Schoko-Weihnachtsmännern stehen jetzt auch Nikoläuse.

Lesen Sie hier den Bericht der Chiemgau-Zeitung vom Freitag:

Nikolaus kontra Weihnachtsmann

Während der heilige Nikolaus im katholischen Altbayern heimisch ist, ist der Weihnachtsmann ein „Zuagroaster“ aus dem protestantischen Norddeutschland.

Nun hat es Georg Schießl, Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Vereins „Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau“, erreicht, dass es in Traunstein Schokoladen-Nikoläuse gibt.

Dass sich unter dieser erdrückenden "Übermacht" der Weihnachtsmann mehr und mehr durchgesetzt hat, erfährt der Einheimische, wenn er einen Schokoladen-Nikolaus kaufen möchte. Statt des ehrwürdigen Nikolaus mit Mitra und Bischofsstab, der an den Bischof von Myra erinnert, stehen überall Weihnachtsmänner mit Zipfelhauben, Schmerbauch und roten Wangen in den Regalen. Die christlichen Werte, für die der Nikolaus steht, wie Güte, Nächstenliebe, Solidarität, Teilen und Schenken, sind mit dem "Ho, Ho, Ho"-plärrenden Weihnachtsmann gänzlich untergegangen.

"Den heiligen Nikolaus gibt es praktisch nicht mehr", klagt Georg Schießl, Gründungsmitglied und Ehrenhauptmann der Gebirgsschützenkompanie Traunstein sowie Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Vereins "Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau". Allein eine Fabrik im Württembergischen habe heuer 50 Millionen Weihnachtsmänner produziert und keinen einzigen Nikolaus. Im benachbarten Österreich werden Schokoladen-Nikoläuse noch zum Kauf angeboten. "Für uns Altbayern ist dies ein nicht hinnehmbarer Zustand. Denn seit vielen Jahrhunderten wird er bei uns als Heiliger verehrt, der den Kindern am 5. Dezember Geschenke bringt. Dieser uralte Brauch wird nunmehr durch eine erfundene 'Witzfigur Weihnachtsmann' verfälscht, die erst durch die Coca-Cola-Reklame zu uns nach Europa gelangt ist."

Seine diesbezüglichen Beschwerdebriefe und Aufklärungsschreiben an die Lebensmittelkonzerne brachten keine Abhilfe. "Bei den Konzernen Aldi, Lidl und anderen mischen sich in dieser Sache Arroganz, Unwissenheit und Intoleranz. Die Schreiben wurden nicht einmal beantwortet", kritisiert Schießl. Jetzt hat er aber erreicht, dass das Edeka-Geschäft Pfeilstätter&Namberger Nikoläuse in verschiedener Auswahl in ihren fünf Geschäften im Landkreis Traunstein anbietet. Bekommen hat Miteigentümer Anton Namberger sie von einem Hersteller in Österreich. "Vielleicht verhilft dies zum Durchbruch", hofft Schießl. Durch ihr Kaufverhalten könnten sie dazu beitragen, bairisches Kulturgut zu pflegen.

Schießls Ziel ist es, dass im kommenden Jahr in Zusammenarbeit mit dem Oberbür-germeister Manfred Kösterke und Landrat Hermann Steinmaßl in Stadt und Landkreis der Nikolaus in allen Lebensmittelgeschäften angeboten wird. Weiter will er "politische Schwergewichte" einschalten, um auf die Konzerne entsprechend Druck auszuüben. "Letztendlich soll der heilige Nikolaus in ganz Bayern wieder in den Regalen stehen", meint Schießl. "Vielleicht bekommen wir in Bayern nach den genfreien Zonen bald auch 'weihnachtsmannfreie Zonen'." Das wäre für viele wohl das schönste Geschenk zum Nikolaustag.

bjr/Chiemgau-Zeitung

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