Gemeinde startete Unterschriften-Aktion gegen Kraftwerk

Bürgermeister stolz: „Klares Zeichen, dass die Nußdorfer Geothermie nicht wollen“

Nußdorfs Bürgermeister Toni Wimmer
+
Nußdorfs Bürgermeister Toni Wimmer sieht die Unterschriftenaktion gegen das geplante Geothermie-Kraftwerk bei Litzlwalchen als Erfolg.

Geothermie-Projekte sind privilegiert, offiziell verhindern können sie die Kommunen nicht - in Nußdorf mobilisierte man deshalb die Bevölkerung und ließ Unterschriften sammeln. Bürgermeister Wimmer zieht ein erstes Zwischenfazit zur Aktion:

Nußdorf im Chiemgau - 755 Bürger aus Nußdorf und Nachbargemeinden haben Farbe bekannt: Sie sind gegen das geplante Geothermie-Kraftwerk bei Litzlwalchen. Bis Anfang Dezember 2020 lagen die Unterschriftenlisten in Nußdorf aus und noch immer trudeln Unterschriften im Rathaus ein. „Das ist ein Erfolg, eine schöne, stolze Zahl“, so Bürgermeister Toni Wimmer im Gespräch mit chiemgau24.de. Er wertet es als „klares Zeichen, dass die Bevölkerung das Geothermie-Projekt bei Litzlwalchen nicht will“.

Wimmer: Geothermie-Standort bei Litzlwalchen „passt nicht“

Wenn alles ausgezählt ist, werden die Unterschriftenlisten demonstrativ unter anderem an Traunsteins Landrat Siegfried Walch, den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger oder die Regierung von Oberbayern geschickt. Denn die Entscheidung pro oder contra Geothermie bei Litzlwalchen wird nicht in den heimischen Rathäusern gefällt, sondern beim Bergamt Südbayern, ein Teil der Regierung von Oberbayern. In Nußdorf hat sich der Gemeinderat wiederholt geschlossen gegen das Geothermie-Projekt gestellt, auch der Traunreuter Stadtrat lehnt die Pläne mehrheitlich ab. Einer der Bohrplätze läge südöstlich von Traunwalchen.

Ich bin nicht gegen erneuerbare Energien oder gegen Geothermie an sich, aber das Konzept muss stimmen“, so Nußdorfs Bürgermeister Wimmer. Der Standort auf der „grünen Wiese“ zwischen Litzlwalchen und Matzing passe einfach nicht. „Am Anfang sollte nur Strom gewonnen und die Abwärme nicht genutzt werden. Nur scheibchenweise besserten die Investoren dann nach“, zeigt sich Wimmer skeptisch. Außerdem befinde sich ein Bohrplatz in direkter Nähe zu einem Wasserschutzgebiet und das Areal sei nicht erschlossen.

Zwei Bohrplätze sind geplant und mit roten Kreuzen gekennzeichnet: Nördlich von Litzlwalchen das eigentliche Geothermie-Kraftwerk und bei Walchenberg eine Pumpanlage, in der Nähe zum blau eingezeichneten Trinkwasserschutzgebiet.

Auch Traunreut gegen Geothermie-Kraftwerk

Wimmer hat auch zu seinen Bürgermeister-Kollegen in Traunstein und Traunreut Kontakt aufgenommen. Christian Hümmer sei „eher auf unserer Seite“, so Wimmer. Und Hans-Peter Dangschat positioniere sich „klar ablehnend“ zur Geothermie bei Litzlwalchen. Wie weit die Planungen zu dem Kraftwerk auf „seinem“ Gemeindegrund sind, darüber wird auch Toni Wimmer kaum informiert. Den Geschäftsführenden Gesellschafter der pro G.E.O. Ingenieursgesellschaft, Thomas Neu, habe man zum Jahresende 2020 in den Gemeinderat einladen wollen - doch laut Wimmer habe er dann abgesagt.

Wie funktioniert Geothermie?

Rund 3900 Meter tief müsste gebohrt werden um das begehrte Thermalwasser mit Temperaturen von rund 120 Grad zu erreichen. Die Bedingungen sind vor allem im nördlichen Landkreis Traunstein dafür gut. 100 Liter pro Sekunde werden heraufgepumpt. Mit Hilfe von Wärmetauschern wird dem Wasser dann Wärme entzogen, der Kältemitteldampf treibt eine Turbine an und nachgeschaltete Generatoren erzeugen damit Strom. Das abgekühlte Wasser wird danach wieder hinuntergepumpt. 

xe

Kommentare