Auch aus Traunreut heißt‘s: „Müssen das mit aller Macht verhindern“

Nußdorf will jetzt seine Bürger gegen Geothermie-Kraftwerk mobilisieren

Geothermie-Kraftwerk.
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Symbolfoto eines Geothermie-Kraftwerk.

Nußdorf/Traunreut - Der Widerstand gegen das geplante Geothermie-Kraftwerk bei Litzlwalchen wird immer größer: Der Gemeinderat will nun Unterschriften sammeln und auch aus Traunreut ebbt der Gegenwind nicht ab.

Der Nußdorfer Gemeinderat steht geschlossen gegen das geplante Geothermie-Kraftwerk bei Litzlwalchen. Das wurde in seiner Sitzung am Dienstag, 29. September, erneut deutlich. Um den Druck zu erhöhen soll nun eine Unterschriftenaktion gestartet werden. Die Listen sollen zum Beispiel im Rathaus, Vereinsheim, Kindergarten, Sportheim oder im Wirtshaus in Aiging ausliegen. Auch bei den Gemeinderäten selbst sollen die Nußdorfer gegen das Projekt unterschreiben können. Bis spätestens Ende November will man die Aktion durchführen.


Nußdorf plant Unterschriftenaktion gegen Geothermie

Die Listen werden anschließend an Traunsteins Landrat Siegfried Walch, den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und die Regierung von Oberbayern geschickt. Denn die Entscheidung pro oder contra Geothermie bei Litzlwalchen wird nicht in den heimischen Rathäusern gefällt, sondern beim Bergamt Südbayern, ein Teil der Regierung von Oberbayern. Es trifft die bergrechtliche Entscheidung und prüft auch, ob durch das mögliche Kraftwerk die Trinkwasserspeicher in Gefahr sind.


Passend dazu will die Gemeinde Nußdorf in einem offiziellen Schreiben an Behörden und Politik ihre Ablehnung gegen die 15-Megawatt-Anlage unterstreichen. Bis zum 15. Oktober soll der Brief verschickt sein, der auch Ministerpräsident Markus Söder erreichen soll. Außerdem entschied der Nußdorfer Gemeinderat, dass auch die Nachbarstädte Traunreut und Traunstein kontaktiert werden, um sich dem Protestbrief anzuschließen. Die Anträge wurden am Dienstag von den Fraktionen „Bürgerliste“ und „Wir-Zukunft-Gemeinde“ eingebracht und allesamt einstimmig angenommen.

Wird Geothermie bei Nußdorf auch für Fernwärme genutzt?

Der mögliche Geothermie-Standort zwischen Litzlwalchen und Matzing sei nicht nachhaltig, das Wärmekonzept ungenügend und wirtschaftlich nicht abgesichert, so der Nußdorfer Gemeinderat. Nicht die Geothermie an sich sei schlecht, nur der Standort. Die Planer, „Petra Energy" aus Traunstein, haben vor, die gewonnene Energie am Traunreuter Umspannwerk ins Stromnetz einzuspeisen. Ob auch die Abwärme genutzt werden kann, wird derzeit geprüft. Eine Fernwärmeleitung von Litzlwalchen nach Traunstein könnte rund sieben Millionen Euro kosten. Daher wird derzeit erörtert, ob eine solche Leitung wirtschaftlich sinnvoll wäre. Traunreut will sein Fernwärmenetz dafür nicht zur Verfügung stellen.

Zwei Bohrplätze sind geplant und mit roten Kreuzen gekennzeichnet: Nördlich von Litzlwalchen das eigentliche Geothermie-Kraftwerk und bei Walchenberg eine Pumpanlage, in der Nähe zum blau eingezeichneten Trinkwasserschutzgebiet.

"Wir müssen mit aller Macht versuchen, das zu verhindern. Wir hätten davon keine Vorteile, sondern nur Probleme", hieß es vorige Woche auch im Traunreuter Stadtrat. Dem Statement von Stadtrat Paul Obermeier schloss sich auch Bürgermeister Hans-Peter Dangschat an. Denn auch Traunreut wäre betroffen: Das Kraftwerk selbst - das Areal bräuchte eine Fläche von 2,5 Fußballfeldern - stünde zwar auf Nußdorfer Gemeindegrund. Eine Pumpanlage, bei der das Tiefenwasser zurück in die Erde gepresst wird, läge aber südöstlich von Traunwalchen.

Angst ums Traunreuter Trinkwasser wegen Geothermie

In Traunreut sorgt man sich vor allem um den Trinkwasserspeicher, der von der Pumpanlage nicht berührt wird, aber ganz in der Nähe liegt. Mittels einer Leitung wäre die Pumpanlage mit dem Kraftwerk verbunden. „Es besteht die Gefahr, dass durch Tiefenbohrungen die Grundwasserschichten verunreinigt werden bzw. nicht mehr nutzbar sind“, heißt es dazu aus der Traunreuter Stadtverwaltung. Satte 85 Prozent des Trinkwassers beziehen die Stadtwerke aus jenem Brunnen südöstlich von Traunwalchen. Aber: Laut Experten drohten bei ordnungsgemäßer Durchführung keine Gefahren, so die Stadtverwaltung.

Trotz des großen Wirbels: Die Planungen für das Geothermie-Krafwerk bei Litzlwalchen stehen noch ganz am Anfang. Bei der Genehmigungsbehörde, dem Bergamt Südbayern, liegt aktuell noch kein Betriebsplan vor. Weiter ist man dagegen in Kirchanschöring. Dort wird derzeit ein Bohrplatz für eine Geothermie-Anlage errichtet. Für weitere Geothermie-Kraftwerke in der Region sind inzwischen auch TenglingLaufenKay und Palling im Gespräch. Im Februar demonstrierten bereits 150 Teilnehmer gegen das geplante Kraftwerk in Haus bei Tengling, auch dort gibt es Bedenken wegen der Trinkwasserquellen.

Wie funktioniert Geothermie?

Rund 3900 Meter tief müsste gebohrt werden um das begehrte Thermalwasser mit Temperaturen von rund 120 Grad zu erreichen. Die Bedingungen sind vor allem im nördlichen Landkreis Traunstein dafür gut. 100 Liter pro Sekunde werden heraufgepumpt. Mit Hilfe von Wärmetauschern wird dem Wasser dann Wärme entzogen, der Kältemitteldampf treibt eine Turbine an und nachgeschaltete Generatoren erzeugen damit Strom. Das abgekühlte Wasser wird danach wieder hinuntergepumpt. 

xe

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