Nutzt oder schadet die Krippe?

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Zum Stichtag 1. März 2011 wurden im Landkreis Traunstein insgesamt 435 Buben und Mädchen im Kleinkindalter in Krippen und Kindergärten betreut; 103 Kinder mehr als noch ein Jahr zuvor und 278 mehr als vier Jahre zuvor.

Traunstein/Landkreis - Nutzt oder schadet die Krippe? Angeheizt wurde die Diskussion jetzt durch die jüngst beschlossene Einführung des Betreuungsgeldes.

Soll das Kleinkind in die Kita, gibt es überhaupt einen Platz - oder soll es lieber zu Hause bleiben und von Mama, Oma oder Opa versorgt werden? Angeheizt wurde die Diskussion durch die jüngst beschlossene Einführung des Betreuungsgeldes. Fakt ist, dass die Kommunen im Zuge des Rechtsanspruches, der ab 2013 gilt, das Platzangebot für unter Dreijährige in den vergangenen Jahren stetig erhöht haben - und die Mütter nutzen es. Auch im Landkreis Traunstein: Wie aus den aktuellen Zahlen des Landesamtes für Statistik hervorgeht, wurden hier zum Stichtag 1. März 2011 insgesamt 435 Buben und Mädchen im Kleinkindalter in Krippen und Kindergärten betreut; 103 Kinder mehr als noch ein Jahr zuvor und 278 mehr als vier Jahre zuvor.

Die bayerische Familienministerin Christine Haderthauer sieht keine Bedenken, für jedes dritte Kind unter drei Jahren den geforderten Platz in einer Kindertagesstätte oder bei einer Tagesmutter zu schaffen. Diese Zielvorgabe werde schon im Jahr 2012 überschritten, berichtete sie Ende November nach der Kabinettsklausur in St. Quirin: "Das bayerische Ziel heißt, den Bedarf, der vor Ort angemeldet wird, zu decken."

Bezogen auf die Tagesstätten nutzten im Landkreis Traunstein im Frühjahr 2011 die Eltern von 435 unter Dreijährigen das Platzangebot. Damit hat sich die Nachfrage in dieser Altersgruppe seit dem Frühjahr 2007 um 278 Kinder erhöht (plus 177 Prozent). Alle anderen Städte und Kreise mit eingerechnet, wurden im März 2011 bayernweit 59310 unter Dreijährige (Vorjahr: 53260) in Krippen und Tagesstätten betreut; fast doppelt so viele als vier Jahre zuvor: Damals waren es erst 31091 Buben und Mädchen im Kleinkindalter.

Im Landkreis Traunstein entwickelten sich die Zahlen folgendermaßen: Im Frühjahr 2007 schickten die Eltern 157 unter Dreijährige in die Kitas. Im Jahr darauf kletterte die Zahl auf 191 betreute Kleinkinder und bis zum Frühjahr 2009 erhöhte sie sich auf 271. Zwölf Monate später waren es 332 betreute unter Dreijährige und im März 2011 nun 435 Kleinkinder.

Derzeit löst das Betreuungsgeld, das ebenfalls 2013 eingeführt werden soll, hitzige Debatten aus. Mit 150 Euro pro Monat sollen Eltern unterstützt werden, die für ihre Kinder keinen staatlich geförderten Betreuungsplatz in Anspruch nehmen. Für Kritiker ist das schlicht eine "Herdprämie", die Kinder von frühkindlicher Bildung in der Tagesstätte fern hält, für die Befürworter ist es der logische Ausgleich dafür, dass die unter Dreijährigen von der eigenen Mutter oder Oma und nicht von Fremden betreut werden.

Untersuchungen belegen zumindest, dass die Kita-Betreuung nicht für alle Kleinen geeignet ist. Je jünger und empfindsamer die Kinder, desto wichtiger sei die Versorgung durch die Mutter. Und es mehren sich Stimmen von Psychiatern und Psychologen, die die Fremdbetreuung von unter Zweijährigen durchaus kritisch sehen. Nutzt oder schadet die Krippe?

Die noch bis zum kommenden Frühjahr laufende "Wiener Krippenstudie", die bereits für viel Wirbel sorgte, untersucht auch gesundheitliche Aspekte der Krippenerziehung. Bezogen auf das Stresshormon Cortisol, entdeckten die Forscher, dass die Cortisol-Tagesprofile der Krippenkinder vom natürlichen Tagesverlauf des Cortisol-Spiegels abwichen - das deutet auf Stress hin. Es gilt bereits als gesichert, dass selbst qualitativ gut ausgestattete Krippen die stressausgleichende Wirkung der häuslichen Umgebung für die Kleinen nicht ersetzen können. Cortisol-Veränderungen sind für die Forscher ein Alarmsignal, weil sie ein hohes Risiko für die psychische Entwicklung nach sich ziehen. In Schweden wies die Neurobiologin und Professorin Anna Dahlström darauf hin, dass die erste schwedische Generation, die viel Zeit mit Krippen- und Tagesstättenpersonal verbracht habe, heute eine vielfach erhöhte Depressionsrate aufweise. Der Eltern-Kind-Kontakt habe sich hier gegenüber den Jahren der Vor-Krippen-Zeit vor 1980 um die Hälfte verringert.

zs/Chiemgau-Zeitung

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