Pfarreien wollen Umwelt "managen"

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Für ein Umweltmanagement in den Pfarreien machten sich stark (von links) Michael Ströber, der Geschäftsführer des Katholischen Kreisbildungswerkes, Dekan Konrad Kronast, Dekanatsratsvorsitzender Hans Etzelsbeck, Christian Sachs von der Katholischen Akademie, Mattias Kiefer, der Umweltbeauftragte der Diözese, und Clemens Knoll, Geschäftsführer der Katholischen Erwachsenenbildung der Diözese.

Traunstein - Nach einem Jahr Vorbereitungszeit soll es jetzt ernst werden: Die Pfarreien im katholischen Dekanat Traunstein wagen den Schritt zum Umweltmanagement.

Zehn Pfarreien stünden bereits in den Startlöchern, sagte Hans Etzelsbeck, der Vorsitzende des Dekanatsrates, bei der Auftaktversammlung im Studienseminar St. Michael in Traunstein. Mit der Ausbildung so genannter Auditoren ab dem 5. Dezember sollen die für den Prozess des Umweltmanagements benötigten Multiplikatoren für die einzelnen Pfarreien mit dem erforderlichen Grundwissen ausgestattet werden.

Etwa 60 Vertreter von Pfarreien im Dekanat und auch Interessenten aus den Dekanaten Baumburg und Wasserburg waren zu der Auftaktversammlung ins Studienseminar gekommen. Landrat Hermann Steinmaßl, Landtagsabgeordneter Sepp Daxenberger, Michael Ströber vom Katholischen Kreisbildungswerk (KBW) und der Umweltbeauftragte der Diözese, Mattias Kiefer, stimmten die Besucher auf die Thematik ein. Konkrete Punkte, wie man sich das Umweltmanagement vorzustellen hat und wie der Einstieg erfolgen könnte, vermittelte Christian Sachs, Umweltbeauftragter der Katholischen Akademie, der diesen Prozess schon in einer ganzen Reihe von Pfarreien in anderen Regionen begleitet.

Die Basis ist laut Sachs das Umweltmanagementsystem EMAS, ein in der Wirtschaft entwickeltes System, das für die Erfordernisse von Pfarreien umgeschrieben worden ist. Neben der Ausbildung von Auditoren sei es für den Einstieg notwendig, ein "Umwelt-Team" in der Pfarrei aufzubauen. Möglichst alle Gruppen einer Pfarrei sollten darin vertreten sein, war Sachs Ratschlag, auch "Schlüsselpersonen" wie Hausmeister oder Mesner. Und man sollte auch versuchen, Fachleute einzubinden, die sonst noch nicht in der Pfarrei mit Aufgaben betraut seien. So sei das Umweltmanagement, so der Tenor in der Versammlung, auch eine Chance, Pfarreiangehörige zum Mitarbeiten zu gewinnen, die bisher eher abseits gestanden seien.

Das Umwelt-Team müsse sich zuerst der großen Aufgabe widmen, so Sachs weiter, eine Bestandsaufnahme aller kirchlichen Einrichtungen und Gruppen vorzunehmen. Themen dabei seien der Umweltbereich vom Papierverbrauch bis zur Abwärme, die Beschaffung von Materialien und Lebensmitteln ("Fleisch fürs Pfarrfest nicht vom Discounter"), die Nutzungen und Nutzungszeiten von Räumen und Heizungen, Sicherheitsbestimmungen für Feuerlöscher und für die Lagerung brennbarer Stoffe, ein Check der gesamten Elektrik und vieles andere mehr.

Mit all diesen Daten und Zahlen ausgestattet, könne sich das Umwelt-Team dann der Frage widmen, was alles falsch laufe, was verbessert werden müsse. Diese Bilanz müsse dann in eine Vision münden, in ein Umweltprogramm mit einem Katalog an Maßnahmen, die umgesetzt werden sollen. Eine Umwelterklärung mit einer Bilanz all dessen, was bereits geschehen ist oder noch geschehen soll, schließe dann, so Sachs, den Prozess zunächst ab. Und darauf bekomme eine Pfarrei dann über ein Gutachten das EMAS-Siegel. Eineinhalb Jahre sei die Zeit, die so ein Prozess normalerweise dauern solle, gab Sachs einen Zeitfaktor vor. Allerdings könne jede Pfarrei natürlich ihr Tempo selber bestimmen.

Dekan Kronast informierte, dass er mit dem Landrat vereinbart habe, alle Bürgermeister und Pfarrer des Dekanats zu einer eigenen Veranstaltung einzuladen. Denn diese gemeinsame Aufgabe müsse vernetzt und intensiv unterstützt werden. Diese Unterstützung sagte auch KBW-Geschäftsführer Ströber zu. Dekanatsratsvorsitzender Etzelsbeck hob heraus, dass mit dem Umweltmanagement im Dekanat Traunstein ein Pilotprojekt auf Diözesanebene gestartet werde.

Der Umweltbeauftragte der Diözese, Kiefer, stellte in seinem Referat fest, dass mittlerweile der Schutz der Umwelt in Dokumenten etwa der deutschen Bischofskonferenz ausdrücklich verankert sei. Schon aus der Schöpfungsgeschichte ergebe sich der Auftrag des Menschen, die Erde sowohl zu bebauen wie zu behüten.

Landrat Steinmaßl beglückwünschte die Verantwortlichen im Dekanat zu ihrer Absicht, vor Ort handeln zu wollen. Auch der Landkreis tue viel für die Landschaft und für sinnvolle Energienutzung. Abgeordneter Daxenberger betonte, eine Arbeit wie der geplante Einstieg ins Umweltmanagement könne nur dann gelingen, wenn sie auch Freude mache und wenn viele dabei mitmachen.

edh/Chiemgau-Zeitung

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