Polizeichefs am Traunreuter Gymnasium

+
Unterricht mal anders: Polizeichef zu Gast in der Schule

Traunreut - Nicht Mathematik, Deutsch, Physik und Geschichte standen für zwei Schulstunden auf dem Stundenplan: Vielmehr ging es um Straftaten, Verkehrsdelikte aber auch um Zivilcourage und Verhinderung von Kriminalität.

Die Leiter der Polizeiinspektion Traunstein und der Polizeistation Traunreut waren auf Einladung von Oberstudienrätin Birgit Israel zu den 10. Klassen des Traunreuter Johannes-Heidenhain-Gymnasiums gekommen, um einen Einblick in den Polizeialltag zu gewähren.

Polizeidirektor Thomas Kirchleitner ist Chef der Polizeiinspektion Traunstein. In seinem Vortrag ging er in erster Linie auf die jugendtypischen Straftaten ein und wie man diesen am besten aus dem Weg geht. Besonders eindrucksvolle Erlebnisse konnte er dabei vom Chiemsee-Reggae berichten. Auf diesem Festival ist er schon jahrelang Einsatzleiter und versucht mit entsprechenden Polizeikräften Straftaten zu verhindern . Obwohl den meisten eigentlich bekannt sein müsste, dass die Polizei dort intensiv kontrolliert, kommt es jedes Jahr wieder zu zahlreichen Festnahmen, vor allem wegen Rauschgiftbesitz und dessen Konsum. Für viel zu viele Teilnehmer endet die Veranstaltung mit einem Strafverfahren. Auch das nächtliche Weggehen schien die Gymnasiasten besonders zu interessieren . Und dem einen oder anderen ist sicher schon die Idee gekommen, sich auf dem Ausweis etwas älter zu machen oder sich einen fremden Ausweis „auszuleihen“, um nachts unbegrenzt wegbleiben zu dürfen. Dass man damit eine Urkundenfälschung begeht und mit diesem Delikt vorbestraft ist, dürfte den wenigsten bewusst gewesen sein. In diesem Zusammenhang gab Kirchleitner den Schülern den Ratschlag, sich nicht durch leichtsinnige strafbare Handlungen das Leben zu verbauen. Eine Vorstrafe wird einem erfahrungsgemäß im späteren Leben immer im Wege stehen. Kein Arbeitgeber dürfte erfreut sein, wenn er erfährt, dass sein zukünftiger Mitarbeiter Vorstrafen hat und eine Bewerbung im öffentlichen Dienst ist in der Regel dann sowieso ausgeschlossen.

Kirchleitner – selber Vater von 3 Töchtern – setzt sich ganz besonders mit dem Thema Alkoholgenuss bei Minderjähren auseinander. So wird beispielsweise jeder unter 18 Jahren, der mit mehr als 1,6 Promille in der Öffentlichkeit aufgegriffen wird, an die Führerscheinstelle gemeldet. Die Polizei geht davon aus, dass bei derartigen Promillegehalten ein übermäßiger Alkoholgenuss vorliegen muss und betreffende Personen nach Ansicht der Polizei zur Teilnahme im Straßenverkehr mit einem Kraftfahrzeug einfach ungeeignet sind. Die genaue Überprüfung der Fahreignung nimmt dann im Einzelfall die Führerscheinstelle vor. Grundsätzlich kann jeder, der seine Verantwortungslosigkeit durch aggressives Verhalten und ständiges Missachten der Rechtsordnung unter Beweis stellt, Probleme bekommen, seinen Führerschein überhaupt machen zu dürfen Auch mit dem sogenannten Koma-Saufen befassten sich die Polizeichefs . Nach ihren Worten muss ein kontrollierter mäßiger Alkoholgenuss kein Problem sein und wird in unserer Gesellschaft auch akzeptiert. Ganz anders sieht es allerdings aus, wenn sich junge Leute jedes Wochenende mit Schnaps bis zur Besinnungslosigkeit zuschütten. Die Polizei wirkt dem entgegen und kontrolliert vermehrt Veranstaltungen - besonders hinsichtlich der Alkoholherausgabe an Minderjährige - und festgestellte Verstöße werden natürlich angezeigt.

Auf die Gefahren im Straßenverkehr ging Traunreuts Polizeichef Johann Bohnert ein: Denn junge Leute sind besonders häufig in Unfälle verwickelt. Die Gründe sind oft die gleichen: Alkohol, Raserei, Imponiergehabe und Übermut in Zusammenhang mit schlecht gewarteten, alten Autos. Besonders auffällig ist dabei, dass es meist die jungen Männer sind, die betrunken schwere Unfälle verursachen mit der schlimmen Folge, dass die Freundin oder auch andere Mitfahrer verletzt werden. Nicht ohne Grund wurde das absolute Alkoholverbot für Fahranfänger eingeführt. Natürlich ist es für ein junges Mädchen nicht ganz leicht, einem verantwortungslosen Fahrer dazu bringen, dass er sie aussteigen lässt. Eine einfache Methode, die immer funktioniert ist, wenn man einfach sagt, dass einem schlecht ist.

Naturgemäß sind ein Teil der Gymnasiasten dabei, ihren Führerschein bereits mit 17 Jahren zu machen, um dann ein Jahr mit einer Begleitperson Autofahren zu dürfen. Aus diesem Grund gab es auch Fragen rund um das Thema „Begleitetes Fahren“. So ist auch im Landkreis Traunstein der bayernweite Trend feststellbar, dass sich Teilnehmer dieses Projekts offensichtlich wesentlich besser im Verkehr zurechtfinden und kaum in schwere Unfälle verwickelt sind.

Ein weiteres Thema war Alkohol und Rauchen. Die meisten der Zuhörer waren überrascht zu hören, dass in Traunreut auf öffentlichen Flächen ein Alkoholverbot besteht. Verstöße dagegen werden mit einer Verwarnung geahndet und der Alkohol wird sichergestellt. Für Minderjährige ist auch das Rauchen in der Öffentlichkeit verboten, und wenn die Eltern es dennoch ermöglichen, dann bekommen diese eine Anzeige.

Mit dem Thema Zivilcourage griffen die Polizisten ein zur Zeit besonders brisantes Thema auf. Aufgrund der verschiedenen Vorfälle läuft in Bayern derzeit eine Initiative für mehr Zivilcourage. Gewaltdelikte im öffentlichen Raum haben subjektiv empfunden zugenommen, und durch die Berichterstattung fühlt sich so mancher Bürger bedroht, Opfer einer Straftat zu werden. Die Beamten gaben Anregungen wie man sich im Bedrohungsfall verhält und wie man richtig hilft, ohne selbst dabei zu Schaden zu kommen. Dazu gibt es viele Möglichkeiten sich zu engagieren: Man kann sich beispielsweise die Beschreibung eines Täters einprägen, man kann ihn ansprechen oder auch nur den Notruf wählen...

Bohnert erzählte aus seinem Dienstbereich von einem ganz besonderen Fall von Zivilcourage: Es handelte sich um ein Rentnerehepaar im Alter von 80 Jahren. Die beiden beobachteten, wie ein junger Mann auf einen anderen einschlug. Nachdem das Opfer bereits am Boden lag, stellten sich die beiden Rentner mutig dazwischen und erreichten, dass der Schläger aufhörte.

Zum Abschluss der Veranstaltung zeigten die Beamten den Schülern ein Arsenal an verbotenen Waffen und anderen Gegenständen: So war es für die meisten durchaus nachvollziehbar, dass der Gesetzgeber Gegenstände, mit denen unkalkulierbare Verletzungen zugefügt werden können, verboten hat, und deren Gebrauch und meist auch der Besitz strafbar ist.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass sich die Schülerinnen und Schüler sehr interessiert an der Arbeit der Polizei zeigten. Viele Hinweise waren neu und machten deutlich, dass ein derartiger Unterricht durchaus sinnvoll ist.

Polizeistation Traunreut

Zurück zur Übersicht: Traunstein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser