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Prozess gegen Drogendealer aus dem Landkreis Altötting

Letzte Worte unter Tränen: Emotionaler Vortrag des angeklagten Garchingers

Die Männer sollen Marihuana im Wert von mehr als 200.000 Euro umgesetzt haben.
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Am 30. August werden die letzten Plädoyers im Prozess gegen vier Drogendealer aus dem Landkreis Altötting vorgetragen.

Traunstein, Landkreis Altötting – Sie sollen Marihuana im Wert von über 200.000 Euro im Landkreis Altötting umgesetzt haben. Am 30. August werden nun die letzten Plädoyers im Prozess gegen vier Dealer aus Garching, Burgkirchen, Kastl und Engelsberg gehalten.

Update, 13.45 Uhr - Letzte Worte unter Tränen: Emotionaler Vortrag des angeklagten Garchingers

Zum Ende des zehnten Prozesstages in der Verhandlung wegen der vier Drogendealer aus dem Landkreis Altötting bittet die vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler die Angeklagten um ihre letzten Worte vor dem Urteil:

Mit gewohnt zurückhaltender Art und leiser Stimme beginnt der Engelsberger: „Meine Taten tun mir sehr leid. Nie ist es meine Intention gewesen irgendwen, irgendwo irgendwie mit hineinzuziehen. Ich wollte mit meiner Aussage nur eine faire Basis schaffen.“ Sichtlich betroffen hatte der Angeklagte die vielen Vorwürfe in den Plädoyers gegen sich hingenommen. Die Vorwürfe seines ehemaligen besten Freundes, dem Burgkirchner, schienen jedoch am schwersten für ihn zu ertragen. Schon die Einlassung seines „Bruders“ hatte sichtbar niederschmetternde Wirkung auf den 26-Jährigen.

„Möchte endlich stolz auf mich sein können“

Im weiteren Verlauf verliest der Garchinger seine letzten Worte. In mehr als zwei Din A4 Seiten hat er sich auf diesen Moment vorbereitet. Holprig und mit heiserer Stimme verliest der 39-jährige, dass er sich schuldig gemacht habe, und jetzt dankbar sei, für die Möglichkeit im Strafvollzug über sein Leben nachzudenken. Dann beginnt der 39-Jährige zu schluchzen, was zuerst geschauspielert erscheint, wird lauter, als er von dem kürzlichen Tod seiner Stiefmutter und dem Tod seiner Großeltern spricht. Er habe sein Leben mit Sucht zerstört, und habe viel mit dem Geistlichen in seiner Haftanstalt darüber geredet. 

 „Ich bin sicher kein Vorzeige-Christ. Ich bereue meine Fehler jeden Tag. Meine Schuldgefühle gegenüber meiner Familie, meiner Verlobten und Kinder sind groß“, so der Angeklagte unter Tränen. Er wolle dauerhaft seine Abstinenz stabilisieren, und für seine Familie da sein. „Ich möchte endlich in den Spiegel schauen können und ein Mensch sein, auf den ich stolz sein kann“, schließt der Angeklagte, während selbst gestandene Männer nach dem emotionalen Vortrag durchatmen müssen.

Auch der angeklagte Kastler scheint betroffen von den Worten des Garchingers, als er das Wort ergreift. „Ich möchte mich schlicht dafür entschuldigen, was ich getan habe“, so der Angeklagte.

Burgkirchner bereut seine Tat, aber…

Zuletzt darf der 24-jährige Burgkirchner seine letzten Worte vor dem Urteil sprechen. Er wirkt – wie so oft – weit weniger gerührt. Seine Worte sind klar, und wie bereits vorher mit einer Anschuldigung gegen den Engelsberger pointiert. Ihm sei klar geworden, dass das Leben zu kostbar sei, „um Schmarren zu machen.“ Er wolle sein Leben nun mit der „perfekten Frau an der Seite leben“. Ich bereue meine Tat wirklich aus tiefstem Herzen, aber ich bestreite die Aussagen des Engelsbergers. Ich hätte es mir nie vorstellen können, dass er so etwas über mich sagt.“

Richterin Jacqueline Aßbichler kündigt sodann an, dass sich das Gericht zur Urteilsberatung zurückziehe. Die Verkündung findet am Mittwoch, den 31. August um 16 Uhr statt.

*** innsalzach24 berichtet auch dann wieder live aus dem Gerichtssaal ***

Update, 12.21 Uhr - Staatsanwalt stellt sich an die Seite des Engelsbergers

Nach dem Vortrag der beiden Verteidiger des Burgkirchner Angeklagten, ergreift Staatsanwalt Filipov noch einmal das Wort. Nachdem dem Engelsberger so viele Vorwürfe gemacht worden seien, bittet er das Gericht folgendes zu berücksichtigen: „Welches Motiv hätte er denn, hier Falschangaben zu machen, mit denen er andere über Gebühr in die Sache mit hineinziehen würde? Welchen Sinn sollte es für den Engelsberger beispielsweise haben, den Garchinger hineinzuziehen, wenn er doch nach eigenen Angaben selbst als Täter handelte.“ 

Das Gericht müsse berücksichtigen, dass der Engelsberger sich mit seiner Aussage selbst in die Gefahr begeben habe, für bandenmäßiges Handeln verurteilt zu werden. (Anmerkung der Redaktion: Bandenmäßiges Handeln wird mit weit höheren Strafen belegt, als Vergehen als Einzeltäter). „Auch bei dem angeklagten Burgkirchner muss man sich fragen, warum der Engelsberger seinen „Bruder“ belasten soll?“, so Filipov. Als man ihn zu weiteren Abnehmern befragte, hatte der Engelsberger ausgesagt: „Ich will dazu keine Angaben machen“. „Er wollte also scheinbar keine anderen Personen belasten“, so der Staatsanwalt.

Staatsanwalt: Burgkirchner war weit mehr als Hilfsarbeiter

Filipov spricht dafür, dass der Engelsberger seine Angaben mit bestem Wissen und Gewissen gemacht habe. „Und in Bezug auf den angeklagten Garchinger muss ich daran erinnern, dass die erste Drogenlieferung an einen Freund des Garchingers nach Altötting geliefert wurde“, so der Staatsanwalt. Aus den Threema-Chats ginge außerdem eindeutig hervor, dass der angeklagte Burgkirchner weit mehr als ein Hilfsarbeiter gewesen sei.

Daraufhin ergreift Udo Krause, Verteidiger des Burgkirchners noch einmal das Wort. „Herr Staatsanwalt, das Motiv des Engelsbergers, das ist mir ganz egal. Und warum er meinen Mandanten belastet, das kann ich Ihnen gerne sagen: 31. Und mehr nicht!“ Krause spielt damit auf den Paragrafen 31 des BTMG an, wonach das Gericht eine Strafe abmildern kann, wenn der Täter durch freiwilliges Offenbaren seines Wissens wesentlich dazu beigetragen hat, dass eine Straftat, die mit seiner Tat im Zusammenhang steht, aufgedeckt werden konnte. Sollte der Täter an der Tat beteiligt sein, dann muss sich laut §31 sein Beitrag zur Aufklärung über den eigenen Tatbeitrag hinaus erstrecken.

Update, 11.41 Uhr - Plädoyer des zweiten Verteidigers

Udo Krause, der zweite Verteidiger des Angeklagten aus Burgkirchen ergreift das Wort. Gleich zu Beginn betont er, dass die Staatsanwaltschaft sich nur auf die Aussage des Engelsbergers berufen könne und alle anderen vorgebrachten Aussagen vor Gericht auf Hörensagen beruhen würden. Der Engelsberer habe allerdings seinen Aussagen selten konkrete Angaben gemacht, wenn es um die eigenen Taten ging. Diese habe er oft mit den Worten „ich glaube“ oder „ich kann mich nicht mehr erinnern“ gespickt. Gerade weil der Staatsanwalt „extrem hohen Strafen“ gefordert hatte, seien unbedingt noch andere Dinge zur Urteilsfindung heranzuziehen.

Laut Krause müsse das Gericht berücksichtigen, dass sein Mandant seinem „Bruder“ naiv vertraut habe. Schon bei der ersten gemeinsamen Fahrt nach Bremen habe der Engelsberger den Burgkirchner ohne dessen Wissen in die Sache hineingezogen. „Das ist eigentlich ein ganz unverantwortliches Handeln des Engelsbergers“, so Krause. Der Verteidiger betont, dass sein Mandant nie in eine Bande „aufgenommen“ worden sei, und es nie eine konkrete Absprache oder Aufnahmetermin gegeben habe. Sein Mandant sei als Hilfsarbeiter missbraucht worden.

Verteidiger fordert zwei Jahre auf Bewährung

Es gebe keinen einzigen Beweis aus den Chats, der belege, dass der angeklagte Burgkirchner das Kryptohandy je besessen oder benutzt hätte. Zum Ende seines Plädoyers betont Krause, dass sein Mandant sich nun bereits seit 14 Monaten in Untersuchungshaft befände. Dort habe er Zeugnis für ein friedfertiges, geduldiges und vorbildliches Verhalten bekommen – eine Beurteilung, die Krause so noch nie erlebt habe. „Im Hinblick auf die Umstände ist hier eine zweijährige Bewährungsstrafe angemessen und ausreichend. Den Haftbefehl beantrage ich aufzuheben“, schließt der Verteidiger.

Update, 09.57 Uhr - „Nur auf Befehle reagiert“: Verteidigerin beginnt Plädoyer für Burgkirchner

Pünktlich beginnt der 10. Verhandlungstag im Prozess gegen die vier Drogendealer aus dem Landkreis Altötting. Strafverteidigerin Anita Süßenguth beginnt das Plädoyer für ihren Mandanten, den Angeklagten aus Burgkirchen. Sie startet mit der wohl wichtigsten Frage: Handelt es sich bei den Vergehen der vier Männer um bandenmäßigen Handel? (Redaktion: Für bandenmäßigen Handel wäre eine Mindeststrafe von fünf Jahren Freiheitsstrafe anzusetzen.) Der angeklagte Burgkirchner sei sehr eng mit dem Angeklagten aus Engelsberg verbunden gewesen, was wiederholt Bestandteil der Aussagen der beiden Männer war.

Nachdem der Engelsberger die Geschäfte des Garchinger Angeklagten übernommen hatte, habe laut Süßenguth der Engelsberger jemanden gebraucht, der die „niederen Dienste“ für seine Geschäfte übernahm. Dazu habe er seinen jüngeren Freund auserkoren und missbraucht. Der 24-Jährige hatte weder Drogen konsumiert noch verkauft und keinerlei Entscheidungsbefugnis innegehabt. Er habe nur auf die „Befehle“ des Engelsbergers reagiert.

Aussagen des Engelsbergers „sehr schwammig“

Anwältin Süßenguth betont, dass ihr Mandant nur nach Gutdünken des Engelsbergers für seine Dienste bezahlt worden sei. Konkrete Absprachen für Gewinnbeteiligung oder Entlohnung habe es nicht gegeben. Drogenlieferungen hätten nicht ohne den Engelsberger geöffnet werden dürfen. Die Verteidigerin wirft dem Engelsberger vor, dem „Entlastungseifer“ verfallen zu sein, denn immer, wenn es um seine Taten gegangen wäre, „wurden die Aussagen sehr schwammig.“ Auch in Bezug auf das Kryptohandy bestreitet die Anwältin, dass ihr Mandant dieses je in den eigenen Händen gehalten und damit Bestellungen bei dem Großdealer in Bremen getätigt habe.

„Ich geb doch nicht einem anderen etwas, worüber ich die Kontrolle behalten möchte“, so Anita Süßenguth. Sie bittet das Gericht darum, zu berücksichtigen, dass ihr Mandant keinerlei Vorstrafen habe und sich während der Untersuchungshaft vorbildlich verhalten habe. Auch an das Strafmaß für den Großdealer in Bremen, der zu neuneinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde, erinnert sie.

Vorbericht

Nach dem eindringlichen Plädoyer des Strafverteidigers Dr. Kai Wagler für seinen Mandanten aus Kastl, folgen am 30. August die Fürsprachen der Rechtsanwälte des 24-jährigen Angeklagten aus Burgkirchen. Obwohl dieser den Angeklagten aus Engelsberg nicht nur als nahen und guten Freund sondern als „Bruder“ bezeichnet hatte, belastete der 24-Jährige den Engelsberger schwer. Am sechsten Verhandlungstag hatte Udo Krause, einer der Anwälte des Burgkirchners, ein „Geständnis“ seines Mandanten verlesen, bei dem es weniger um die eigenen Vergehen und umso mehr um die Taten seines Freundes ging.

Nichts gewusst und nichts getan

„Ich möchte festhalten, dass ich zu keinem Zeitpunkt selbst Rauschgift konsumiert, ein- oder verkauft habe“, begann diese. Allein wegen seiner freundschaftlichen Verbindung zu dem angeklagten Engelsberger sei der 24-Jährige in die Sache „hineingezogen worden.“ Laut der Einlassung habe der Burgkirchner das verschlüsselte Kryptohandy nie selbst und wenn, nur auf Wunsch des Engelsbergers genutzt, auch von dem Grund der Fahrten nach Bremen habe er nichts gewusst. Auch von Absprachen mit dem Garchinger habe er nichts gewusst, auch wenn er selbst beteuerte dass der Engelsberger ihm sonst nie etwas verschwiegen habe. Die Verlesung des Geständnisses hatte sichtlich schwer auf dem ehemaligen Freund gelastet.

Staatsanwalt Filipov hatte in seinem Plädoyer 10 Jahre Freiheitsstrafe für den Burgkirchner und den Angeklagten aus Kastl gefordert. Für den Engelsberger hatte er wegen dessen umfangreichen Geständnisses nur sieben Jahre angesetzt. Dem Garchinger Angeklagten sollten 12 Jahre Freiheitsstrafe blühen. Während Dr. Adam Ahmed für den Garchinger einen Freispruch forderte, verlangte Dr. Kai Wagler für seinen Mandanten aus Kastl dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe. Der Anwalt des Engelsbergers bat für seinen Mandanten um zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung.

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