Lebensgefährlicher Messerstich

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Traunstein/Ruhpolding – Wilde Szenen mit einem gefährlichen Messerstich und Schlägen mit dem „Ochsenfiesel“ spielten sich im September 2008 in einem Lokal in Ruhpolding ab. Deshalb steht ein 35-jähriger Mann seit gestern vor Gericht.

Weil er zum Lokalschluss gegen ein Uhr nachts in einer Gaststätte in Ruhpolding keine weitere Flasche Prosecco mehr bekam, holte ein verärgerter, angetrunkener 35 Jahre alter Hotelfachmann nach kurzer Schlägerei mit dem Wirt ein Küchenmesser aus dem gegenüberliegenden Hotel seiner Mutter und ging damit zurück zur Kneipe. Er warf sich gegen die Türe, die von innen zugehalten wurde. Ein im Eingangsbereich stehender 24-jähriger Gast trug einen gefährlichen Messerstich in den Bauch davon. Der Wirt (51) konnte das gegen ihn gerichtete Messer mit einem so genannten „Ochsenfiesel“, einer Art Knüppel, abwehren. Nun wird dem 35-Jährigen wegen versuchten Mordes, vorsätzlicher Körperverletzung und Bedrohung – so die Anklage – der Prozess gemacht.

Der Angeklagte, ein gebürtiger Saarländer, besaß Erfahrung im Rotlichtmilieu. Er wuchs in einem entsprechenden Stadtteil von Saarbrücken überwiegend bei den Großeltern auf. Sein Vater besaß mehrere Clubs. Im Alter von 18 Jahren betätigte sich der Angeklagte als „Aufpasser“ auf Prostituierte in Bars und auf dem Straßenstrich. Nach „milieutypischen Straftaten“ mit der Folge von vier Jahren Haft und massiven Alkoholproblemen arbeitete er seit Herbst 2007 wieder im mütterlichen Betrieb in Ruhpolding – um Abstand zu gewinnen, auch vom Alkohol. Mit Arbeitskollegen, dem Koch und dem Beikoch, habe er am Abend einen Geburtstag gefeiert, so der Hotelfachmann gestern.

Gegen 0.30 Uhr seien er und die Köche noch „auf einen Absacker“ in eine Gaststätte. Weil der Wirt keinen Champagner auf der Karte hatte, bestellten die späten Gäste eine Flasche Prosecco. Zwei Frauen ließen sich zum Mittrinken einladen, nicht aber der Wirt. Als der 35-Jährige nochmals eine Flasche forderte, meinte der Wirt „Schluss für heute“. Der aufgebrachte Angeklagte zerdrückte einen Sektkelch in der Hand, warf mit einem zweiten Glas. Auch eine leere Flasche landete auf dem Boden. Ein Lokalverbot war die Folge. Das großzügige Trinkgeld von 39 Euro nahm der Wirt nicht an. Da schlug ihn der Angeklagte ins Gesicht, packte ihn an den Armen und stieß ihn rücklings zu Boden. Mehrere Gäste beförderten den 35-Jährigen aus dem Lokal. Der Wirt half mit ein oder zwei Schlägen mit dem Ochsenfiesel nach.

Der 35-Jährige hatte einiges abbekommen und blutete aus der Nase. In der Hotelküche der Mutter reinigte er sich. Zusätzlich wütend machte ihn eine Prellmarke an der Stirn, wie er gestern betonte. In der Spüle sah er ein 27,5 Zentimeter langes Küchenmesser mit 14-Zentimeter-Klinge liegen. Er griff es und kehrte ins Lokal zurück. Als der 35-Jährige die Tür eintrat, verspürte ein Gast, Zeuge des Gerangels vorher, einen „Schlag“, der sich später als tiefer Stich in die Bauchdecke unterhalb der linken Rippen mit fünffacher Verletzung des Darms herausstellte. Eine neben der Wirbelsäule liegende, vom Messer getroffene Arterie blutete stark. Eine Operation rettete dem Mann das Leben. Der Angeklagte mit Verteidiger Dr. Herbert Buchner aus Traunstein zur Seite beteuerte gestern, er habe den Gast hinter der Türe nicht verletzen wollen und nichts von einem Treffer bemerkt. Der Angeklagte erklärte, dann mit dem Küchenmesser in Richtung Wirt gegangen zu sein: „20 Zentimeter Entfernung von seinem Hals – das kann so gewesen sein.“ Der Wirt griff wieder zum Ochsenfiesel. Die Situation entspannte sich dann völlig überraschend. Der Angeklagte beruhigte sich plötzlich, setzte sich und legte das Messer weg. Dabei sagte er: „Lassen wir das.“

Vier Minuten nach dem Notruf des Opfers per Handy traf ein Krankenwagen ein. Der Messerstecher verließ zur gleichen Zeit das Lokal, machte sich zu Fuß auf den Heimweg. Das Messer warf er in einen Bach. Im Rahmen einer Großfahndung wurde der Täter wenig später gefasst – nicht zuletzt mit Hilfe eines Polizeihunds. Der Vierbeiner biss den um sich schlagenden Mann in den Arm. Der Prozess dauert an.

kd

Rubriklistenbild: © dpa

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