Zeuge und Angeklagter beschimpfen sich

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Mühldorf/Traunstein - Aus Rache soll ein 54-jähriger Mann aus dem Landkreis Mühldorf seinen Nachbarn ermordet haben. Am Nachmittag wurde es laut im Gerichtssaal:

UPDATE 16.05 Uhr

Bei der Aussage des 34-jährigen Kumpels des Opfers, der auch bei dem Trinkgelage in der Tatnacht dabei war, ging es am Nachmittag noch einmal laut zu. Auf Nachfrage des Verteidigers Jörg Zürner meinte der Zeuge, er habe bereits vor der Verhandlung vier Whiskey Cola getrunken. Und dementsprechend verlief auch die Aussage des 34-Jährigen. Gleich zu Beginn beschimpften sich Zeuge und Angeklagter.

Anschließend ging es weiter mit der Aussage des 34-Jährigen. Er sei von dem Trinkgelage gegen 5.30 Uhr mit dem Taxi nach Hause gefahren. Zuvor habe er noch den 47-Jährigen zugedeckt, der bereits auf dem Sessel eingeschlafen war. Der Angeklagte habe noch zu ihm gesagt: "Warte schnell, ich komme gleich nach". Doch er sei da schon auf dem Weg zum Taxi gewesen. Vom Tod seines Freundes habe er dann am Vormittag von einem Bekannten erfahren. Anschließend sei er dann insgesamt dreimal von der Polizei verhört worden.

Im Zuge seiner Aussagen bei der Polizei gab er auch an, dass das Feuer im Küchenschrank angefangen habe. Auf die Frage des Verteidigers, woher er davon gewusst habe, da das nur der Täter habe wissen können, meinte der Zeuge: "Ich habe es von einem Bekannten erfahren, dem der Angeklagte die Tat gestanden hat." Dem widerspricht allerdings die Aussage dieses Bekannten bei der Polizei. Er hatte dabei nämlich behauptet, der Angeklagte habe ihm erzählt, dass er den Grillanzünder unter die Decke des Opfers gelegt habe.

UPDATE 14.35 Uhr

Einer der Nachbarn des Angeklagten und des Opfers sagte am Nachmittag aus, wie er den Vormittag nach dem Brand erlebt hatte. Er sei um kurz nach 10 Uhr von der Postbotin geweckt worden, die ihm auch einen Brief für den Angeklagten in die Hand gedrückt habe. Kurz darauf habe er seinen Nachbarn dann auf dem Flur gehört und wollte ihm den Brief übergeben.

"Als ich raus bin auf den Flur, hat der Angeklagte schon zu mir gesagt: 'Riechst du den Rauch nicht?'" Daraufhin seien beide zusammen in die Wohnung des Opfers gegangen. Er habe sofort angefangen, die Fenster in allen Räumen aufzureißen. Im Schlafzimmer habe er dann den 47-Jährigen im Bett liegend gesehen. "Der Angeklagte hat aber gleich gemeint: 'Der ist tot'", so der Zeuge. Anschließend sei er in seine Wohnung gegangen, um die Polizei zu rufen.

UPDATE 12.35 Uhr

Zwei Beamte der Kripo Mühldorf machten am Vormittag Angaben zur Vernehmung des Angeklagten und einiger Zeugen. Der 54-Jährige soll demzufolge gegenüber einem Zeugen die Tat gestanden haben. Von der Polizei mit dieser Zeugenaussage konfrontiert habe er gesagt, dass er dadurch nur die Reaktion austesten wollte. Es sei nur eine "Verarschung" gewesen.

Vor der Polizei selbst habe er die Tat allerdings nicht eingeräumt. "Er hat bei der Vernehmung dann komplett zugemacht und nur gemeint, dass ihn das alles langweilt und ihm am Arsch vorbeigeht", so einer der Kripo-Ermittler. Er habe außerdem die ganze Zeit während der Vernehmung bei der Polizei seine Sonnenbrille aufgehabt.

UPDATE 11.55 Uhr:

Zwei Polizeibeamte, die maßgeblich an den Ermittlungen beteiligt waren, machten am Vormittag ihre Aussagen. Übereinstimmend gaben beide an, dass das Feuer in der Küche entfacht worden sei. "Andere Brandherde, als der im Küchenschrank, konnten nicht gefunden werden." Zudem sei eine technische Ursache für den Brand weitgehend auszuschließen. Auch ein Gutachter habe den Schrank, der in der Küche auf dem Boden stand, als Brandherd ausgemacht.

Die Leiche des 47-jährigen Opfers sei allerdings im Schlafzimmer, also zwei Räume weiter, aufgefunden worden. "Die Türen zwischen den Räumen standen offen. Daher konnte sich der Rauch über die ganzen Räume ausbreiten", so einer der Polizisten. Ob auch eine Decke als Brandherd infrage komme, konnten die Polizisten nicht bestätigen. Beim Sachverständigen hatte der Angeklagte vor der Verhandlung ausgesagt, dass er den Grillanzünder unter eine Decke gelegt habe.

Auch zu dem vorangegangenen Streit zwischen Opfer und Angeklagten konnten die beiden Beamten einige Details ans Licht bringen. Zeugenaussagen zufolge habe der 54-Jährige in der Neujahrsnacht zuerst mit einem Messer auf die Türe seines Nachbarn eingestochen, bevor dieser dann mit einer Eisenstange auf ihn losgegangen sei. Der Angeklagte soll nach dem Vorfall gegenüber der Polizei gesagt haben, er brauche keine Polizei, er werde ihn umbringen.

UPDATE 10 Uhr:

Nachdem der Angeklagte auch am ersten Verhandlungstag keine Angaben zur Tat machte, befragte das Gericht den Sachverständigen Dr. Stefan Gerl. Er hatte mit dem 54-Jährigen im Vorfeld des Verfahrens mehrfach gesprochen. Dabei habe der Angeklagte auch detaillierte Angaben zur Tat gemacht: "Er habe seinem Nachbarn nur eine Lektion erteilen wollen und habe ihm daher einen brennenden Grillwürfel unter die Decke gelegt, als dieser geschlafen habe. Allerdings habe er vergessen, ein Fenster zu öffnen und sei dann selbst in seinem Zimmer eingeschlafen."

UPDATE: 9.25 Uhr

Unter dem Vorsitz des Richters Erich Fuchs ging an diesem Dienstag das Verfahren gegen einen 54-Jährigen aus dem Landkreis Mühldorf los. Ihm wird vorgeworfen, seinen Nachbarn "aus niederen Beweggründen und heimtückisch" ermordet zu haben. Zu Beginn der Verhandlung wollte sich der Angeklagte weder zur Sache, noch zu seiner Person äußern.

Die Anklage

Ein 54-jähriger Mann aus dem Landkreis Mühldorf muss sich ab Dienstag wegen Mordes vor dem Traunsteiner Landgericht verantworten. Er soll in der Küche, in der sein Nachbar eingeschlafen war, vorsätzlich ein Feuer gelegt haben. Infolge der Rauchentwicklung in dem Raum kam der 47-jährige Nachbar durch eine Kohlenmonoxid-Intoxikation ums Leben. Grund für die Brandstiftung des 54-Jährigen soll Rache gewesen sein.

Die Hintergründe der Tat

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Laut Anklageschrift kam es im Januar dieses Jahres zu einem Trinkgelage in der Wohnung des Opfers. Dazu wurde auch der Angeklagte eingeladen, der an dem Abend fünf bis sechs doppelte Wodka und ein Bier getrunken haben soll. Gegen sechs Uhr morgens, als alle Gäste die Wohnung verlassen hatten, soll der Angeklagte dann mit seinem Nachbarn in die Küche gegangen sein, wo dieser einschlief. Der 54-jährige soll daraufhin Kohlenanzünder in Brand gesteckt und in einen Küchenschrank geworfen haben. Anschließend habe er die Küche, mit dem schlafenden Nachbarn darin, verlassen. Der 47-Jährige starb daraufhin an den Folgen der Kohlenmonoxid-Intoxikation.

Der Anklageschrift zufolge soll Rache der Grund für die Tat gewesen sein. Der Angeklagte sei immer noch erbost darüber gewesen, dass sein Nachbar in der Neujahrsnacht mit einer Eisenstange auf ihn losgegangen war und ihn dabei so schwer am Arm verletzt hatte, dass er sich im Krankenhaus ambulant behandeln lassen musste.

Der Prozess vor dem Traunsteiner Landgericht ist auf fünf Tage angesetzt und beginnt an diesem Dienstag.

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