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Prozess um mutmaßlichen Giftmord in Töging

Sechs Monate Haft für unterlassene Hilfeleistung: Verteidiger der Angeklagten S. plädieren

Es bleibt spannend, ob die Richter von der Schuld der beiden Angeklagten Tögingerinnen überzeugt wurden.
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War es wirklich Mord? Die Angeklagte und ihre Tochter erwarten in Kürze ihr Urteil.

Haben eine Tögingerin (55) und ihre Tochter(30) ihren Vater und Großvater vergiftet? Es gibt keine handfesten Beweise neben den Aussagen der Tochter und ihres Ehemanns. Ob das die Kammer überzeugt hat?

Update, 12.27 Uhr - Sechs Monate Haft für unterlassene Hilfeleistung: Verteidiger der Angeklagten S. plädieren

Rechtsanwalt Axel Reiter beginnt nun mit dem Plädoyer für seine Mandantin, Angeklagte S. Reiter spricht sich gegen den Vorwurf des versuchten Mordes aus, und zwar weil keine Verdeckungsabsicht vorliege. Auch besondere Schwere der Schuld liege nicht vor, weil keine besonders niedrigen Beweggründe von S. vorhanden waren. Markus Frank, zweiter Anwalt der Angeklagten S. übernimmt das Plädoyer seines Kollegen und fasst noch einmal zusammen, was seine Mandantin am 4. August 2021 erlebte. 

K. soll gedroht haben, die Tat dem Ehemann anzuhängen

Sie habe die Stimme ihrer Mutter K. sagen gehört: „Papa, so geht’s nicht“, danach habe K. ihr den Teller des Opas zum Abspülen gebracht. Ein wenig später habe sie den Opa auf der Couch gefunden und wollte einen Arzt rufen, worauf K. ihr erzählt habe, dass sie dem 75-Jährigen Medikamente gegeben habe. Erst kurz vor der Beerdigung habe sich S. ihrem Mann anvertraut und ihm gegenüber auch gesagt, dass K. ihr gedroht habe, die Tat ihrem Ehemann anzuhängen, wenn S. etwas sagen würde.

Mandantin beeinflussbar und schwach

K. habe gegenüber ihrer Schwester ihre Tat eingeräumt und bei einem Familientreffen ihre Handlung gerechtfertigt. Das Verhältnis von S. zu ihrem Großvater sei ein gutes gewesen – bis zuletzt – und auch wenn der sich in seinem ‚Grant‘ über sie beschwert habe. Doch die zum Einzug vereinbarte Pflege des Opas sei ihr ab der zweiten Schwangerschaft zu viel geworden.

Seine Mandantin sei beeinflussbar und „schwach“, sie sei Problemen gegenüber nicht gewappnet. S. ordne sich bei Schwierigkeiten sofort unter. Die Angaben seiner Mandantin seien von Anfang an konsistent und mit den Ermittlungsergebnissen in Einklang zu bringen, während die Glaubwürdigkeit der K. bezweifelt werden könne.

Angeklagte wollen nichts mehr zur Sache sagen

Beide Anwälte der Angeklagten S. sprechen sich für unterlassene Hilfeleistung ihrer Mandantin aus. Bei Würdigung des Gesamtbildes sei eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten zur Bewährung in Betracht zu ziehen. Besonders die Geständigkeit der Angeklagten S. sei zu berücksichtigen. Beide Angeklagten wollen sich vor dem Urteil nicht mehr äußern.

Die Verhandlung wird unterbrochen und am 7. Dezember um 16 Uhr fortgesetzt. Dann wird die Urteilsverkündung erfolgen.

*** innsalzach24.de berichtet auch dann wieder live aus dem Gerichtssaal ***

Update, 12.09 Uhr - „Spekulationen der Staatsanwaltschaft“: Verteidiger von K. plädiert für Freispruch

Dr. Karl, Verteidiger der Angeklagten K. hält nun sein Plädoyer. Er beginnt mit einer philosophischen Betrachtung darüber, warum Menschen Verbrechen begehen. „Wenn die Staatsanwaltschaft ein Stück weit spekuliert, dann tut sich die Verteidigung auch nicht leicht“, so Georg.

Habgier als Motiv sei eindeutig auszuschließen, denn seine Mandantin K. habe nicht angestrebt, an das Haus des Vaters zu kommen. Immerhin habe ihr eigener Sohn das Haus bereits geerbt. Auch die persönlichen Konflikte zwischen den Angehörigen hätten sich bei näherem Hinsehen als subjektive Berichte dargestellt, über Geschehnisse, die teils Jahre zurückliegen würden.

Gutachten der Rechtsmedizin sei einziger Beweis

Der Rechtsanwalt bezeichnet auch als Spekulation, dass es am 4. August 2021 eine Ankündigung, dass die Angeklagte S. mit ihren Kindern ausziehen solle, gegeben habe. „Man kann für alles eine Erklärung finden, aber es muss eine Erklärung sein, von der man überzeugt ist“, so Karl.

„Der einzige wirklich belastbare, objektive Umstand, dass die Frau K. etwas mit der Geschichte zu tun hat, ist das Gutachten der Rechtsmedizin.“ Das vom Staatsanwalt vorgeworfene Motiv sei fernliegend und konstruiert, so der Verteidiger und wirft Andrä vor, auf Biegen und Brechen seiner Mandantin Schuld nachweisen zu wollen. Es bestünden erhebliche Zweifel an Schuld oder Unschuld seiner Mandantin, weswegen Rechtsanwalt Karl auf deren Freispruch plädiert.

Inge Bazelt, zweite Rechtsanwältin der Angeklagten K. führt an, dass die Aussagen der Mitangeklagten S. ihre Mandantin schwer belasten und es zum Teil unklar sei, wie S. an die Informationen gekommen sei. Auch vom Staatsanwalt angeführte Zeugenaussagen gründeten auf den Aussagen von S. und seien demnach nicht zu berücksichtigen. Auch Bazelt plädiert für den Freispruch der Angeklagten K. 

Update, 10.39 Uhr - „Er wurde Opfer eines fast perfekten Mordes“ – Staatsanwalt fordert Lebenslang

Der achte Verhandlungstag beginnt mit dem Plädoyer von Staatsanwalt Markus Andrä. „Es steht für mich außer Frage, dass Herr K. Opfer eines fast perfekten Mordes geworden ist.“ Zwar hebt Andrä hervor, dass sich die Angeklagte K. schützend und rettend vor ihre Tochter, die Angeklagte S., und deren Kinder gestellt habe, und die Beziehung zwischen S. und K. eine sehr gute gewesen sei, doch das Verhältnis von K. zum Ehemann der S., welchen der Staatsanwalt als einen „schlagenden Alkoholiker“ bezeichnet, sei aber sehr schlecht gewesen.

Das Verhältnis des Verstorbenen K. zu seinen Töchtern sei schon immer sehr belastet gewesen. Weil dagegen die Beziehung zu seinem Enkel sehr gut und väterlich gewesen war, habe er diesen als Alleinerben und alleinigen Interessensvertreter eingesetzt. Sein einziges nennenswertes Vermögen – sein Haus in Töging – habe er so auch seinem Enkel vermacht. Weil die Angeklagte S. ihre Wohnung in Mühldorf verloren hatte, bezog sie vor einigen Jahren mit ihren Kindern das Obergeschoss des großväterlichen Hauses in Töging. Die Enkelin sollte sich dann auch um die Pflege des Opas kümmern, dieser Abmachung sei sie aber nicht angemessen nachgekommen.

Ehepaar empfand Großvater als Belastung 

So führt der Staatsanwalt an, dass der Verstorbene keine saubere Kleidung in passender Größe im Schrank hatte und allgemein in schlechtem hygienischen Zustand war, bevor der Mobile Pflegedienst bestellt wurde. Die Angeklagte S. sei außerdem überfordert mit der Lebensmittelversorgung des Großvaters gewesen. „Ich bin davon überzeugt, dass das Ehepaar den Großvater als Belastung empfand. Beschimpfungen wie ‚Du fettes Schwein‘ sowie der Umgang des Herrn S. mit dem Rentner waren unterirdisch und schwer zu ertragen für den 75-Jährigen“, so der Staatsanwalt. Außerdem erwähnt Markus Andrä in seinem Plädoyer die lauten Verbalauseinandersetzungen zwischen S. und ihrem Ehemann sowie die körperlichen Übergriffe des Ehemanns.

„Es wäre eine Rettung möglich gewesen“

Der Rentner habe mehr und mehr den Entschluss gefasst, dass seine Enkelin und ihr Ehemann ausziehen müssten, und diesen habe er am 4. August 2021 seiner Tochter K. – einen Tag vor seinem Versterben – mitgeteilt. Aus Sicht der Angeklagten K. hatte aber die Wohnung im Haus des Großvaters große Vorteile für ihre Tochter S. und deren Kinder, weil sie räumlich sehr nahe an ihrer eigenen Wohnung lag.

Staatsanwalt Andrä zeigt sich überzeugt, dass die Angeklagte K. deswegen beschloss ihren Vater zu vergiften und habe ihm ein Essen zubereitet, in welches sie eine Medikamentenüberdosis mischte. Als die Angeklagte S. ihren Opa nach der Einnahme des Essens besuchte, habe sie einen Arzt rufen wollen – worauf die Mutter K. ihr gesagt habe, dass der Arzt nicht mehr kommen würde. „Es wäre eine Rettung möglich gewesen, und es wäre auch das Richtige gewesen – doch S. hat es nicht getan, um ihre Mutter zu schützen.“

Steuerungsfähigkeit von S. „eingeschränkt“

Der Staatsanwalt hebt hervor dass die Steuerungsfähigkeit der Angeklagten S. eingeschränkt gewesen sei, „Ich glaube nicht, dass die Angeklagten K. und S. die Tat gemeinsam geplant hatten. Ich glaube auch nicht, dass K. aus Habgier handelte“, so Andrä und betont: „Es ist völlig klar, dass es sich um eine einmalige hohe Aufnahme von Medikamenten handelt. Und was hat die angeklagte K. nur ein paar Stunden nach dem Tod ihres Vaters gemacht: Sie ruft den Hausarzt an und lehnt eine angebotene Obduktion ab. Dann ruft sie beim Bestatter an und bestellt eine Feuerbestattung.“ Auch den Streit zwischen den Angehörigen um das Anwesen kurz nach dem Tod führt Andrä an.

Staatsanwalt fordert sieben Jahre für Angeklagte S. 

Hinsichtlich des Motivs ist Andrä überzeugt dass es das Ziel von K.s Tat war, die eigene Tochter zu retten. Das Motiv der Angeklagten S. sei, die eigene Mutter zu schützen. Nichtsdestotrotz habe sich S. des versuchten Mordes mit Verdeckungsabsicht und Unterlassung schuldig gemacht und Hilfe unterlassen.

Weil S. außerdem wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraft sei und eine Bewährungsstrafe verletzt habe, gebe es keinen Anlass die Strafe abzumildern. Der Staatsanwalt plädiert demnach für sieben Jahre Freiheitsstrafe für die zweifache Mutter S., „Lebensschutz geht vor dem Schutz der Angehörigen“, so Andrä.

Lebenslang für Angeklagte K.

Als Strafe für die Angeklagte K. fordert der Staatsanwalt eine lebenslange Haftstrafe. Sie habe sich eines heimtückischen Mordes schuldig gemacht, zwar nicht wegen Habgier aber aus sonstigen niedrigen Beweggründen. Milderungsgründe sind für den Staatsanwalt auch hier keine ersichtlich. Es handele sich aber um besonders schwere Schuld, weil sie in Tötungsabsicht handelte und ihre Tochter S. am Einschreiten – durch das Herbeirufen eines Arztes – hinderte.

Der Vorbericht zum achten Prozesstag

Der achte Verhandlungstag im Mordprozess gegen zwei Frauen aus Töging beginnt. Heute (5. Dezember) sollen Staatsanwalt Markus Andrä und die Verteidiger der beiden Angeklagten ihre Plädoyers vorbringen. Dass dieser Prozesstag sich ziehen könnte, hatte der Vorsitzende Richter Volker Ziegler bereits angekündigt. Spannend wird, ob die wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagten Frauen in ihren letzten Worten vor dem Urteil noch etwas Neues preisgeben. Ob die Urteilsverkündung noch heute erfolgt ist noch unklar.

Motiv für die Tat soll Habgier gewesen sein: Der 55-jährigen K. wird vorgeworfen ihrem Vater heimtückisch eine Überdosis Medikamente in das Essen gemischt zu haben. Die 30-jährige Tochter der K. soll ihren Opa dann im Wohnzimmer liegend gefunden und ihn gefragt haben, ob es ihm nicht gut gehe. „Der Opa hat nach oben geschaut und ihm ist noch eine Träne über die Wange gelaufen. Deswegen hat S. zu ihrer Mutter gesagt: ‚Du musst was tun, der schnauft ja noch‘“, so eine Zeugin. Mit einem orangenen Lappen soll K. ihrem Vater dann die „Luft genommen“ haben. S. vertraute sich einige Zeit später ihrem Mann an, der wiederum auf ein Treffen mit der Familie bestand, um die Angelegenheit offen auf den Tisch zu legen. Nach dem Gespräch sei K. laut Zeugenaussagen bereit gewesen, sich der Polizei zu stellen.

Der Prozess basiert hauptsächlich auf polizeilichen Vernehmungsprotokollen und Zeugenaussagen. Die Gutachten der Rechtsmedizin ergaben, dass der 75-jährige Töginger zum Zeitpunkt seines Todes tatsächlich eine tödliche Menge Beruhigungsmittel im Blut hatte.

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