Ein unmoralisches Angebot

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Traunstein - Ausgerechnet in den Räumen der Staatsanwaltschaft Traunstein wollte ein Rechtspfleger, tätig in der Vollstreckungsabteilung der Behörde, eine 46-jährige Frau nackt auf seinem Bürotisch sehen.

Sie lehnte das unmoralische Angebot ab und erstattete Anzeige. So landete der 39-Jährige jetzt vor Gericht und wurde wegen "Vorteilsannahme" zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Details des pikanten Falles blieben gestern im Dunkeln. Der Grund: Die 46-Jährige musste dank eines umfassenden Geständnisses nicht in den Zeugenstand. Im Gegenzug für das Geständnis sagte das Amtsgericht nach Gesprächen mit den Prozessbeteiligten zu, nicht über eine bestimmte Strafhöhe hinauszugehen.

Der 39-Jährige räumte danach alle Vorwürfe ein. Auf Fragen berichtete er von großen privaten Problemen und beruflichem Druck durch hohe Fallzahlen in seinem Tätigkeitsbereich. Er habe Macht ausüben wollen, sei wohl "über das Ziel hinausgeschossen", meinte er gestern. Richter Björn Pfeifer verhängte eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung. Der Verurteilte muss außerdem 500 Euro an die Frau für deren Herabwürdigung zahlen. Die Justiz hatte nach Bekanntwerden des Falles sofort eine 20-prozentige Gehaltskürzung angeordnet. Der 39-Jährige nahm die Entscheidung mit hochrotem Gesicht an. Zu Ende ist die Angelegenheit noch nicht. Gegen den Rechtspfleger läuft ein Disziplinarverfahren - Ausgang offen.

Der Angeklagte war seit Anfang 2008 bei der Staatsanwaltschaft Traunstein als Rechtspfleger tätig. Mit der 46-Jährigen bekam er wegen einer noch nicht beglichenen Geldstrafe zu tun. Nachdem die Zeugin mit den Raten in Verzug war, rief sie den Rechtspfleger an. Er deutete an, weitere Raten könnten nicht mehr gewährt werden. Auf Bitte der Frau, ihr zu helfen, entgegnete er: Wenn sie etwa 1,75 Meter groß und blond sei, könne man "schon ins Geschäft kommen". Er brüstete sich am Telefon, was er so alles mit Frauen erlebe. Manche zögen sich vor ihm aus. Abschließend überredete der Amtsträger die 46-Jährige, ihm Unterlagen persönlich in sein Büro zu bringen.

Straferschwerend wirke weiter die Art des Vorteils: "Es gibt sicher schwerwiegendere Vorteile in Form von sechs- oder siebenstelligen Geldbeträgen. Dieser Fall hebt sich nach unten und nach oben vom Normalfall ab. Die Verletzung der Würde der Frau war sehr schwerwiegend." Eine Freiheitsstrafe sei unumgänglich. Sie könne problemlos zur Bewährung ausgesetzt werden.

kd/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

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