Regionalgeld - der Weg aus der Eurokrise?

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Traunstein - Die Eurokrise ist in aller Munde - aber wie kann sie bewältigt werden? Franz Galler vom Sterntaler-Verein zeigte im Sailer Keller Auswege aus der Krise - mittels Regionalgeld!

Regionalgeld – könnte es eine sinnvolle Alternative aus der Eurokrise sein? Franz Galler vom Sterntaler-Verein stellte kürzlich im Rahmen eines Fachvortrages beim Traunsteiner Forum Ökologie nicht nur die Regionalwährung „Sterntaler“ vor, sondern zeigte auch mögliche Auswege aus einer Finanzkrise durch Schaffung dezentraler nahezu autarker regionaler Wirtschaftskreisläufe auf.

Gut gefüllt war der Saal des Traunsteiner Sailer Kellers. Auch die von Franz Galler anfangs eingeläutete Fragerunde zeigte: das Thema brennt den Leuten unter den Nägeln. Der Euro wankt – Euro-Kritiker bekommen immer mehr die Oberhand. Und die große Politik scheint keine glaubwürdige Lösung mehr bieten zu können. In dieser Zeit gewinnen wieder die „alten Ideen in neuem Gewand“ an Zuspruch. „Raiffeisen 2.0“ betitelte daher Franz Galler, selbständiger Finanzberater und Vorsitzender des Sterntaler-Vereins im Berchtesgadener Land (im Prinzip das Pendant für den Chiemgauer im Landkreis Traunstein), seine Vortragsreihe. Schon vor über 150 Jahren schuf Friedrich Wilhelm Raiffeisen die Kooperative als Kapitalverteilungsstelle und wirtschaftlichen Träger für regionale Projekte. Ähnliches Gedankengut hegt auch Franz Galler, selbst jahrelang als Banker bei einer großen deutschen Bank tätig gewesen und nun selbständiger Finanzberater, der Regionalgeld aber auch regionale Wirtschaftskreisläufe in Takt halten will.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise, die „längst noch nicht in ihrer ganzen Dimension bei der Bevölkerung angekommen ist“ habe erschreckend eindrucksvoll gezeigt, das grenzenloses Wachstum nicht möglich sei, so Galler. Bereits nach 60 bis 70 Jahren würde eine jährlich um drei Prozent wachsende Wirtschaft aufgrund der exponentiellen Steigerung ihr Ende erreicht haben, ähnlich wie in der Natur bei der Heuschreckenvermehrung, die dann ein jähes Ende fände. Dieses Phänomen kannte nicht nur Raiffeisen, der als Bürgermeister den hungernden Bauern mit seinem Kooperationsgedanken aus ihrer wirtschaftlicher Not half, sondern auch der aus Oberndorf stammende Träger des alternativen Nobelpreises Leopold Kohr. „Systeme müssen begrenzt werden, sonst werden sie krank. Kleine Gemeinschaften haben dann zwar nicht weniger Probleme, können sie aber leichter meistern“, war einer seiner Grundgedanken.

Als kleinste überschaubare Einheit definierte er die Region – also das was man vom Berg aus überschauen oder mit dem Rad an einem Tag abfahren könne. Innerhalb dieser Region könnten zum einen über einen Tausch von Dienstleistungen und Gütern, die in regionalen Währungsäquivalenten gehandelt würden, der Wirtschaftskreislauf überschaubar in Gang gehalten werden. Zum anderen würden durch „Schwundgeld“ – das umgekehrte Prinzip der heutigen Zinspolitik (man erleidet finanziellen Wertverlust, wenn das Geld nur gehortet werde) – Anreize geschaffen, das Geld auszugeben. Dieses Prinzip der gelebten „Nachbarschafts- und Wirtschaftshilfe“ habe um 1930 (als die letzte große Weltwirtschaftskrise tobte) das „Wunder von Wörgl“ als auch die Schweizer „WIR-Bank“ ermöglicht. Galler entdeckte noch eine zeitgemäße wichtige Komponente, um dieses System in heutiger Zeit zu stützen.

In Japan entwickelte sich aufgrund des Altersstrukturwandels ein Vorsorge-Ticket-System „Fureai-Kippu“. Damit könnte man heute schon Pflegestunden leisten und damit „ Pflegezeit für die Zukunft einkaufen“, von der man selbst im Alter wieder profitieren würde. Gallers „Notfall- und Zukunftsplan“ für die Zeit nach dem totalen Kollaps des bis dato gültigen Finanz- und Wirtschaftssystems würde einen „gesunden Mix“ aus Talenttausch-, Regionalwährungs-, und Alterszeitkontensystem vorsehen. Die heute schon existenten Regionalwährungen Sterntaler oder Chiemgauer hätte noch Tausch-Schnittstellen zum Euro. Bei einem Verfall des Euro würden die neuen Regional-Kreisläufe autark reagieren müssen und das könnten sie „im Chiem- und Rupertigau aufgrund der dortigen kleinteiligen Strukturen und einer intakten Landwirtschaft großteils ohne Hilfe von außen“, skizzierte er sein Zukunftsszenario.

sts

Rubriklistenbild: © dpa

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