Schwierig: Parkplatzsuche an der Winklmoosalm

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Reit im Winkl (CH-Z) - Langwierig waren die Verhandlungen, aufwändig die Planungen, schwierig das Genehmigungsverfahren und sehr hoch allerorts die Erwartungen in die neue Gondelseilbahn von Seegatterl auf die Winklmoosalm.

Seit dem 18. Dezember ist die Bahn nun in Betrieb, die Tage über Weihnachten hinein ins neue Jahr stellen für diese mit 13 Millionen größte touristische Investition der gesamten Region in 2009 die erste Bewährungsprobe dar.

Wie wichtig auch dem Freistaat Bayern diese Innovation ist, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass dem Betreiber Andreas Brandtner nach dem bayerischen Seilbahnförderungsprogramm ein Zuschuss von 1,2 Millionen Euro gewährt wurde. Die Resonanz bei den Wintersportlern, bei den Bediensteten und dem Betreiber ist zwar überwiegend positiv, doch finden sich mitunter auch kritische Töne.

Um 8 Uhr ist Andreas Brandtner am Sonntag auf dem Parkplatz in Seegatterl, weist Autos ein und Parkwächter an. "Ich muss alle Abläufe selber kennen, um Optimierungen finden zu können", sagt er. "Im Grunde läuft nach den ersten Wochen alles recht gut, aber kleinere Verbesserungen gibt es halt immer."

Reaktionen vernommen hat auch Stefan Heigenhauser, Leiter der so genannten "roten" Skischule aus Reit im Winkl. Viele seiner Kursteilnehmer sagen, dass sie eigens wegen der neuen Bahn nach Seegatterl zum Skifahren kämen. "Es ist aber schade, dass die Abfahrt derzeit nur eingeschränkt möglich ist." Aus diesem Grund fahren viele Wintersportler mit der Gondel auch wieder zu Tal, was an der Bergstation Wartezeiten bis zu einer dreiviertel Stunde verursache. "Das wissen wir und haben den Zustrom zu den Gondeln dort jetzt besser geregelt", entgegnet Andreas Brandtner auf Nachfrage, nun gehe dies deutlich schneller.

Gerhard Trattler betreibt in den Räumlichkeiten der Talstation einen Skiverleih und ein Sportgeschäft. Einen Satz, so sagt er, höre er von seinen Kunden immer wieder: "Jetzt seid ihr in der Neuzeit angekommen." Und: "Die Skigäste reagieren sehr positiv auf die gesamte Anlage, besonders auch auf den großzügigen Innenplatz, der vom Kassenschalter, der Bushaltestelle, dem Sportgeschäft und dem Einstieg in die Gondeln umrahmt wird."

An diesem Sonntag füllt sich der Parkplatz bei Bilderbuchwetter und zweistelligen Minusgraden rasend schnell, die fünf Parkwächter haben "alle Arme voll zu tun", die unablässig einströmenden Fahrzeuge in die passenden Stellplatze einzusortieren.

Schon um 10 Uhr sind alle der 750 Parkflächen auf dem großen und auch alle 250 Stellplätze auf dem Neben-Parkplatz belegt. Jetzt beginnen die ersten Autofahrer, ihren Wagen neben der nahen Bundesstraße 305 auf dem Seitenstreifen zu parken. "Wir nehmen das zur Kenntnis, aber im Grunde sind wir machtlos", erklärt der Reit im Winkler Oberkommissar Ernst Pfaffenhuber, der vor Ort die Lage beobachtet. "Es werden halt öfter Seitenspiegel weggefahren und die Leute beschweren sich dann, weil niemand verantwortlich ist." Ungünstig sei freilich auch, dass der Ausweichparkplatz momentan nicht genutzt werden kann, nachdem dieser nicht rechtzeitig gewalzt wurde. "Die Leute reagieren auf keine Warnhinweise oder Durchsagen, die fahren lieber bis zur Schranke, um dann abgewiesen zu werden", so Pfaffenhuber weiter.

Viele Reit im Winkler Gäste kommen mit dem Buszubringer nach Seegatterl, hunderte Wintersportler warten jeden Morgen an der Tourist-Info, dem wichtigsten Sammelplatz. Etwa von 8.30 bis 12 Uhr fährt jede halbe Stunde ein RVO-Bus, an Stoßzeiten werden vier weitere Busse eingesetzt. Zudem organisieren die beiden Skischulen bei Bedarf eigene Busse. "Wenn nach 12 Uhr jemand zum Skifahren will, kann ich ihm keine Karte mehr verkaufen. Denn zum einen sind die Parkplätze in Seegatterl in diesen Tagen meist voll, ein Shuttlebus fährt dann auch nicht mehr", erklärt Stefan Mühlauer, Mitarbeiter in der Tourist-Info. Grundsätzlich gebe es aber sehr viele positive Rückmeldungen beim Zubringer wie bei der neuen Gondelbahn.

An der Talstation in Seegatterl nimmt am Nachmittag die Betriebsamkeit wieder zu. Erschöpft, aber zufrieden sehen viele der Wintersportler aus, die aus den Gondeln steigen. Im Vorübergehen bemerkt ein junger Snowboarder, dass die Aufschrift am Ticketschalter wohl nicht richtig sein könne. "Kassa" steht dort oben, aber das heiße doch "Kasse". Das habe schon seine Richtigkeit, erklärt Betreiber Brandtner, der auch jetzt noch auf der Anlage ist. "Kassa" sei zwar ein österreichischer Ausdruck, "aber wir haben die Bahn ja auch gebaut".

Hanns Ostermaier/Chiemgau-Zeitung

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