Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Rentner aus Töging mit „saurem Lüngerl“ vergiftet

Hartes Urteil im Mordprozess: Tögingerin (55) und Tochter (30) müssen ins Gefängnis

Im Töginger Giftmord wird am 7. Dezember das Urteil gesprochen.
+
Die Tögingerin (55) soll gemeinsam mit ihrer Tochter (30) ihren Vater vergiftet haben.

Eine Tögingerin (55) soll gemeinsam mit ihrer Tochter (30) ihren Vater vergiftet haben: Der Prozess stützte sich bislang vorrangig auf Indizien. Am Mittwochnachmittag fiel nun das Urteil gegen die beiden Frauen.

Update, 17.14 Uhr - Hartes Urteil im Mordprozess

Im Prozess gegen eine Tögingerin und ihre Tochter verkündet Vorsitzender Richter Volker Ziegler heute (7. Dezember) am Landgericht Traunstein das Urteil. Die Kammer kam zu dem Schluss, dass die Angeklagte K. sich wegen Mordes zu verantworten hat und ihre Tochter S.(30) des versuchten Mordes durch Unterlassung. K. wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, ihre Tochter S. zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe.

Es war ein fast perfekter Mord

Die Kammer geht davon aus, dass es in dem Anwesen des Rentners K. in Töging zunehmend zu Spannungen zwischen dem 75-Jährigen und dem Ehepaar im Obergeschoss gekommen war. Der Rentner habe angekündigt, dass seine dort lebende Enkelin S. mit ihrer Familie ausziehen müsse, was am Ende das Motiv für die Tat ihrer Mutter wurde. K. sei dann am frühen Nachmittag des 4. August 2021 mit einem „Sauren Lüngerl“ zu ihrem Vater gekommen, in welches sie eine Medikamentenüberdosis gemischt hatte. Ahnungslos hat der Rentner seine letzte Speise zu sich genommen und geriet anschließend in einen lebensbedrohlichen Zustand. So habe ihn die Angeklagte S. dann vorgefunden.

Schwierige Situation für Angeklagte S.

Die Kammer berücksichtigt, dass die Angeklagte S. sich als „abhängige Persönlichkeit“ in einer schwierigen Situation befunden haben muss. „Sie hat aber die Bindung zur Mutter gegenüber der Hilfe für den Großvater aber vorgezogen“, so Richter Ziegler. Als K. ihr verriet, dass sie dem Vater Medikamente gegeben hat, rief sie keinen Arzt. Ob tatsächlich noch Hilfe durch einen Arzt möglich gewesen wäre, ist der Kammer nach wie vor unklar. Auch, dass die 55-jährige K. ihrem Vater anschließend noch „die Luft mit einem Lappen genommen habe“ – wie Angeklagte S. ausgesagt hatte – war durch Beweise nicht belegbar.

Keine abgesprochene Tat

Von einer gemeinsamen und abgesprochenen Tat geht die Kammer nicht aus. Die kritische Würdigung der Zeugungsaussagen war laut Richter Ziegler in diesem Prozess besonders wichtig. Zur rechtlichen Begründung des Urteils sagt der Vorsitzende Richter: „K. führte eine aktive Handlung mit Tötungsabsicht aus, allerdings keine zweite Tat. Es liegt ein Mordmerkmal vor, nämlich die Heimtücke. Habgier lag ihrer Handlung aber nicht zugrunde, außerdem auch keine niedrigen Beweggründe.“

Keine niedrigen Beweggründe

„Der alte Herr ist aber lästig geworden, was zwar ein verwerflicher Gedanke ist, aber kein vergleichbar ‚niedriger Beweggrund‚“, so der Richter. Immerhin sei es K. um ihre geliebte Familie gegangen und nicht um schnöde materielle Gründe. „Sie wollte die Familie schützen, die insbesondere unter der Belastung durch die Pflege des alten Mannes litt“, führte Richter Ziegler aus. Aufgrund der Umstände in dem Anwesen des Großvaters und der Prämisse, dass die Enkelin S. sich um ihren Opa kümmern hätte sollen, sei sie Garantin für das körperliche Wohl des Rentners gewesen. Deswegen hat sie sich aus Sicht der Kammer des „Versuchten Mordes durch Unterlassen“ schuldig gemacht. 

Eine vierjährige Haftstrafe für die Angeklagte S. ist zurückzuführen auf eine dreifache Milderung: Die Angeklagte habe wegen ihres Verhaltens und ihren Teilgeständnissen zur Aufklärung der Tat beigetragen. Auch, dass sie ihre Mutter schützen wollte, wurde von der Kammer berücksichtigt.

Update, 16.06 Uhr - Urteil gefallen

Das Urteil im Giftprozess ist gefallen: Die Angeklagte K. (55) wird wegen Mordes an ihrem Vater zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Ihre Tochter, Angeklagte S. (30), erhält wegen versuchten Mordes durch Unterlassung eine Freiheitsstrafe von vier Jahren.

+++ Weitere Informationen zum Urteilsspruch folgen +++

Vorbericht, 11.48 Uhr - Freispruch oder Lebenslänglich?

Traunstein, Töging – „Es steht für mich außer Frage, dass Herr K. Opfer eines fast perfekten Mordes geworden ist“, formulierte Staatsanwalt Markus Andrä seine Überzeugung zur Schuld der 55-jährigen Tögingerin. Sie soll ihrem eigenen Vater am 4. August 2021 eine Überdosis an Beruhigungsmitteln in sein „Saures Lüngerl“ gemischt haben. Es liege besondere Schwere der Schuld vor, weil die 55-Jährige mit Tötungsabsicht handelte und ihre Tochter S. zudem daran hinderte einen Arzt herbeizurufen, so Andrä. Eine Rettung wäre laut dem Staatsanwalt noch möglich gewesen. Er forderte eine lebenslange Haftstrafe für die Angeklagte K.

Lebenslang für K. und sieben Jahre für ihre Tochter? Gift in „saurem Lüngerl“

Die Angeklagte S. soll laut Staatsanwalt sieben Jahre Freiheitsstrafe wegen „Versuchten Mordes durch Unterlassen“ erhalten: Weil die 30-Jährige die Tat ihrer Mutter verdecken wollte und keine Hilfe für ihren Großvater rief. „Ich bin überzeugt dass die Angeklagte S. und ihr Mann den Großvater als Belastung empfanden“, so der Staatsanwalt. In seinem Plädoyer sprach er den „unterirdischen“ Umgangston zwischen dem Verstorbenen und dem Ehepaar an. Andrä zeigte sich überzeugt, dass der Verstorbene K. am 4. August seiner Enkelin S. und Tochter K. den Beschluss mitteilte, dass S. samt Familie ausziehen müsste. Daraufhin soll seine Tochter beschlossen haben, den Rentner zu vergiften.

Während der Staatsanwalt lange Freihteitsstrafen forderte, plädierten die Verteidiger der 55-jährigen K., für deren Freispruch. Es lägen laut Meinung der Anwälte zu wenig handfeste Beweise vor. Die Verteidiger der 30-jährigen S. forderten lediglich eine sechsmonatige Haftstrafe auf Bewährung für ihre Mandantin. Diese sei jedoch mit der langen Untersuchungshaft bereits als „erledigt“ zu betrachten. Um 16 Uhr wird der Vorsitzende Richter Volker Ziegler das Urteil verkünden.

Kommentare