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Schulz will Parteibasis über SPD-Regierungsbeteiligung abstimmen lassen

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Angeklagter: "Es tut mir leid, was passiert ist!"

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Rosenheimer musste sich wegen einer Messerstecherei vor einem Rosenheimer Dönerladen verantworten
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Rosenheim – Im November 2012 eskalierte ein Streit in dessen Verlauf es zu mehreren Stichverletzungen kam. Der Angeklagte entschuldigte sich im Prozess am Dienstag beim Geschädigten:

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Messerstecherei vor Dönerbude: U-Haft

Die Nacht vom 17. auf den 18. November letzten Jahres stellte sich der Rosenheimer Thomas B. (27) sicher anders vor. Nach einem nächtlichen Besuch eines Dönerladens in der Kaiserstraße konnte der Mann nicht einfach seinen Weg fortsetzen. Er landete stattdessen für drei Tage im Krankenhaus – wegen 22 angeblicher Messerstiche. Der 23-jährige Angreifer steht nun am Dienstag, 19. März (9 Uhr), vor dem Landgericht in Traunstein. Ihm wird versuchter Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen.

Es war gegen 2:30 Uhr morgens, als der Geschädigte Thomas B. Und der Angeschuldigte Anton D. vor einem Dönerladen in der Kaiserstraße aufeinandertrafen. Dort kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen den Beiden. Gründe dafür sind nicht bekannt.

Bei der verbalen Auseinandersetzung sollte es allerdings nicht bleiben. Als sich der Geschädigte von dem gelernten Metzger abwenden wollte, soll dieser unvermittelt angegriffen haben. Im weiteren Verlauf sei es zu Schlägen und Stichverletzungen durch ein 7,5 cm langes Klappmesser gekommen, das der Angeschuldigte plötzlich gezückt haben soll.

Die Stiche trafen Thomas B. in den Kopf- und Nackenbereich, am Oberkörper, im Schulterbereich, im Rücken- sowie Oberschenkelbereich. Insgesamt waren es 22 Stichverletzungen, mit einer Länge von bis zu 2 cm. Das Opfer wurde daraufhin ins Krankenhaus gebracht und blieb dort weitere drei Tage in stationärer Behandlung. **chiemgau24 berichtet live**

UPDATE 9.48 Uhr:

Der 23-jährige Angeklagte sagt vor dem Landgericht Traunstein aus. Dabei ist nicht klar, ob er in der Tatnacht tatsächlich ein Messer bei sich trug oder ob die Verletzungen beim 27-Jährigen nur durch Glasscherben entstanden sind. Der Angreifer selbst sagt: "Ein Messer würde ich nie mitnehmen".

UPDATE 10.50 Uhr:

Der Angeklagte sagte vor dem Gericht aus, dass er täglich kiffe. Auch in der Tatnacht hatte er THC konsumiert, war zudem alkoholisiert und hatte Amphetamine in Form von "Badesalz" zu sich genommen. Damit erklärte er dem Vorsitzenden Richter Erich Fuchs auch seinen Blackout, den er zu späterer Stunde am Abend gehabt hätte. Er sei an diesem Abend zunächst in einem Rosenheimer Nachtlokal gewesen und habe sich vor dem Heimgehen noch einen Döner holen wollen. Dabei habe er mit einem Freund telefoniert. Laut Aussage des Angeklagten habe ihn der Beschädigte vor dem Döner-Laden an der Kaiserstraße angepöbelt, indem er sich "ins Gespräch eingemischt" hat. Danach habe er ihn aber nicht mehr gesehen. Erst nach dem Essen sei es zu weiteren Streitigkeiten gekommen. Der Angeklagte sprach vor dem Gericht von Beleidigungen gegen ihn, anschließend sei es "zum Schlagabtausch" gekommen. Hier hätte aber auch der Blackout eingesetzt: der Angeklagte äußerte, er könne sich an das Geschehene nicht mehr erinnern. Erst "im Polizeikerker" setzen seine Erinnerungen nach seinen Angaben wieder ein.

Fakt ist, dass ein Messer am Tatort gefunden wurde. Ob der 23-jährige Metzger tatsächlich damit zugestochen hat und vor allem, wem das Messer gehört, wird vor Gericht noch diskutiert. Der Angeklagte streitet weiterhin das Mitführen eines Messers ab. Er habe das Messer nur gehabt, als er es sich selbst aus der Hand gezogen hat [Anm. d. Red: Auch der Angeklagte trug in der Tatnacht Schnittwunden davon. Er behauptet, der 27-Jährige hätte ihm das Messer in die Hand gerammt.]

Auch zwei Polizisten machten bereits ihre Aussagen zur Tatnacht. Sie erläuterten, dass beide sehr stark alkoholisiert waren: Der Angreifer mit einem Wert von 1,70 Promille, das Opfer mit einem Wert von 1,85 Promille. Beide Familien, die von den Polizisten zum Fall verhört wurden, haben die Männer in ihren Aussagen als "friedliebend" beschrieben.

UPDATE 12.52 Uhr:

Auch der Geschädigte hat nun seine Aussage vor dem Landgericht getroffen. Er erzählte, dass der Angeklagte vor dem Dönerladen lautstark telefoniert habe. Dazu habe er schließlich einen Kommentar abgegeben. Es sei zum verbalen Streit gekommen, den der Geschädigte mit dem Satz "Komm, wir gehen jetzt nach Hause. Das passt dann schon" beenden wollte. Er versicherte vor Gericht, dass er auf Abstand gehen wollte: Er habe sich umgedreht und wollte gehen, als er einen Schlag im Kopf- und Nackenbereich gespürt haben. Ob es sich zu diesem Zeitpunkt schon um einen Stich handelte oder nur um einen Schlag, das wusste der 27-Jährige aber auch nicht mehr. Ganz klar möchte er aber ein Messer in der Hand des Angeklagten gesehen haben: "Ich habe gesehen, wie er mir in den Oberschenkel gestochen hat". In seiner Aussage nach der Tat gegenüber der Polizei sprach der 27-Jährige hierbei aber noch von einem metallisch aussehenden Gegenstand. Der Richter äußerte zu diesem Sachverhalt, dass die vielen Erinnerungslücken auf beiden Seiten sehr auffällig seien. Es sei deswegen auch schwierig, hier etwas festzustellen.

Der Geschädigte behauptete, eine zerbrochene Bierflasche habe beim Geschehen keine Rolle gespielt. Er selbst habe aber auch kein Messer dabeigehabt.

Noch ist also unklar, wem das Messer am Tatort gehört und ob es überhaupt benutzt wurde. Sowohl Angeklagter als auch Beschädigter bestreiten wiederholt, der Besitzer der Stichwaffe zu sein.

Ein hinzugezogener Textilgutachter hatte Fasern am Messer gefunden, die von der Jacke des Geschädigten stammen. Er möchte das Messer als Stichwaffe deswegen nicht ausschließen.

UPDATE 15.49 Uhr:

Dr. Irene Bier-Weiß hat dem Gericht ihr Gutachten über den Angeklagten vorgetragen: Demnach leidet der Angeklagte unter Depressionen und Angstzuständen. Es sei durchaus möglich, dass sich diese Zustände auf den Konsum der Amphetamine zurückführen lassen. 2012 war der Angeklagte deshalb auch schon in Behandlung.

Dr. Irene Bier-Weiß diagnostizierte allerdings keine Drogenabhängigkeit. Der Angeklagte würde Drogen nur bei gesellschaftlichen Aktivitäten konsumieren. Ansonsten sei er ein geselliger Mensch mit vielen Vereinstätigkeiten von Kindesbeinen an.

Abschließend bescheinigte die Gutachterin dem Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit aufgrund des Drogen-Mixes von "Badesalz" (Amphetamine), Anti-Depressiva und Alkohol.

Das Gericht hat eine Pause eingelegt. Im Anschluss werden die Plädoyers gehalten. Offenbar fällt noch heute das Urteil. 

UPDATE 16.35 Uhr:

Staatsanwalt Bernd Magiera hat soeben sein Plädoyer gehalten: Er verweist auf versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Die Begründung: Der Angeklagte hat 15 Mal zugestochen, in verschiedene Körperregionen. Er habe mit bedingtem Vorsatz gehandelt. Durch das Anpöbeln sei der Angeklagte in seiner Ehre verletzt worden und das habe er dem späteren Opfer heimzahlen wollen - ganz nach dem Motto "dem zahle ich es heim". Staatsanwalt Magiera forderte fünf Jahre und sechs Monate Haft.

UPDATE 17.06 Uhr:

Nun hat auch der Verteidiger Friedrich Schweikert sein Plädoyer gehalten: Er sieht eine Strafminderung wegen des Drogen-Mixes. Auch sei der Sachverhalt durch die Erinnerungslücken des Angeklagten und des Opfers unklar. Laut Schweikert seien außerdem die Verletzungen Bagatellschäden, wenn dann stehe das Zufügen von Schmerzen im Raum und kein versuchter Totschlag. Des weiteren sei an dem Messergriff die DNA von beiden Beteiligten gefunden worden.

Der Verteidiger pocht außerdem auf eine Notwehrlage, da der Angeklagter kleiner und schwächer als Geschädigte sei - er forderte Freispruch.

Im Anschluss an die Plädoyers äußerte sich noch einmal der Angeklagte zur Tatnacht mit den Worten "Es tut mir leid, was an diesem Abend passiert ist".

Das Gericht hat sich zur Urteilsfindung zurückgezogen. In etwa einer Stunde wird das Urteil erwartet!

Das Urteil (17.58 Uhr):

Das Gericht spricht den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung für schuldig. Das Urteil: Drei Jahre und drei Monate Gefängnis.

Die Begründung: Für das Gericht sei es erwiesen, dass der Angeklagte der Aggressor war, von ihm sei der erste Schlag ausgegangen. Zudem geht das Gericht davon aus, dass der Angeklagte das Messer mitgebracht hat, das würden die DNA-Spuren belegen. Dennoch habe das Gericht kein Motiv für eine Tötung erkannt. Zum einen hätten sich die beiden Kontrahenten nicht gekannt, zum anderen sei der Angeklagte durch Drogen und Alkohol beeinflusst und deshalb auch vermindert schuldfähig gewesen.

Ob die Verteidigung gegen das Urteil Revision einlegen wird, steht noch nicht fest. Verteidiger Friedrich Schweikert will das Urteil in der kommenden Woche prüfen und dann eine Entscheidung treffen.

Prozess: Messerstecherei vor Dönerladen

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