Wegen Millionenbetrugs vor Landgericht

Endlos-Verhandlung gegen Rosenheimer Unternehmer - Prozess entfällt

Rosenheim/Traunstein - Am 14. Oktober 2019 hat am Landgericht Traunstein ein Prozess gegen einen 62-jährigen Rosenheimer Unternehmer begonnen. Er soll Gelder in Millionenhöhe veruntreut haben. Am 27. Februar geht die Verhandlung weiter. **Wir berichten von vor Ort.**

Update, 10 Uhr: Prozess entfällt

Der heutige Prozesstag entfällt, wie unsere Reporterin aus Traunstein berichtet. Er wird voraussichtlich am 12. März fortgesetzt.


Vorbericht:

Am 21. Februar, dem mittlerweile neunten Verhandlungstag im Prozess um den Millionenbetrug eines Rosenheimer Unternehmers machte einer von bisher mehr als 40 Zeugen unfreiwillig Bekanntschaft mit der Polizei. Das Gericht ließ den 29-jährigen Ex-Mitarbeiter des Angeklagten von Polizeibeamten mit dem Streifenwagen vorführen. Die Kammer hatte Haftbefehl erlassen, nachdem der Zeuge mehreren Vorladungen unentschuldigt nicht nachgekommen war. Vor Gericht behauptete er, nie Schwarzlohn bekommen zu haben, obwohl er offiziell nur 150 Stunden ausbezahlt bekommen hatte. Auf seinem Stundenzettel waren 195 Arbeitsstunden aufgelistet.

„Warum haben Sie sich das über Monate gefallen lassen?“ wollte der Vorsitzende Richter wissen. Der 29-Jährige fand keine vernünftige Erklärung, warum er sich monatlich 50 bis 60 Stunden habe wegstreichen lassen. Sein mehrfaches Nichterscheinen erklärte er mit einem mehrmonatigen Auslandsaufenthalt. 


Am Donnerstag sollen weitere Zeugen aussagen.

Gelder in Millionenhöhe veruntreut?

Der angeklagte Unternehmer soll Arbeitsentgelte veruntreut und sich dadurch einen erheblichen Geldvorteil im unteren Millionenbereich verschafft haben. Wegen 177-facher Schädigung von Sozialkassen durch nicht abgeführte Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge von über 1,447 Millionen Euro wird einem Unternehmer mit Firma in Rosenheim seit Oktober 2019 vor der Zweiten Strafkammer am Landgericht Traunstein der Prozess gemacht. Mittels Scheinrechnungen und Scheinfirmen soll er Löhne schwarz ausbezahlt und sich dadurch die Sozialabgaben gespart haben.

Seit dem ersten Prozesstag schweigt der Angeklagte Unternehmer vor Gericht. Die bisherigen Verhandlungstage waren geprägt von zahlreichen Zeugenaussagen bei denen sich die ehemaligen Mitarbeiter durchwegs ziemlich unwissend zeigten. Einige von ihnen behaupteten, sie hätten Arbeiten freiwillig ausgeführt und dafür einen sehr geringen oder gar keinen Lohn bekommen. Schwarzlohn wollte niemand erhalten haben.

In den letzten acht Verhandlungstagen waren dreimal frühere Mitarbeiter des 62-Jährigen wegen des Verdachts auf Falschaussage für den Rest des jeweiligen Tages in einer Untersuchungshaftzelle gelandet (wir berichteten). Die Staatsanwälte Linda Arnotfalvy und Alexander Foff leiteten dazu noch strafrechtliche Ermittlungsverfahren gegen sie ein.

Arbeiter packt aus

Am sechsten Verhandlungstag kam dann die überraschende Wendung: Einer der Zeugen, der wegen des Verdachts der Falschaussage vorläufig festgenommen wurde, packte aus. 

Er bestätigte bei seiner Aussage, neben seiner regulären Monatsabrechnung, die überwiesen wurde, einen Teil des Lohns schwarz in bar bekommen zu haben. Auch bei seinen Kollegen sei dies so gehandhabt worden. „Die Stunden wurden aufgeschrieben und am Monatsende abgegeben. Dann haben wir einen Teil überwiesen bekommen,einen anderen Teil in Bar. 

jb

Rubriklistenbild: © picture alliance / Martin Schutt

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