Hoteldorf Zell: Ja oder nein?

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Ausschnitt aus dem Modell des "Hoteldorfs Zell" mit 14 Gästehäusern, über das morgen abgestimmt wird.

Ruhpolding - Am Sonntag sind 5251 stimmberechtigte Ruhpoldinger aufgerufen, beim Bürgerentscheid zum "Hoteldorf Zell" ihr Votum abzugeben.

Die Stimmabgabe erfolgt von 8 bis 18 Uhr in drei Wahllokalen in der Volksschule, mit einem Ergebnis wird nach Auskunft der Gemeinde noch vor 19 Uhr gerechnet.

Auf dem Stimmzettel haben sich die Wähler zur Frage: "Sind Sie dafür, dass das geplante 'Hoteldorf Zell' mit dem am 22. November 2010 vorgestelltem Konzept, in dieser Größenordnung und mit diesem Flächenverbrauch so nicht gebaut wird?" zwischen Ja oder Nein zu entscheiden.

Zur Erinnerung: Der Gemeinderat hatte bereits Ende August einen Aufstellungsbeschluss für das Gebiet "Hoteldorf Zell" verabschiedet der in weiteren Gemeinderatssitzungen zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans abgeändert wurde. Gegen die Planung regte sich in der Bevölkerung Widerstand und die Bürgerinitiative "Hoteldorf Zell - So nicht!" wurde gegründet. Diese konnte im November in einem Bürgerbegehren 978 Unterschriften für einen Bürgerentscheid sammeln, von denen 946 als gültig anerkannt wurden.

Daraufhin wurde von der Bürgerinitiative (BI) am 20. Dezember ein Bürgerbegehren eingereicht. Dies rief schließlich auch die Befürworter des Tourismusprojektes auf den Plan und auf Initiative des Verkehrs- und Kulturvereins wurde die Aktion "Dorfhotel Zell - Wir sind dafür!" ins Leben gerufen.

Im Wesentlichen richtet sich der Widerspruch der BI gegen die nach ihrer Ansicht "völlig überzogene Dimension" der geplanten Anlage mit 516 Gästebetten in 14 Gästehäuser mit rund 160 Hotelappartements auf einer Fläche von 27000 Quadratmetern. Die geplante Ferienwohnungssiedlung sei auch eine Konkurrenz für die bestehenden Ferienwohnungen, die die Betreiber "einem ruinösen Wettbewerb" ausliefere. Dabei legte die Initiative Wert auf die Feststellung, dass sie keine Totalverweigerung gegenüber einem sehr guten Hotel in Ruhpolding beabsichtige.

Die Aktion "Dorfhotel Zell. Wir sind dafür!" argumentiert, dass das geplante Dorfhotel für Ruhpolding die größte Chance seit Jahrzehnten und "wahrscheinlich die letzte dieser Art für lange Zeit" sei. Sie sieht darin auch jährliche gemeindliche Mehreinnahmen von rund einer halben Million Euro, zum Beispiel durch den Kurbeitrag, die X.tra-Karte oder Grundsteuer und damit auch ein finanzielle Sicherung der bestehenden Freizeitbetriebe, höhere Kaufkraft für den heimischen Einzelhandel sowie zusätzliche Ausbildungs- und Arbeitsplätze.

Auch die Junge Union macht sich für das Dorfhotel stark. In einer jetzt veröffentlichten Presseerklärung heißt es: "In Zeiten einer höchst angespannten Haushaltslage der Kommune brauchen wir dringender denn je die prognostizierten Mehreinnahmen von jährlich etwa 500000 Euro. Nur so haben wir als nachwachsende Generation, die in Zukunft Verantwortung im Ort übernehmen soll, Handlungsspielraum für künftige Entscheidungen." Das Dorfhotel schaffe über 80 Vollzeitarbeitsplätze und zirka zehn Ausbildungsplätze im Hotelfachgewerbe und wird damit zu einem, beziehungsweise dem größten privaten Arbeitgeber in Ruhpolding.

Genug Gelegenheit, sich über die Argumente der Bürgerinitiative "Hoteldorf Zell - So nicht!" und der Gegeninitiative "Dorfhotel Zell - Wir sind dafür!" zu informieren hatten die Einheimischen. Jetzt liegt es an ihnen, wie morgen der erste Bürgerentscheid in der Gemeinde ausgeht.

hbw/Chiemgau-Zeitung

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