Sitzung des Bauausschusses

"Schwarzbau": Auch zweite Tektur abgelehnt

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Mit diesem Foto möchte die Bauherrin illustrieren, dass ihr Haus (im Bild in der hinteren Reihe in der Mitte) nicht zu hoch ist.
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Ruhpolding - Am Donnerstag verabschiedete der Bauausschuss eine Stellungnahme zum vermeintlichen Schwarzbau. Sowohl das Votum als auch die Wortmeldungen waren eindeutig.

Einstimmig und mit eindeutigen Wortmeldungen hat der Bauausschuss am Donnerstagabend den zweiten Tekturplan für den umstrittenen "Schwarzbau" abgeschmettert. Die baulichen Veränderungen, wie der Aufzugschacht und der fehlende Dachüberstand, waren den Gemeinderäten immer noch zu gravierend. Die Erläuterungen der Bauherrin, die die zweite Tektur begleiteten, überzeugten die Räte nicht.

Bauherrin: Dachüberstand ist innenliegend

So erklärte die Bauherrin, eine leitende Angestellte im Staatlichen Bauamt, schriftlich, dass es sehr wohl einen Dachüberstand gebe. Dieser sei jedoch innenliegend. Mit Blick auf einen möglichen Dachüberstand sagte Bürgermeister Claus Pichler lediglich: "Wir haben's noch nicht gesehen." Auch die Ausführungen der Frau, wonach das Haus nicht zu hoch sei, sondern lediglich die Daten in der ursprünglichen Genehmigungsplanung fehlerhaft gewesen seien, stießen auf wenig Verständnis. Der Bürgermeister meinte dazu, die Eingabe mache schließlich der Bauwerber. Für fehlerhafte Daten kann also seiner Einschätzung nach nicht die Gemeinde verantwortlich gemacht werden.

Ein Kuriosum der zweiten Tektur ist ein hangseitig gelegenes - und ebenfalls bereits erbautes - Flachdach. Dieses müsste eigentlich unter der Oberfläche liegen, tatsächlich ist es aber gut zu erkennen. Integriert in das Dach sind zudem mehrere kleine Glaskuppeln – die ebenfalls nicht genehmigt sind. Unabhängig von den Glaskuppeln ist – wie der Bürgermeister erläuterte - ein Flachdach aber generell nicht genehmigungsfähig.

"Dann dürfen wir einpacken"

Insgesamt wunderten sich die Mitglieder des Bauausschusses über die gravierenden Abweichungen vom ursprünglichen Plan. "Dass diese Abweichungen niemand gespannt hat, ist bemerkenswert", meinte etwa der Bürgermeister und der Gemeinderat Ludwig Böddecker fragte: "Ist da überhaupt was an dem Gebäude, was im Plan drin ist?" Böddecker war es auch, der sich für eine klare Position der Gemeinde aussprach: "Wenn wir nichts dazu sagen, dann dürfen wir einpacken." Eine Meinung, die alle Ausschussmitglieder teilten. Das Votum gegen die zweite Tektur fiel einstimmig.

Ball liegt beim Landratsamt

Nach dem ablehnenden Votum des Bauausschusses landet die Angelegenheit nun wieder beim Landratsamt, der letztendlich für die Genehmigung zuständigen Behörde. Das Votum des Bauausschusses wird dem Landratsamt als Stellungnahme übermittelt. Man erwarte nun Vorschläge von der Bauwerberin, wie der Ortssatzung entsprochen werden könne, sagte Bürgermeister Pichler nach der Sitzung. "Wir können keine weiteren Zugeständnisse machen. Die Ortssatzung muss für alle gleich gelten", so der Bürgermeister. Um den Vorstellungen der Gemeinde zu entsprechen, muss die Bauherrin also wohl eine ganze Reihe Veränderungen vornehmen.

Wie es mittelfristig weitergeht – ob es etwa eine dritte Tektur geben wird, kann Pichler schlicht nicht sagen. "So etwas haben wir noch nie gehabt." Dass in das Haus inzwischen jemand einzieht, glaubt der Bürgermeister nicht. "Praktisch wird es wohl gehen, aber das Gebäude wird so genau beäugt. Da kann ich es mir nicht vorstellen."

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Lesen Sie hier den Vorbericht:

Jetzt meldet sich die Bauherrin zu Wort. Noch bevor der Bauausschuss der Gemeinde Ruhpolding am Donnerstagabend über den vermeintlichen Schwarzbau diskutiert, hat die Bauherrin eine Stellungnahme zur Debatte der letzten Wochen veröffentlicht. Darin widerspricht sie Darstellungen, wonach das Gebäude zu hoch sei und sich nicht in das Baugebiet einfüge. Die Bauherrin teilt mit: "Die Firsthöhe meines Neubaus liegt laut Vermessungsprotokoll 33 cm unter dem des westlichen Nachbarn und sogar 89 cm unter dem des östlichen Nachbarn. Die Gebäudehöhe ist genehmigt und unverändert." Zur Veranschaulichung hat die Frau ein Foto beigefügt, dass den "Schwarzbau" und die umliegenden Häuser zeigt.

Haus laut Baukontrolle 1,40 Meter zu hoch

Dieses Haus beschäftigt am Donnerstagabend den Bauausschuss

Das Gebäude beschäftigt seit Wochen Gemeinde und Landratsamt. Gerade die Höhe des Hauses ist dabei von entscheidender Bedeutung. So soll im Rahmen einer Baukontrolle festgestellt worden sein, dass das Haus 1,40 Meter zu hoch ist. Neben der Höhe spielen aber noch andere Faktoren eine Rolle. In einem nachträglich von der Bauherrin eingereichten Tekturplan befanden sich gleich mehrere Änderungen. Unter anderem war darin ein freistehender Aufzugsschacht und ein Gerüst für die Überdachung des Balkons enthalten. Zudem wurde auf die Dachüberstände verzichtet. Gravierend kam hinzu, dass die Änderungen zum damaligen Zeitpunkt bereits gebaut waren. Der Bauausschuss lehnte den Tekturplan ab und beantragte beim Landratsamt die Baueinstellung - was ebenfalls abgelehnt wurde.

Vergangene Woche reichte die Bauherrin einen zweiten Tekturplan ein. Dieser wird am Donnerstagabend Thema im Ruhpoldinger Bauausschuss sein. Im Anschluss an die Sitzung geht der Plan ans Landratsamt - gemeinsam mit einer Stellungnahme der Gemeinde. Nach Angaben des Bauamts entscheidet dann das Landratsamt, ob eine Genehmigung erteilt werden kann.

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