Ruhpoldinger Landwirt reagierte auf heimische Abgeordnete

Lieber Bio aus Italien? So sehen unsere Leser den Clinch zwischen Bauer Lang und MdL Sengl

Der Ruhpoldinger Landwirt Andreas Lang (links) und die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl aus Sondermoning im Landkreis Traunstein.
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Der Ruhpoldinger Landwirt Andreas Lang (links) und die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl aus Sondermoning im Landkreis Traunstein.

„Lieber biologischen Weizen aus Italien als konventionelles Getreide aus dem Nachbardorf“ - damit wollte Landtagsabgeordnete Gisela Sengl jüngst zeigen, wie sich das Artenschutz-Volksbegehren in der Praxis umsetzen ließe. Viele heimische Bauern sahen das als „Watschn“ - und unsere Leser?

Ruhpolding/Nußdorf - „Ich habe den Finger in die Wunde gelegt“, war sich Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl im Gespräch mit chiemgau24.de sicher. Eine ihrer Aussagen in einem Online-Webinar zur Zukunft der Ernährung schlug hohe Wellen: „Ich möchte lieber biologischen Weizen aus Italien als konventionelles Getreide aus dem Nachbardorf.“ Dem Artenschutz sei damit mehr geholfen, außerdem sei nicht die Herkunft, sondern die Art und Weise der Produktion entscheidend, so die Sondermoningerin.

Leser-Diskussion zum Bio-aus-Italien-Satz von Gisela Sengl

Als „heftige Watschn für alle regionalen Bauern“ sah es dagegen Landwirt Andreas Lang aus Ruhpolding im Gespräch mit chiemgau24.de. Und unsere Leser? Die stehen bei diesem Thema wohl mit deutlicher Mehrheit ebenfalls auf der Seite des Bauern. Mit 94 Prozent sprechen sie sich eher für „Konventionelles aus dem Nachbardorf“ als für „Bio aus dem EU-Ausland“ aus. An unserer Umfrage nahmen rund 900 Leser teil (Stand Donnerstagmittag, 21. Januar).

Auch in den Kommentarspalten unter unseren Artikeln oder auf unseren Facebook-Seiten war die Tendenz ähnlich. Wenig Verständnis für Gisela Sengl, dafür Rückhalt für heimische Landwirte, auch wenn sie nicht nach den Bio-Kriterien produzieren. Trotz des polarisierenden Themas gab es aber auch differenzierte Stimmen, wie die von „Leck1971“ bei rosenheim24.de:

Ob regional oder nicht: Sind die Transportwege ohnehin undurchsichtig?

„Praktisch schaut das doch für den Konsumenten so aus: Da steht auf dem Produkt ‚regional‘ drauf - kommt aber irgendwo aus Franken (Region ‚Bayern‘) oder vom Bodensee (Region ‚Süddeutschland‘). Da hat es dann das Produkt aus (Nord-)Italien auch nicht viel weiter. Für den Verbraucher sind die Transportwege einfach nicht nachvollziehbar. Welchen Weg der regionale Weizen nimmt bis er als Mehl beim REWE ist, weiß doch niemand.“

Der Kommentar von Leser Michl Alb bei Facebook hatte ebenfalls beide Seiten im Blick: „Sicher ist Bio besser. Doch die normale Landwirtschaft lernt auch dazu wie jeder. Die Spritzmittel werden aber auch immer geringer auf den Feldern da Landwirte geschult werden.“ Leser „Ischowieda“ war bei rosenheim24.de der Meinung, dass Sengl einen entscheidenden Umstand vergesse: „Unsere regionalen Landwirte können gar nicht die Mengen an Nahrungsmitteln produzieren, die tatsächlich ge- und verbraucht werden.“

Warum muss man unseren Bauern immer solche Vorschriften machen? Warum können wir nicht in unserem Land produzieren und dann verkaufen?“, fragte Hermann Anwander bei Facebook und auch Patrick Weiß schlug sich dort auf die Seite der Bauern: „Für alles wären unsere heimischen Landwirte die Buhmänner. War schon beim Volksbegehren ‚Rettet die Bienen‘ so.“ Andere Leser waren außerdem skeptisch, ob mit dem Bio-Label nicht ohnehin manchmal Etikettenschwindel betrieben werde.

Allein auf weiter Flur steht die Grünen-Landtagsabgeordnete bei unseren Lesern aber auch nicht. „Qualität ergibt sich nicht aus der Gegend wo produziert wird, sondern daraus wie produziert wird. Und da es mir in erster Linie um die Qualität geht, steht die Region für mich immer erst an zweiter Stelle“, bekannte Leser „Leck1971“ bei rosenheim24.de. Und Johann Wiesholler merkte bei Facebook an: „Vielleicht einfach mal Recherchieren was Artenschwund bedeutet, einfach mal ganz unvoreingenommen.
Oder was Spritzmittel für Auswirkungen auf das Ökosystem haben. Spätestens dann wird klar, was Sache ist.“

xe

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