"Hoteldorf Zell zu groß"

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Auf dem Areal des ehemaligen "Zellerbauernhofes" soll auf rund 2,7 Hektar das "Hoteldorf Zell" entstehen.

Ruhpolding - Das geplante "Hoteldorf Zell" ist seit Wochen nicht nur beherrschendes Thema im Gemeinderat, sondern rief jetzt auch Teile der Bevölkerung auf den Plan - jetzt gibt es eine Bürgerinitiative!

Die Bürgerinitiative "Hoteldorf Zell - So nicht!" wurde kürzlich von rund 30 Ruhpoldingern gegründet. Ihre Absicht sei nicht die Totalverweigerung gegen dieses Projekt, sondern die Änderung der "angestrebten, völlig überzogenen Dimension", betonte Pressesprecher Michael Jacobs.

Der Gemeinderat hatte Ende August einen Aufstellungsbeschluss für das Gebiet "Hoteldorf Zell" verabschiedet, der in der jüngsten öffentlichen Gemeinderatssitzung zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplan einstimmig abgeändert wurde. Bereits bei diesen Sitzungen zeichnete sich ein großes öffentliches Interesse ab.

Auf Initiative von Jakobine Bichler und Gudrun Koch kamen nun rund 30 Ruhpoldinger zusammen, eine Bürgerinitiative zu gründen. Aus ihrer Mitte wählten die Teilnehmer Dr. Michael Schuhbeck zu ihrem Vorsitzenden, Michael Jacobs zum Pressesprecher und Barthel Pichlmeier übernahm die Aufgabe zur Erstellung und Pflege eines Internetauftritts.

Die Teilnehmer kritisierten zu Beginn der Sitzung die aus ihrer Sicht "mangelhafte Informationspolitik des Gemeinderates", die nur den Eindruck verstärke, dass das "Hoteldorf Zell" möglichst schnell und geräuschlos an den Bürgern vorbei umgesetzt werden solle. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde deutlich, dass die Initiative keine Totalverweigerung gegenüber einem sehr guten Hotel in Ruhpolding beabsichtige. Selbst den Standort auf dem Gelände des ehemaligen "Zellerbauernhofes" hielten die Teilnehmer mehrheitlich für passend. Allerdings herrschte Übereinstimmung darüber, dass die vom Gemeinderat angestrebte Dimension des Hoteldorfs mit 14 dreigeschossigen Gästehäusern und 160 Hotelappartements - nach Einschätzung der Bürgerinitiative somit bis zu 800 Gästebetten - einem Hauptgebäude mit Empfang und gastronomischen Einrichtungen sowie verschiedenen Nebengebäuden mit Freizeit- und Erholungsangeboten wie Wellness, Indoorsport, Kinderclub, Jugendclub und anderem mehr "auf einem 27.000 Quadratmeter großen Grundstück völlig überzogen ist".

Es wurden auch Befürchtungen geäußert, dass dieses Großprojekt die Ruhpoldinger Vermieter von Ferienwohnungen in einen "unfairen und ruinösen Wettbewerb" treiben könnte. "Dieses Großprojekt auf dem Zellerboden wird das Landschaftsbild nachhaltig verschandeln. Es ist zu fragen, mit welchen Argumenten zukünftig ähnliche dreigeschossige Bauprojekte im Ruhpoldinger Tal verhindert werden können", so Pressesprecher Jacobs. Bislang ist nach Ansicht der Bürgerinitiative nicht nachgewiesen, dass das Projekt zur Wertschöpfung in der Gemeinde führen wird. Letztlich sei auch nicht erkennbar, dass Risiken berücksichtigt und beziffert werden können, die auf die Gemeinde zukommen, wenn das Konzept "ähnlich wie in zahlreichen europäischen Beispielen" zu keinem nachhaltigen Erfolg führt. Als nächsten Schritt wolle die Bürgerinitiative ein Bürgerbegehren vorbereiten, teilte Jacobs mit.

hbw/Chiemgau-Zeitung

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