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Eine echte Alternative in Ruhpolding

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Berg? OVB-Reporterin testet Angebot

Jedermann kann kostenlos mit der Dorflinie in Ruhpolding fahren.
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Jedermann kann kostenlos mit der Dorflinie in Ruhpolding fahren.

Ohne Auto zum Wandern nach Ruhpolding fahren? Geht das gut? OVB-Reporterin Heidi Geyer hat den Selbsttest gemacht.

Siegsdorf/Ruhpolding – Overtourism ist in aller Munde, erst recht nach den beiden Corona-Sommern. Nicht nur am See, sondern auch in den Bergen wurde es voll. In Ruhpolding kam sogar einmal ein Rettungswagen nicht mehr durch, so vollgeparkt waren die Straßen rund um die Wandergebiete. Oft heißt es, dass es keine Alternative zum Auto gebe, um in die Berge zu kommen – in Ruhpolding schon und die habe ich ausprobiert.

Am Pfingstmontag starte ich um 9.15 Uhr bei mit zuhause und gehe zum Bahnhof Siegsdorf. Pünktlich holt mich dort der Zug um 9.29 Uhr ab und ich reise mit dem 9-Euro-Ticket nach Ruhpolding. Die App der Deutschen Bahn warnt mich noch, dass eine hohe Auslastung auf dieser Strecke erwartet werde. Tja, Feiertag und bestes Bergwetter, noch dazu das günstige Ticket – kann das gutgehen? Ja, denn ich steige in einen fast leeren Zug ein. Ruhpolding ist offensichtlich nicht Sylt.

230.000 Euro für zwei Linien

Keine Viertelstunde später bin ich am Bahnhof in Ruhpolding, wo schon der Dorfbus auf mich wartet. Derzeit fahren zwei Linien: Eine zur Rauschbergbahn und ins Dreiseengebiet, die andere in Richtung Brand und Urschlau. Das lässt sich Ruhpolding 230.000 Euro im Jahr kosten, berichtet Bürgermeister Justus Pfeifer (CSU). „Ein Teil wird gefördert, für uns als Gemeinde bleiben 170.000 Euro, die mit den Parkgebühren der Wanderparkplätze gegenfinanziert werden“, so Pfeifer im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Außer mir sitzen noch acht Personen an Bord, offenkundig Gäste aus Ruhpolding. Wobei jeder die Dorflinie kostenlos nutzen kann, nicht nur Touristen oder Menschen, die ein Neun-Euro-Ticket haben. Unterwegs steigen noch ein paar Personen zu. Was nach wenig ausschaut, ist aber in Wahrheit mehr: „Über 20.000 Menschen haben im Jahr 2020 trotz Lockdown die Dorflinie benutzt“, sagt Pfeifer. Wobei die Schülerzahlen dabei nicht eingerechnet seien. Fast alle wollen auf Bergtour, der Busfahrer gibt noch den einen oder anderen Tipp.

Ab Sommer muss fürs Parken bezahlt werden

Ich steige um 9.55 Uhr in Brand aus und breche gleich auf in Richtung Nesslauer Schneid. Zugegeben, so richtig viel Benzin habe ich noch nicht gespart. Es sind zwölf Kilometer von Siegsdorf bis Brand. Beim Parken habe ich bislang auch noch nicht viel gespart, denn das kostet in Brand und in der Urschlau nichts. Noch: „Die Parkautomaten sollen dort im Sommer kommen“, erklärt Pfeifer. Dann werden sieben Euro pro Tag fällig, wie das jetzt schon am Unternberg, in der Laubau, in Seehaus und an der Chiemgau-Arena der Fall sei. Vier Euro können davon als Gutschein wieder bei Betrieben im Ort eingelöst werden. „15.000 Euro sind so in die heimischen Gewerbebetriebe geflossen“, sagt der Bürgermeister.

Über eine Stunde Wartezeit bis zum nächsten Bus

Um all das mache ich mir keine Gedanken. Auf kleinen Steigen bin ich unterwegs und mache dazwischen Brotzeit. So richtig Lust habe ich nicht, zu schauen, wann der nächste Bus geht. Lieber lasse ich mich ein bisschen treiben, als schon wieder den Abstieg zu planen. Das hätte ich aber besser tun sollen. Um 13 Uhr bin ich wieder in Brand. Aber der nächste Bus geht erst um 14.12 Uhr. Zuhause lockt der Liegestuhl. Was tun? Zu Fuß sind es eineinhalb Stunden nach Ruhpolding und mir langt’s eigentlich mit gehen.

An alle Kinder und Jugendlichen, die das lesen: Bitte nicht nachmachen! Ich muss aber zugeben, dass ich ein Urlauberpaar frage, ob sie mich mitnehmen. Sie setzen mich bei der Windebeutelgräfin ab und ich gehe dann doch die letzten Meter zu Fuß. Am Bahnhof muss ich noch eine gute Viertelstunde warten, bis ich um 13.48 Uhr in den Zug Richtung Siegsdorf steige.

Kosten für Dorflinie mit Parkgebühren ausgleichen

Für Justus Pfeifer ist der Dorfbus ein Erfolgsmodell. Nach Abzug aller Kosten sei realistisch, dass heuer ein sechsstelliger Betrag durch die Parkgebühren eingenommen werde. „Unser Ziel ist, dass wir die Kosten für die Dorflinie mit den Parkgebühren ausgleichen“, sagt der Ruhpoldinger.

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Schon jetzt habe sich die Parksituation verbessert. Die Dorfbuslinie will er ausbauen, ein großer Wanderparkplatz in der Nähe des Sportplatzes sei schon zu diesem Zweck gebaut worden. Ab kommendem Jahr soll auch ein Bus im 30 Minuten-Takt ins Drei-Seen-Gebiet fahren. Auch dort soll es dann Parkgebühren geben.

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