Waffenschein wegen Reichsbürger-Verdacht entzogen

Welche Zukunft hat Stitzl als Biathlon-Trainer in Ruhpolding?

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Biathlon-Trainer Stitzl mit seinem Anwalt vor dem Münchner Verwaltungsgericht.
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Ruhpolding/München - Weil er bei den Behörden Angaben machte, die für Reichsbürger typisch sind, wurde Biathlon-Trainer Stitzl nun die Waffenbesitzkarte entzogen - wie geht es für ihn weiter?

Er war schon Assistenz-Trainer der Biathlon-Nationalmannschaft und zuletzt Stützpunkttrainer im Juniorenbereich in Ruhpolding - doch nun setzt es negative Schlagzeilen gegen Andreas Stitzl aus Bergen. Das Landratsamt entzog ihm seine Waffenbesitzkarte, das Verwaltungsgericht München bestätigte nun die Entscheidung. Der Grund: Stitzl erweckte 2016 den Anschein, der Reichsbürgerbewegung nahezustehen. 

So äußert sich der DSV zum Fall Stitzl

"Wir müssen das Urteil zur Kenntnis nehmen, so haben wir uns das natürlich nicht erhofft", äußert sich jetzt Stefan Schwarzbach vom Deutschen Skiverband (DSV) gegenüber chiemgau24.de. Welche Zukunft hat Stitzl nach diesem Gerichtsentscheid beim DSV noch? Zum einen wolle man die ausführliche Urteilsbegründung abwarten, zum anderen geht das Verfahren wohl in die zweite Instanz, wenn der Biathlon-Trainer und sein Anwalt Claus Huber Wilhelm Berufung beantragen

Beim DSV wertet man zumindest Stitzls Distanzierung vor Gericht als positiv: "Dass er sich zu 100 Prozent von den Reichsbürgern distanziert hat, ist wichtig", so DSV-Sprecher Schwarzbach. Trotzdem: Wenn der "Sachverhalt vor Gericht unumstößlich" bleibe, wie Schwarzbach es formuliert, müssten die Pläne von Andreas Stitzl überdacht werden. Nach einer Trainerausbildung in Köln sollte er mit dem Diplom in der Tasche wieder zum DSV zurückkehren. Beschäftigt ist Stitzl derzeit offiziell bei der Bundeswehr. Ruhpoldings Biathlon-Stützpunktleiter Hans Rambold wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Fall äußern und verwies auf den DSV.

Stitzl bezog sich auf Gesetze von 1913

Hintergrund ist, dass Andreas Stitzl 2016 beim Landratsamt Traunstein eine Antrag auf Erteilung eines Staatsangehörigkeitsausweises machte: "In dem Antrag hat Herr Stitzl Angaben gemacht, wie sie für 'Reichsbürger' typisch sind", so Michael Reithmeier, Pressesprecher des Landratsamtes. Konkret bezog sich Stitzl auf das nicht mehr geltende Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz von 1913 und gab als weitere Staatsangehörigkeit "Königreich Bayern" an. "Deshalb wurden die waffenrechtlichen Erlaubnisse von Herrn Stitzl im Frühjahr 2017 widerrufen", so Reithmeier. 

"Nach dem Gesetz sind waffenrechtliche Erlaubnisse zu widerrufen, wenn Personen die erforderliche waffenrechtliche Zuverlässigkeit nicht aufweisen. Das ist bei Angehörigen der sogenannten Reichsbürgerbewegung der Fall, weil diese die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und deren Rechtsordnung ablehnen. Man muss deshalb befürchten, dass sich 'Reichsbürger' auch nicht an das Waffengesetz halten", heißt es aus dem Traunsteiner Landratsamt. Begrüßt wurde das Urteil des Münchner Verwaltungsgerichts auch vom bayerischen Innenminister Joachim Herrmann: "Die Behörden haben nachweislich sauber und höchst korrekt gearbeitet."

Stitzl: "Distanziere mich ganz klar und deutlich von Reichsbürger-Szene"

Und wie äußerte sich Stitzl selbst vor Gericht? "Ich muss das in aller Entschiedenheit sagen, dass ich mich ganz klar und deutlich von der sogenannten Reichsbürger-Szene distanziere. Das gleiche trifft zu zum Rechtsradikalismus. Ich bin das nicht." Es sei "erschreckend, dass ich mit den Vermutungen in Verbindung gebracht werde", als Berufssoldat habe Stitzl außerdem einen Eid auf die Bundesrepublik geschworen. Für die gerichtliche Entscheidung war es aber nicht maßgebend, dass sich Stitzl jetzt von den Reichsbürgern distanzierte - es kommt allein auf den Zeitpunkt an, als ihm das Landratsamt 2017 die Waffenbesitzkarte entzog.

xe

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