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Lukas, Sophia, Elisabeth und Georg vom GTEV „D‘Miesenbacher“

Ruhpoldinger Trachtler: Wie man unsere Tracht richtig trägt - und was absolute No-Gos sind

Lukas Kloiber, Sophia Haßlberger, Elisabeth Hallweger und Georg Hasselberger vom GTEV „D‘Miesenbacher“ aus Ruhpolding.
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Lukas Kloiber, Sophia Haßlberger, Elisabeth Hallweger und Georg Hasselberger vom GTEV „D‘Miesenbacher“ aus Ruhpolding erklären uns die Details der bayerischen Tracht rund um Dirndl und Lederhose.

Landauf landab kann wieder gefeiert werden und viele holen dazu Lederhose oder Dirndl aus dem Schrank - aber worauf sollte man dabei achten? Welche Details gibt es? Und welche absoluten „No-Gos“ gibt es? Vier Mitglieder des Ruhpoldinger Trachtenvereins „D‘Miesenbacher“ liefern uns die Antworten.

Ruhpolding - Sie sind über Generationen vererbt und dienen all jenen als Vorbild, die sich auch nur ein- oder zweimal jährlich mit ihnen schmücken: die oberbayerischen Gebirgstrachten. Freilich, bei den Trachtenvereinen gibt‘s für bestimmte Anlässe feste Regeln, was getragen werden darf - und trotzdem sind sich Lukas Kloiber, Sophia Haßlberger, Elisabeth Hallweger und Georg Hasselberger auch mit Blick auf die „Allgemeinheit“ einig: „Die Tracht lässt sich mit so vielem kombinieren, auch mit modernen Westen oder Schuhen. Eigentlich dürfte für fast jeden was dabei sein.“

„D‘Miesenbacher“ Ruhpolding: Die bayerische Tracht kurz erklärt

Worauf sollten „Gelegenheitsträger“ der Tracht also achten? „Es soll einfach aufeinander abgestimmt sein und nicht wehtun in den Augen“, lacht Sophia Haßlberger beim Besuch von chiemgau24.de. Heißt bei den Mädels und Frauen: die Haare schön beieinander, ein Dirndlkleid, das nicht zu kurz ist und zumindest noch die Knie verdeckt, schlichte Schuhe. Und die No-Gos bei den Burschen? „Lederhose kombiniert mit Turnschuhen oder Kappi“, kommt es bei Lukas Kloiber wie aus der Pistole geschossen. Aber natürlich gebe es auch abseits der Vereine viele, die anständig angezogen sind.

Natürlich freuen sich die vier Vertreter vom Gebirgstrachten-Erhaltungsverein (GTEV) „D‘Miesenbacher“ über den Trend der letzten Jahre und Jahrzehnte, dass vor allem die jüngere Generation wieder vermehrt Tracht trägt. „Man ist einfach gut angezogen“, so Elisabeth Hallweger. Dass viele, die das „fesche Gwand“ nur ein oder zweimal im Jahr tragen, dafür nicht allzu viel Geld ausgeben wollen, sei klar. Bei den Vereinsmitgliedern ist das schon was anderes: Zählt man alles zusammen, kommt eine komplette Ausstattung mit Schmuck, Accessoires und teuren Stoffen locker auf 3000 Euro - sowohl bei den Dirndln, als auch bei den Buam.

Wir sind mit den vier Ruhpoldingern einmal die Tracht von oben nach unten durchgegangen, beschreiben die Details, worauf Wert gelegt wird und worin sich die hiesigen Trachtenvereine unterscheiden - zuerst bei den Buam, dann bei den Dirndln.

Bayerische Tracht bei den Männern: Hut und Kopfschmuck

Trachtenhut und Adlerfeder als Flaum.

Forstgrün und handgemacht - darauf kommt es beim Hut an. Bei der Hutform wählen die „Miesenbacher“ meist zwischen Dreherhut oder Scheibling. Zum Schmuck tragen die Aktiven ab 16 Jahren eine Adlerfeder, den sogenannten Flaum. Oft bekommen sie die Trachtler vererbt, man kann die Federn aber auch kaufen. Innerhalb eines Trachtenvereins wird immer der Flaum oder die Feder des selben Tiers getragen - in Ruhpolding und bei vielen Vereinen der Region ist es der Adler. Der Gamsbart kommt bei Hochzeiten oder den Goaßlschnalzern zum Einsatz. Dazu kommen Hutzeichen - Pins oder Anstecker. Bei den Plattlern sind maximal sechs erlaubt.

Bayerische Tracht bei den Männern: Hemd und Laibe

Laibi und „Kreuz“ mit dem Namen des Trachtenvereins.

Oft sieht man bei Trachtenträgern auch dezent gestreifte oder karierte Hemden, die Vereinsmitglieder sind aber ausschließlich in weißen und langärmligen Hemden unterwegs. Dazu ein Liege- und kein Stehkragen. Wie weit die Knopfleiste nach unten gehen soll, dazu haben die Ruhpoldinger keine Vorschriften, auch nicht zu den Knöpfen - oftmals werden aber Hirschhornknöpfe am „Pfoad“ getragen. Darüber trägt man ein Laibi in forstgrün mit schwarzem Rücken: mit „Ausrahmung“ in der Mitte um das „Kreuz“ zwischen den Trägern der Lederhose in Szene zu setzen, auf dem der Name des Trachtenvereins prangt.

Bayerische Tracht bei den Männern: die Lederhose

Ranzen und Lederhose.

Das wohl bekannteste Stück Tracht ist die Lederhose. Sie aus Ziegenleder, geht knapp bis übers Knie und muss schwarz sein - das ist bei allen Vereinen im Gauverband 1 der Fall. Die Hosenträger der „Miesenbacher“ sind dagegen hellbraun, dazwischen prangt das „Kreuz“ mit dem eingestickten Namen des Vereins. Mit am wertvollsten an der ganzen Lederhose ist aber der sogenannte Ranzen: Wappen, Verzierungen oder Sinnsprüche wie „Gott schütze mich“ sind darauf eingestickt. Den Ranzen bekommen bei den Trachtenvereinen erst die Aktiven und wird deshalb wie eine Auszeichnung gesehen.

Bayerische Tracht bei den Männern: Schuhe und Wadenkleid

Loifein und Haferlschuhe.

Getragen wird von allen hiesigen Trachtenvereinen der klassische Haferlschuh mit seitlicher Bindung. Die Sohle ist aus Leder. Viele Vereine treten mit den bekannten Wadlstrümpfen auf - in Ruhpolding und einigen anderen Vereinen am Alpenrand werden aber „Loifein“ bzw. „Loferl“ getragen, die lediglich die Waden bedecken. Das Muster auf den „Loifein“ ist aber bei allen Vereinen unterschiedlich. Die Füße stecken wiederum in Socken, die im gleichen Muster wie die „Loifein“ gehalten sind.

Bayerische Tracht bei den Frauen: Gretlfrisur und Schmuck

Gretlfrisur und Kropfkette.

Am markantesten bei den Trachtlerinnen ist sicherlich die Gretlfrisur - entsprechend genau sind auch die Vorschriften im GTEV: zwei Zöpfe müssen es sein, auch mit Kunsthaar kann nachgeholfen werden. Zusammengehalten werden die Zöpfe mit Nadeln und Spangen, sowie einem Netz. Ein schmückendes Samtband bildet den Abschluss. Rund 20 Minuten brauchen die Dirndln, bis das „Gretei“ fertig ist. Getragen werden außerdem sogenannte Kropfketten um den Hals, die im Idealfall auf die Ohrringe abgestimmt sind. Und: Trachtenhüte mit Flaum kennt man auch bei den Frauen.

Bayerische Tracht bei den Frauen: das Dirndl

Dirndlbluse mit Leibi.

Das Dirndlgwand im eigentlichen Sinn besteht aus mehreren Teilen: Bluse, Samtleibi, Mieder, Rock und Schürzl. Die Bluse wird bei den „Miesenbachern“ immer in weiß und mit Rüschen getragen. Das Samtleibi ist dagegen immer schwarz und wird mit Knöpfen zusammengehalten - bei anderen Trachtenvereinen sieht man hier auch schon mal blau oder rot. Das Schürzl im Vordergrund wird in hellblau und von allen Dirndln im selben Muster getragen, die Schleife wird hinten gebunden. Der Rock darunter leuchtet rot. Das Mieder wird von allerlei Silbertalern geziert, teuer im Preis, aber oft weitervererbt.

Silbertaler als Miederschmuck.

Bayerische Tracht bei den Frauen: Strümpfe und Schuhe

Strümpfe und Haferlschuhe auch bei den Frauen.

Was man bei dirndltragenden Frauen außerhalb der Vereine so gut wie nie sieht: Haferlschuhe. Doch bei den „Miesenbachern“ unterscheiden sich die Schuhe bei Männern und Frauen nicht. Bei anderen Trachtenvereinen treten die Damen dagegen auch schon mal in „Dirndlschuhen“ auf, mit etwas Absatz, ähnlich zu Sandalen. Die Strümpfe unter den Haferlschuhen sind weiß, gestrickt und gehen bis zum Oberschenkel, darüber schließt sich eine Pumphose an.

Lukas Kloiber, Sophia Haßlberger, Elisabeth Hallweger und Georg Hasselberger: „Trachtler sein ist eine Generationensache“

„Alte Bräuche aufrechterhalten, die Tradition leben“, das ist‘s, worum‘s im Trachtenverein laut Georg Hasselberger geht - aber bei weitem nicht nur darum. „Schon als Kinder haben wir die Großen beim Platteln bewundert, das waren unsere Vorbilder“, so Lukas Kloiber. Als „Aktive“ sind alle vier heute selbst beim Platteln und Dirndldrahn dabei. „Trachtler sein ist oft eine Generationensache“, erzählt Elisabeth Hallweger. Von jung bis alt sind alle dabei, „und man bleibt es bis ganz zum Schluss. Jede Generation ist integriert und auch die Ältesten sitzen beim Trachtenumzug noch auf dem Wagen“.

xe

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