Rauschberg: Morgen kommt das Seil nach oben

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Rauschbergbahn-Betriebsleiter Toni Geisreiter hat ein wachsames Auge auf die Tragseil-Austausch-Arbeiten in Ruhpolding.

Ruhpolding - 59 Jahre hat das Tragseil der Rauschbergbahn Millionen von Bergsteigern und Wanderern auf den 1645 Meter hohen Gipfel gebracht. Jetzt muss es ausgetauscht werden.

Der Grund dafür ist jedoch nicht etwa Materialmüdigkeit des Seils: "Wir müssen es austauschen, weil die Seilreserve aufgebraucht ist und wir keinen Verzug mehr fahren können", so Rauschbergbahn-Betriebsleiter Toni Geisreiter auf Anfrage von Chiemgau24.de. Heißt: An der einzigen Stütze der fast 60 Jahre alten Bahn enstehen Druck- und Biegebelastungen am Tragseil. Um diese auszugleichen muss alle zwölf Jahre ein Verzug um die Stützenlänge gefahren werden, der mittels Seilreserven erfolgt. Diese waren nun erschöpft.

Fotos von den Arbeiten an der Bahn:

Neues Seil für die Rauschbergbahn

Top-Team vor Ort

Die Arbeiten an der Traditionsbahn im Chiemgau dauern bereits seit 22. Oktober an und sollen am 9. November abgeschlossen werden - "sofern das Wetter mitspielt", weiß Geisreiter. Er und sein rund zehnköpfiges "Seilaustauschteam" arbeitet mit Hochdruck, auch und trotz des jüngsten Wintereinbruchs mit Temperaturen um den Gefrierpunkt. Sechs Leute aus dem eigenen Rauschbergbahn-Team, vier bis sechs Arbeiter der Firma Doppelmayr aus Lana (Südtirol): "Sehr gute Leute", lobt der Betriebsleiter, der sich freut, dass man mit den Arbeiten trotz des schlechten Wetters - an der Bergstation sieht es aus wie im tiefsten Winter - erst einen Tag im Verzug ist. "Das holen wir aber womöglich wieder rein", ist der 52-jährige Inzeller optimistisch. Seine Mannschaft arbeitet meist zwölf Stunden, von 7 Uhr morgens bis 19 Uhr abends.

Reserve reicht wieder 60 Jahre

Das alte, mittlerweile entfernte Seil misst eine Schräglänge von 1.650 Metern. Das neue Tragseil, dass sich in einem Stück auf einer Spule befindet, ist 1.830 Meter lang. Die neue Seilreserve beträgt rund 90 Meter und soll nun - bei fünf bis sechs Verzugsfahrten (wieder alle zwölf Jahre eine) - erneut rund 60 Jahre halten. Die einzige Stütze der Bahn, die täglich bis zu 800 Wanderfreunde (120 in der Stunde) befördern kann, befindet sich rund 340 Meter vor der Bergstation.

Der spektakuläre Austausch - das neue Seil wird mit einem Verguss an das alte angebunden und mittels Winde nach oben gezogen - sollte ursprünglich am heutigen Montag erfolgen. Aufgrund des Wetters ist diese Aktion auf morgen, Dienstag, verschoben. Spätestens am Mittwoch soll das neue Seil die 950 Höhenmeter wieder verbinden. Dann folgen noch bis 9. November Abbruch-Arbeiten diverser Baustellen-Aufbauten: "Schließlich ist auch alles in seine Einzelteile zerlegt", so Geisreiter. "Das dauert schon seine Zeit, bis alles wieder zusammengeschraubt und am richtigen Platz ist".

20 Tonnen Seil werden bewegt

Rund 20 Tonnen an Seilmaterial müssen in diesen Tagen bewegt werden, eine hydraulische Bremse sorgt für die Sicherheit der unter einer enormen Spannung stehenden Aktion. Das voll verschlossene Tragseil aus Stahl weist einen Durchmesser von 42 Millimetern auf.

Nach dem Seilaustausch folgt die jährliche Revision mit dem TÜV. Alle Vorgänge müssen obendrein der Bayerischen Regierung mitgeteilt werden. Sie erteilte vorab auch die jeweils nötigen Genehmigungen. Für Betriebsleiter Toni Geisreiter ein Fulltimejob im Büro der Rauschbergbahn-Talstation: die Aktentürme werden größer und größer.

Ab dem 1. Weihnachtsfeiertag soll dann der normale Fahrgastbetrieb wieder laufen, um Skifahrer, Tourengeher, Schneeschuhwanderer und viele mehr wieder auf den Ruhpoldinger Hausberg zu befördern. Sieben festangestellte Mitarbeiter und vier Aushilfen beschäftigt die Rauschbergbahn-GmbH.

An schönen Bergtagen befördert die Bahn bis zu 120 Menschen pro Stunde, maximal 20 pro Kabine. Im nächsten Jahr feiert die Bahn, die im Dezember 1953 ihren Betrieb aufnahm, ihr 60-jähriges Bestehen - dann mit einem niegelnagelneuen Tragseil.

bit

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