Monatsversammlung VRB in Ruhpolding

"Arbeit der Landwirte wird vom Verbraucher schnell schlechtgeredet"

Ruhpolding - Die Vereinigung Ruhpoldinger Bürger (VRB)  traf sich zur monatlichen Versammlung und besprach vor allem die Bedeutung der Landwirtschaft in der Region und für die Umwelt.

Pressemeldung im Wortlaut:


Zur Monatsversammlung und dem Informationsaustausch begrüßte Vorstand Henning Wolf die VRB-Mitglieder mit ihrem Bürgermeisterkandidaten Justus Pfeifer um das Thema „Natürlich leben im Ruhpoldinger Tal“ Alm-, Land- und Forstwirtschaft sowie die vielfältigen Herausforderungen der Zukunft zu diskutieren. Ruhpolding ist die zweitgrößte Flächengemeinde Bayerns. Das Gemeindegebiet wird geprägt von Berg- und Tallagen. 

Der typische Charakter und der Wiedererkennungswert der Heimat wird hauptsächlich durch 13 Prozent an Alm- und Landwirtschaftsflächen gebildet. 2/3 der Fläche ist von Wald bewachsen. Heute bewirtschaften noch 82 registrierte Landwirtschaftsbetriebe - davon circa 50 Betriebe mit Almwirtschaft - die Tallagen und Almflächen sowie nennenswerte Bereiche der Wälder um den Ort. Sie sorgen für die offene vertraute Landschaft und sind Landschaftsgestalter und Landschaftspfleger seit vielen hundert Jahren


Bauern sind ebenfalls in der Vereinigung Bürger Ruhpolding vertreten

Stellvertretend für die Ruhpoldinger Landwirte wurden Ludwig Böddecker (Bezirksalmbauer des Almbezirkes Ruhpolding, Inzell, Siegsdorf und VRB-Gemeinderat), Anna Maier (Vorsitzende Ortsbäuerin der Gemeinde Ruhpolding), Sepp Zeller (Großstatter, VRB- Gemeinderat) und Theo Weibhauser (Biobauer vom Froschsee) eingeladen. Seit 1984 sind Landwirte für die VRB im Gemeinderat und aktuell stellt nur die VRB Landwirte Ratsmitglieder. Nur gesunde Talbetriebe sind in der Lage, die für Einheimische und Gäste so l(i)ebenswerte Landschaft, Al men und Wiesenflächen offen zu halten

Die VRB setzt sich seit Gründung für die heimische Landwirtschaft ein

Doch der Klimawandel, der gesellschaftliche Druck durch den Verbraucher, die hohe Konkurrenz von Billigprodukten sowie der demographische Wandel stellen viele Landwirte aus Ruhpolding vor große Herausforderungen. Die VRB ist seit Anbeginn 1984 ein Unterstützer der heimischen Landwirtschaft und hat zum Ziel, auch in der Zukunft dafür Lösungsansätze zu erarbeiten und umzusetzen. 

Ludwig Böddecker, seit 2008 für die VRB im Gemeinderat, leitet seit vielen Jahren einen Jahrhunderte alten Familienbetrieb im Brander Tal. Er gehört zu den Vordenkern und Visionären einer zukunftsorientierten Alm- und Landwirtschaft. „Der Klimawandel stellt für die Almwirtschaft eine große Herausforderung dar, wie beispielsweise die Wasserversorgung in heißen Sommern sowie der frühere Aufftrieb und eine frühere Beweidung der Almflächen um der Verunkrautung entgegen zu wirken.“ 

Jährlich gehen der Landwirtschaft 90 Hektar verloren

Gemeinsam mit den Weideberechtigten der Haaralm konnte Böddecker – selber Biolandwirt - eine dauerhafte Wasserversorgung sicherstellen und ist bemüht, neben dem eigenen Vieh auch durch Pensionsvieh eine angepasste Tierzahl sicherzustellen. Laut seiner Aussagen verliert die Landwirtschaft jährlich 90ha Almflächen alleine in Oberbayern, etwas mehr 120 Fußballfelder. 

Dies ist auch ein Grund dafür, dass Ludwig Böddecker wertvolle Almweideflächen beim Butzenwirt in Steilhanglage zusammen mit dem Landschaftspflegeverband wiederaktivierte, dadurch wertvolle Blühwiesen für Insekten und Artenvielfalt pflegt und der nächsten Generation erhält. Bei stetigem Verlust von Weideflächen und Betriebsaufgaben ist seine Sorge, die Erhaltung des hohen naturschutzfachlichen Niveaus der aktuell wirtschaftenden Betriebe Ruhpoldings aufrechtzuerhalten.

Anna Maier: "Arbeit der Landwirte wird vom Verbraucher schnell schlecht geredet"

Seit 2016 ist Anna Maier ehrenamtlich Ortsbäuerin des Ortes und in ihrer Funktion Ansprechpartnerin für die sozialen Belange der lokalen Landwirtsbetriebe. Hier, insbesondere bei krankheitsbedingten Ausfällen, ist sie bemüht, Hilfe zu vermitteln. Ferner besucht Sie viele Veranstaltungen, um die örtlichen Betriebe über den neuesten Stand zu informieren.

„Die Arbeit der Landwirte wird vom Verbraucher schnell schlecht geredet“, so die Bäuerin. „Viele Betriebe werden nur durch Idealismus und Traditionsbewusstsein am Leben erhalten; das scheint vielen Verbrauchern nicht bewusst zu sein. 90 Prozent der Betriebe Ruhpoldings -so wie auch meiner- werden im Nebenerwerb geführt.“

Anna Maier bemängelt, dass Verfehlungen einzelner landwirtschaftlicher Großbetriebe, pauschal auf unsere heimischen Betriebe übertragen werden. „Tierwohl“, das heißt, artgerechte Tierhaltung statt Massentierhaltung, genfreie Landwirtschaft und Erhalt der Kulturlandschaft sind für ihre Arbeit wichtig. 

"Landschaftspflege ist unerlässlich"

Theo Weibhauser ist seit 1994 einer der Biolandwirte des Ortes, die insgesamt fast 40 Prozent der landwirtschalftlichen Flächen bewirtschaften, und leitet seinen Betrieb am Froschsee. Zu seiner landwirtschaftlichen Nutzfläche gehören auch viele der 120ha Steilhanglagen des Ruhpoldinger Tales. 

Die Mahd dieser aufwendigen Steillagen ist Landschaftspflege und Landschaftsschutz und sichert die Artenvielfalt und den Erhalt wichtiger Biotope, so der Biolandwirt.

„Landschaftspflege ist unerlässlich für den Erhalt unserer Natur, Kulturschutz und Vorbeugung für Ereignisse, die dem Klimawandel geschuldet sind (Muren, Lawinen, Starkregen).“ 

Entschuldigt für die Sitzung und daher nicht anwesendes Gemeinderatsmitglied der VRB Zeller Sepp -Großgstatter-, zählt auch zu den Musterbetrieben des Ortes. Viele Feuchtwiesen und Moorflächen am Fuße des Unternbergs wie auch beachtliche Landwirtschaftsflächen des Gemeindegebietes werden durch ihn gepflegt. Neben dieser Tätigkeit in der Landwirtschaft setzen er und seine Frau auch richtungsweisende Akzente für neue touristische Angebote auf dem Bauernhof

Ziele des VBR unter ihrem Bürgermeisterkandidaten Justus Pfeifer

Fazit der Diskussion der hochinteressanten Monatsversammlung der VRB: Der Einsatz unserer Landwirte ist unentbehrlich für den Erhalt unserer Kulturlandschaft. Vor allem sie sorgen für Beständigkeit und sichern die nachhaltige Pflege der Heimat für die ganze Bevölkerung. 

Daher gemeinsames Ziel der VRB und ihres Bürgermeisterkandidaten Justus Pfeifer:

  • Intensive Unterstützung der Belange und Interessen der Alm- und Landwirtschaft
  • Gemeinsame Zusammenarbeit bei problemorientiertem Arbeiten 
  • Stärkung gemeinsamer Interessen von Alm-, Landwirtschaft und Tourismus 
  • Beteiligung der (Alm-) Landwirte bei der Tourismusgestaltung und Entwicklung
  • Unterstützung bei der Vermarktung von regionalen Produkten aus der Landwirtschaft

Detlef Jost

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